Rehabilitation (Stuttg) 2000; 39(5): 
DOI: 10.1055/s-2000-7859
ORIGINALARBEIT

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Erfahrungsbericht über das Bad Gandersheimer Modell zur Komplexrehabilitation - Aufbau eines südniedersächsischen Kompetenznetzwerks für die Verzahnung der medizinischen und beruflichen Rehabilitation bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz

L.  Trowitzsch, B.  Rust
  • Klinik- und Rehabilitationszentrum Bad Gandersheim und BFW Goslar
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Publication Date:
31 December 2000 (online)

Bernhard Jagoda, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, schloss seinen Festvortrag zum 40-jährigen Bestehen des Berufsförderungswerkes Düren mit einem Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Nicht behindert zu sein, ist ein Geschenk, das dir jederzeit genommen werden kann.” Dass es aber z. B. auch nach einer Erblindung oder starken Sehbehinderung eine sinnvolle Lebens- und Arbeitsperspektive gibt, davon konnten sich die rund 400 Festgäste überzeugen, die der Einladung des BFW gefolgt waren - durch die wohlgesetzten Worte während des Festaktes im Winkelsaal von Schloss Burgau und nachher bei der Besichtigung der Einrichtung und der dort gebotenen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für rund 200 Rehabilitanden.

Seit der Gründung der Rheinischen Umschulungsstätte für Späterblindete im Jahre 1960 - das heutige Berufsförderungswerk wurde 1975 Rechtsnachfolger - wurden rund 3000 Frauen und Männer, die aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls ihr Augenlicht völlig oder teilweise eingebüßt hatten, in einen neuen Beruf umgeschult. Im Vergleich zu den Gründerjahren hat sich die Angebotspalette bis heute natürlich wesentlich verändert. Neben den traditionellen Blindenausbildungen zum Telefonisten, zur Schreibkraft, zum Industriearbeiter und zum Masseur sind neue Ausbildungszweige, wie z. B. die zum Bürokaufmann, zum Verwaltungsfachangestellten und zur Fachkraft für Telefonmarketing, hinzugekommen. Der neueste Zweig: die Ausbildung zum Informatikkaufmann - durchgeführt in Kooperation mit dem RWE und der örtlichen Berufsschule.

Was geblieben ist, ist die hohe Vermittlungsquote. „80 % der Rehabilitanden des Berufsförderungswerkes finden eine dauerhafte Stelle”, würdigte Jagoda das Engagement der Dürener Einrichtung, deren Erfolg mit einer Person im besonderen verbunden ist: Siegfried Wiedenlübbert, langjähriger Leiter der Einrichtung, nach der Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH deren Geschäftsführer und heute Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. Seine Verdienste wurden auf dem Festakt besonders hervorgehoben - zum Leidwesen des Geehrten, dem öffentliches Lob eher Unbehagen bereitet. Wiedenlübbert zeigte sich in seiner Begrüßung zufrieden mit der Rehabilitation in Deutschland: „Wir haben ein international anerkanntes Rehabilitationssystem, das den Blinden und Sehbehinderten zu neuer Lebensqualität verhilft.” Kein anderes Urteil fällten auch die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Ulrike Mascher, ihr nordrhein-westfälischer Kollege Dr. Hans-Jürgen Baedecker, der stellvertretende Geschäftsführer des Verbands Deutscher Rentenversicherungsträger Dr. Axel Reimann, der Vizepräsident des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes Armin Kapallo und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Berufsförderungswerke Ulrich Wittwer.

In das Lob für die Arbeit des Dürener BFW mischte sich aber auch die Erwartung, dass die bisher erfolgreiche Arbeit genauso zielstrebig fortgesetzt wird. Denn nur dann könne es gelingen, auch in Zukunft vergleichbare Vermittlungsergebnisse wie in den letzten zehn Jahren zu erreichen. Die Berufsförderungswerke insgesamt - mit ihrem Angebot von kompetenter Beratung über eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung bis hin zu Hilfen bei der beruflichen Integration - sind aber auch, so die Redner unisono, angewiesen auf eine Gesellschaft, die von gelebter Solidarität getragen ist, und insbesondere auf Unternehmen, die ihrer Beschäftigungspflicht auch nachkommen. Dürens Bürgermeister Paul Larue zeigte ganz praktisch, wie man an verantwortlicher Stelle seine Pflicht erfüllt: Er stellte für einen angehenden Informatikkaufmann einen Ausbildungsplatz in der Stadtverwaltung zur Verfügung und überreichte BFW-Geschäftsführer Dr. Hans Zeißig ein entsprechendes Dokument.

Kontakt: Karl-Albert Eßer, BFW Düren, Öffentlichkeitsarbeit, Karl-Arnold-Straße 132 - 134, 52349 Düren

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