Aktuel Kardiol 2017; 6(06): 440-445
DOI: 10.1055/s-0043-121631
Übersichtsarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vorhofflimmern als Risikofaktor für eine Demenz

Atrial Fibrillation as a Risk Factor of Dementia
Joanna Dietzel
1  Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB), Charité – Universitätsmedizin Berlin
,
Matthias Endres
1  Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB), Charité – Universitätsmedizin Berlin
2  Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
3  Standort Berlin, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Berlin
4  Standort Berlin, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Berlin
,
Karl Georg Häusler
1  Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB), Charité – Universitätsmedizin Berlin
2  Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
5  Kompetenznetz Vorhofflimmern e. V., Münster
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
06 December 2017 (online)

Zusammenfassung

Sowohl Vorhofflimmern als auch eine Demenz weisen eine hohe Prävalenz in der älteren Bevölkerung auf und werden in einem relevanten Ausmaß durch vergleichbare kardiovaskuläre Risikofaktoren bedingt. Vorhofflimmern ist bekanntermaßen ein unabhängiger Risikofaktor für den ischämischen Schlaganfall und zudem ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz, wie bevölkerungsbasierte Untersuchungen und systematische Übersichtsarbeiten belegen. Unabhängig von durch Vorhofflimmern bedingten zerebralen Ischämien scheint eine durch Vorhofflimmern induzierte chronische zerebrale Hypoperfusion und eine systemische Entzündungsreaktion der Entwicklung kognitiver Defizite Vorschub zu leisten. Obwohl bei bekanntem Vorhofflimmern bisher weder eine rhythmuserhaltende Therapie noch eine Gerinnungshemmung im Sinne einer medikamentösen Schlaganfallprävention nachweislich förderlich für die Prävention einer Demenz ist, stellt eine individualisierte und leitliniengerechte Therapie des Vorhofflimmerns sicher einen vielversprechenden Ansatz klinischer Studien dar. Die kognitive Funktion von Patienten mit Vorhofflimmern sollte zudem in der klinischen Praxis Beachtung finden.

Abstract

Atrial fibrillation as well as dementia have a high prevalence in the older population and are caused to a certain extent by similar cardiovascular risk factors. Atrial fibrillation is an independent risk factor for ischemic stroke and a risk factor for dementia, as demonstrated by large observational studies and systematic reviews. Besides atrial fibrillation-related ischemic brain lesions, atrial fibrillation-induced chronic hypoperfusion of the brain and systemic inflammation may lead to cognitive impairment. So far neither rhythm control in symptomatic patients with atrial fibrillation nor medical stroke prevention by anticoagulants has a proven benefit regarding the prevention of cognitive decline and dementia. However, individualized therapy in line with the guidelines seems to be promising and should be addressed in further trials. In addition, attention should be paid to cognitive function in patients with atrial fibrillation in daily clinical practice.

Was ist wichtig?
  • Patienten mit Vorhofflimmern weisen (im Verlauf) häufig kognitive Defizite auf.

  • Vorhofflimmern ist als Risikofaktor für eine Demenz anzusehen.

  • Eine durch Vorhofflimmern induzierte vaskuläre Schädigung des zentralen Nervensystems kann in einer kognitiven Leistungsminderung resultieren und auch der Progression einer nicht vaskulär bedingten Demenz Vorschub leisten. Zudem sind eine durch Vorhofflimmern bedingte chronische zerebrale Hypoperfusion, eine Aktivierung der durch Sphingosin-1-Phosphat vermittelten Signalkaskade und eine induzierte systemische Entzündungsreaktion als Ursache einer kognitiven Leistungsminderung zu diskutieren.

  • Studien zur Prävention kognitiver Störungen bei Patienten mit Vorhofflimmern sind wünschenswert, setzen jedoch eine standardisierte und serielle Erfassung der kognitiven Funktion voraus.