Aktuel Kardiol 2017; 6(06): 416-423
DOI: 10.1055/s-0043-121630
Übersichtsarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sekundärprävention des ischämischen Schlaganfalls bei Vorhofflimmern oder Karotisstenose

Secondary Stroke Prevention in Patients with Atrial Fibrillation or Carotid StenosisKarl Georg Häusler1, 2, 3, Peter Arthur Ringleb4
  • 1Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • 2Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB), Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • 3Kompetenznetz Vorhofflimmern e. V., Münster
  • 4Neurologische Klinik, UniversitatsKlinikum Heidelberg
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Publication Date:
06 December 2017 (online)

Zusammenfassung

Der ischämische Schlaganfall zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland und ist die führende Ursache für erworbene Behinderungen. Etwa 10 – 15% aller ischämischen Schlaganfälle werden mutmaßlich durch eine durch Vorhofflimmern bedingte zerebrale Embolie hervorgerufen. In einer durchaus vergleichbaren Häufigkeit sind arteriosklerotische Stenosen der A. carotis als Ursache einer zerebralen Ischämie anzunehmen. Dieser Übersichtsartikel fasst den aktuellen Wissensstand zur (medikamentösen) Sekundärprävention für Schlaganfallpatienten mit bekanntem Vorhofflimmern bzw. für Schlaganfallpatienten mit einer Karotisstenose zusammen und soll den ambulant behandelnden Ärzten eine Handhabe für die Praxis sein.

Abstract

Stroke is a leading cause of death and the leading cause of acquired disability in Germany. Approximately 10 – 15% of all ischemic strokes are caused by atrial fibrillation-related embolism. In addition, a comparable number of ischemic strokes is caused by an atherosclerotic stenosis of the carotid artery. This review summarizes the present knowledge regarding medical secondary stroke prevention in patients with atrial fibrillation or carotid stenosis, respectively. The review is intended to give treating physicians a practical guideline in daily clinical practice.

Was ist wichtig?
  • Schlaganfallpatienten mit Vorhofflimmern und Schlaganfallpatienten mit einer symptomatischen Karotisstenose weisen langfristig ein vergleichsweise hohes Risiko für einen erneuten ischämischen Schlaganfall auf. In den ersten 4 Wochen ist das Rezidivrisiko einer symptomatischen Karotisstenose in aller Regel höher als das einer kardialen Embolie bei Vorhofflimmern.

  • Eine bestmögliche Sekundärprävention setzt bei Schlaganfallpatienten mit Vorhofflimmern oder einer Karotisstenose eine individualisierte (medikamentöse) Therapie bestehender kardiovaskulärer Risikofaktoren und die Modifikation von Lifestyle-Faktoren voraus.

  • Für die Sekundärprävention von Schlaganfallpatienten mit Vorhofflimmern ist in aller Regel eine orale Antikoagulation indiziert. Im Vergleich zu einer oralen Antikoagulation ist eine Sekundärprävention des Schlaganfalls anhand einer rhythmuserhaltenden Therapie oder eines Verschlusses des linken Vorhofohrs nicht belegt.

  • Die invasive Behandlung symptomatischer Karotisstenosen ist vor allen Dingen bei höhergradigen Stenosen – > 50% (Frauen) bzw. > 70% (Männer) gemäß NASCET-Kriterien – indiziert und sollte frühzeitig nach dem Indexereignis erfolgen.

  • Bei Schlaganfallpatienten mit Vorhofflimmern und mit vorgeschalteter ipsilateraler Karotisstenose der vom Schlaganfall betroffenen Hirnareale ist die Differenzierung der Schlaganfallätiologie oft nicht sicher möglich. In solchen Fällen wird zumeist die Operation der Karotisstenose mit anschließender oraler Antikoagulation zu empfehlen sein.