CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2017; 77(09): 993-1001
DOI: 10.1055/s-0043-116857
GebFra Science
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Lebensqualität, Sexualität, anatomisches Resultat und Nebenwirkungen bei Implantation eines alloplastischen Netzes zur Zystozelenkorrektur im 36 Monats-Follow-up

Article in several languages: English | deutsch
Christian Fünfgeld
1  Klinik Tettnang GmbH, Tettnang, Germany
,
Margit Stehle
1  Klinik Tettnang GmbH, Tettnang, Germany
,
Brigit Henne
2  St. Elisabeth Krankenhaus, Leipzig, Germany
,
Jan Kaufhold
3  Regionale Kliniken Holding RKH GmbH, Ludwigsburg, Germany
,
Dirk Watermann
4  Evangelisches Diakoniekrankenhaus, Freiburg, Germany
,
Markus Grebe
5  Städtisches Klinikum Dresden-Friedrichstadt, Dresden, Germany
,
Mathias Mengel
6  Klinikum Oberlausitzer Bergland gemeinnützige GmbH, Zittau, Germany
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

received 02 April 2017
revised 12 July 2017

accepted 16 July 2017

Publication Date:
25 September 2017 (online)

  

Zusammenfassung

Einleitung Der Descensus genitalis kann die Lebensqualität erheblich einschränken. In vielen Fällen ist deshalb eine operative Korrektur erforderlich. Da die Rezidivrate bei der konventionellen Deszensuschirurgie recht hoch ist, wurden in den letzten Jahren zunehmend alloplastische Netze zur Stabilisierung eingesetzt. Die anatomischen Resultate konnten hierdurch deutlich verbessert werden. Die möglichen netzinduzierten Risiken haben zu einer kontroversen Diskussion über deren Einsatz geführt. In einer großen multizentrischen Studie wurde der Einfluss einer Netzimplantation zur Zystozelenkorrektur auf die Lebensqualität/Sexualität, und Langzeitstabilität untersucht.

Methode 289 Patientinnen mit symptomatischer Zystozele wurden in einer prospektiven Studie mit einem titanisierten Polypropylennetz (TiLOOP® Total 6, pfm medical ag) operiert und 36 Monate nachbeobachtet. Sowohl Primär- als auch Rezidiveingriffe wurden berücksichtigt. Das anatomische Resultat wurde mittels POP-Q-System quantifiziert. Die Lebensqualität inkl. Sexualität wurde mit dem validierten P-QoL-Fragebogen erfasst. Alle unerwünschten Ereignisse wurden von einem unabhängigen Komitee bewertet.

Ergebnisse Das Durchschnittsalter der Patientinnen betrug 67 ± 8 Jahre. Die Lebensqualität verbesserte sich im Verlauf der Studie signifikant in allen untersuchten Bereichen, auch hinsichtlich der Sexualität und Partnerschaft (p < 0,001, Wilcoxon-Test). Die Anzahl unerwünschter Ereignisse zwischen 12 und 36 Monaten war mit 22 Meldungen gering. Die Rezidivrate im anterioren Kompartiment betrug 4,5%. Eine vorbestehende oder begleitend durchgeführte Hysterektomie erhöhte das Risiko eines Rezidivs im posterioren Kompartiment um das 2,8-Fache, das einer Erosion um das 2,25-Fache.

Schlussfolgerung Die Zystozelenkorrektur mit einem alloplastischen Netz der 2. Generation erzielt in Fällen von gewünschter Stabilität oder in der Rezidivsituation ein gutes anatomisches und funktionelles Ergebnis. Die Rezidivrate ist gering, die Lebensqualität verbessert sich signifikant und die Risiken sind vertretbar.