Aktuel Kardiol 2017; 6(06): 446-449
DOI: 10.1055/s-0043-118604
Übersichtsarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Akutes Koronarsyndrom und Schlaganfall – interdisziplinäres Management

Acute Coronary Syndrome and Apoplex – Interdisciplinary ManagementTobias Zeus1, Sebastian Jander2
  • 1Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
  • 2Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
Further Information

Publication History

Publication Date:
06 December 2017 (online)

Zusammenfassung

Das akute Koronarsyndrom folgt in Diagnostik und Therapie europäischen Leitlinien. Die interventionelle Therapie steht in der Akutphase im Vordergrund. Ziel ist die Wiederherstellung der Myokardperfusion durch Wiedereröffnung eines verschlossenen oder stenosierten Koronargefäßes. Analog hierzu ist der wesentliche Eckpunkt der Behandlung des akuten Hirninfarkts die zerebrale Rekanalisation. In Abhängigkeit vom zeitlichen Verlauf und der Lokalisation wird dies durch Thrombolyse und/oder endovaskuläre Thrombektomie erreicht. Eine besondere Herausforderung ist das gleichzeitige Auftreten von Schlaganfall und akutem Koronarsyndrom. Da eine Troponinerhöhung in diesem Zusammenhang sowohl eine Dysbalance zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf als auch Zeichen einer koronaren Plaqueruptur darstellen kann, sind Anamnese, EKG und Bildgebung besonders wichtig, um die Indikation zur Herzkatheterdiagnostik sicher stellen zu können. Die periinterventionelle und postinterventionelle Gerinnungstherapie sollte interdisziplinär abgestimmt werden und das intrazerebrale Blutungsrisiko berücksichtigen.

Abstract

Diagnostic and therapeutic strategies of acute coronary syndrome are carried out according to European guidelines. Interventional therapy is the preferred method during the acute phase. The aim is to restore coronary blood flow and salvage myocardium. Similarly interventional strategies can also be used for apoplex to restore cerebral perfusion. This can be achieved by thrombolysis and/or interventional maneuvers depending on time interval from onset of symptoms and diagnosis. A challenging clinical scenario exists if both apoplex and acute coronary syndrome occur simultaneously. Troponin elevation is not specific in these situations. To differentiate between dysbalance of oxygen demand and oxygen supply versus loss of myocardium through plaque rupture, cardiac symptoms, ECG and imaging have to be taken into account. Coronary angiography has to be performed, when concomitant acute coronary syndrome is diagnosed. The peri- and postprocedural anticoagulation and platelet therapy should be discussed in an interdisciplinary team.

Was ist wichtig?
  • Akutes Koronarsyndrom (ACS): Die Behandlung richtet sich nach den europäischen Leitlinien (ESC Guidelines). 2016 wurden die Leitlinien für Patienten mit Nicht-ST-Streckenhebungsinfarkt veröffentlicht. Die Aktualisierung für Patienten mit ST-Streckenhebungsinfarkt soll noch in diesem Jahr erfolgen. Die interventionelle Therapie (perkutane koronare Intervention, PCI) steht nach wie vor im Vordergrund.

  • Akuter Hirninfarkt: Die rekanalisierende Therapie ist der wesentliche Eckpunkt in der Behandlung des akuten Hirninfarkts. Neben der systemischen Thrombolyse ist die endovaskuläre Therapie mittels Thrombektomie für große Gefäßverschlüsse im vorderen Hirnkreislauf evidenzbasiert und in der Leitlinienempfehlung abgebildet.

  • Koinzidenz ACS und Schlaganfall: Eine Troponinerhöhung bei akutem ischämischem Schlaganfall kann einerseits eine ungünstige Prognose oder andererseits ein gleichzeitig auftretendes ACS anzeigen. Kommen typische Beschwerden und typische EKG- oder echokardiografische Veränderungen hinzu, sollte eine Katheterdiagnostik mit ggf. PCI erfolgen. Die Risikoabwägung für das therapeutische Vorgehen muss u. a. das Risiko einer sekundären zerebralen Einblutung unter antithrombotischer Therapie berücksichtigen.