Fortschr Röntgenstr 2017; 189(10): 977-989
DOI: 10.1055/s-0043-112749
Breast
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Senologische Befunde bei CT-Untersuchungen des Thorax: eine retrospektive Auswertung

Article in several languages: English | deutschKathrin Barbara Krug1, Christian Houbois1, Olga Grinstein1, Jan Borggrefe1, Michael Puesken1, Bettina Hanstein2, Wolfram Malter2, David Maintz1, Martin Hellmich3
  • 1Dept. of Diagnostical and Interventional Radiology, University of Cologne Medical School, Cologne, Germany
  • 2Breast Center and Dept. of Obstetrics and Gynecology, University of Cologne Medical School, Cologne, Germany
  • 3Institute of Medical Statistics, Informatics and Epidemiology, University of Cologne, Germany
Further Information

Publication History

17 November 2016

22 May 2017

Publication Date:
06 July 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Ziel Die Rate inzidenteller Mammakarzinomen bei CT-Untersuchungen wird basierend auf Auswertungen der Befundberichte mit ≤ 2 % beziffert. Wegen der ansteigenden Frequenz von CT-Untersuchungen und der hohen Prävalenz von Mammakarzinomen sollten Häufigkeit und Art senologisch falsch negativer CT-Befunde auf der Basis retrospektiver Bildauswertungen überprüft werden.

Material und Methoden Alle erstmalig im Jahre 2012 durchgeführten KM-gestützten CT-Untersuchungen des Thorax bei volljährigen Patientinnen wurden retrospektiv eingeschlossen. Ein Radiologe wertete alle Bilddokumentationen nach BI-RADS hinsichtlich senologischer Herdbefunde aus. Alle BI-RADS ≥ 3 Einstufungen wurden von einem 2. Auswerter überprüft und bei divergierender Einschätzung im Konsens besprochen. Basierend auf allen klinischen, radiologischen und pathologischen Angaben wurden Referenzdiagnosen erarbeitet. Die senologischen Informationen der Befundberichte wurden retrospektiv nach BI-RADS klassifiziert und mit den retrospektiven Konsensauswertungen und den Referenzdiagnosen abgeglichen.

Ergebnisse Das Spektrum der Indikationen umfasste Staging und Verlaufskontrollen von soliden Organtumoren/Lymphomen (N = 701, 59,9 %) sowie vaskuläre (190, 16,2 %), entzündliche (48, 4,1 %) und pneumologische (22, 1,9 %) Fragestellungen. BI-RADS 1/2 Befunde lagen bei 92,5 % und BI-RADS 6 Befunde bei 1,7 % der 1170 Untersuchungen vor. Bei 68 Untersuchungen (5,8 %) wurden retrospektiv BI-RADS 3 – 5 Befunde beschrieben, die in 57 Fällen als benigne (46; 3,9 %) oder maligne (11; 0,9 %) einzustufen waren. 13 BI-RADS 4/5 Einstufungen (1,1 %) der Konsensauswertungen waren falsch positiv. Die beiden gesicherten falsch negativen CT-Befunde (0,2 %) waren therapeutisch und prognostisch nicht relevant.

Schlussfolgerung Bei der kurativen Diagnostik überwiegend nicht senologischer Fragestellungen betrug die relative Häufigkeit von BI-RADS 3 – 5 Befunden 5,8 %. Die Raten gesicherter falsch positiver retrospektiver BI-RADS 4/5-Befunde (1,1 %) und falsch negativer CT-Befundberichte (0,2 %) weichen naturgemäß von Werten aus einem senologischen Screening ab. Aussagen zur Prävalenz des okkulten Mammakarzinoms sind aufgrund des selektierten Kollektivs, der teils unvollständigen Parenchymerfassung und des retrospektiven Ansatzes nur mit Einschränkungen möglich.

Kernaussagen

  • Bei weiblichen Patientinnen ist bei etwa 5,8 % aller kontrastmittelgestützten CT-Untersuchungen des Thorax mit einem im Sinne einer sekundären Brustkrebsfrüherkennung weiter abklärungsbedürftigen Herdbefund in der Brustregion zu rechnen.

  • Irreguläre Formen, unscharfe/spikulierte Begrenzungen, inhomogene Binnenstrukturen und ein starker Dichteanstieg nach intravenöser Kontrastmittelgabe sprechen für eine maligne Genese eines computertomografischen Herdbefundes im Bereich der Mammae.

  • Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Bedeutung der gezielten Beachtung senologischer Nebenbefunde in der Computertomografie des Thorax auch außerhalb der hier untersuchten Gruppe von Patientinnen einer Klinik mit onkologischem Schwerpunkt.

Zitierweise

  • Krug KB, Houbois C, Grinstein O et al. Focal Breast Lesions in Clinical CT Examinations of the Chest: A Retrospective Analysis. Fortschr Röntgenstr 2017; 189: 977 – 989