Drug Res (Stuttg) 2017; 67(S 01): S14-S15
DOI: 10.1055/s-0043-116529
Symposium der Paul-Martini-Stiftung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

„Hirn-Doping“: Erythropoietin zur Verbesserung kognitiver Leistung bei Mensch und Maus

Hannelore Ehrenreich
Klinische Neurowissenschaften, Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, und DFG Forschungszentrum CNMPB, Göttingen
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
25 October 2017 (online)

Einleitung: Kognitive Leistung ist bei vielen neuropsychiatrischen Störungen beeinträchtigt, aber effektive Therapien fehlen. Im Rahmen klinischer Studien mit Patientengruppen mit Krankheiten so divers wie chronische Schizophrenie, chronisch-progrediente Multiple Sklerose, behandlungsresistente schwere Depression, aber auch bipolare Erkrankung, fanden wir über die letzten 15 Jahre hinweg immer wieder, dass rekombinantes humanes Erythropoietin (EPO) zuverlässig zu einer anhaltenden Verbesserung höherer kognitiver Funktionen führt. Insbesondere Exekutivleistungen, Lernen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit der Informations-Verarbeitung sowie zusätzlich Motivation und Antrieb waren bei allen untersuchten Krankheitsbildern unter EPO verbessert. Zudem fand sich eine Verminderung des Verlustes an grauer Substanz durch EPO in zwei unabhängigen Studien, bei Schizophrenie und bei affektiven Erkrankungen. Interessanterweise co-determiniert selbst normale genetische Variation in den Genen, welche EPO und EPO-Rezeptor kodieren, unsere kognitive Leistungsfähigkeit. Insgesamt finden unsere Patientenstudien mit Doping als „optimaler Feldstudie zur EPO-Wirksamkeit“ überzeugende Unterstützung: Auch wenn Doping im Sport abzulehnen ist, sollte doch „Hirn-Doping“ für die Behandlung von Patienten mit neuropsychiatrischen Erkrankungen erwogen werden.