Zentralbl Chir 2002; 127(1): 62-67
DOI: 10.1055/s-2002-20232
Bibliothek des Chirurgen

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Zur Geschichte der Peritonitisbehandlung

On the History of Surgical Treatments of PeritonitisH. Wolff
  • Chirurgische Klinik, Charité, Humboldt Universität Berlin
Zum 90. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. W. Schmitt
Further Information

Publication History

Publication Date:
22 February 2002 (online)

Zusammenfassung

Die chirurgische Behandlung der Peritonitis beginnt Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Laparotomie von McDowell wegen einer vereiterten Ovarialzyste. Das weitere chirurgische Vorgehen entwickelte sich mit den Fortschritten in der Abdominalchirurgie. Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde von Mikulicz die Laparotomie bei allen Formen der eitrigen Peritonitis für notwendig erachtet. Anfang des 20. Jahrhunderts haben Körte und Kirschner die Grundprinzipien des operativen Vorgehens bei der Peritonitis festgelegt, die heute noch ihre volle Gültigkeit haben. Nämlich die frühe Operation, die Ausschaltung der Infektionsquelle und die Säuberung der Peritonealhöhle. Die Dränage des Bauchraums und die intraoperative Spülung sind seit 100 Jahren in der Diskussion. Die postoperative Lavage, schon Anfang des vergangenen Jahrhunderts begonnen, als wenig sinnvoll erachtet, wurde vor 30 Jahren wieder vehement in Vorschlag gebracht, ist jedoch in ihrer Effektivität hinsichtlich der evidence based medicine in der Bewertung noch ausstehend. Die Geschichte der Peritonitisbehandlung beweist erneut, dass gesammelte Erfahrungen fortgeschrieben und verbessert, sowie grundlegende Erkenntnisse sich sehr lange beständig erweisen und als feststehende Anleitung Geltung haben. Solche Erkenntnisse verdienen Anerkennung und motivieren zum kritischen Selbstverständnis. Und so dürfte die Meinung von Trendelenburg vor hundert Jahren nach wie vor richtig sein: „€.€.€. auch in der Medizin steht das Heute immer auf dem Boden des Gestern, und der allmählichen Entwicklung nachzugehen ist von hohem Interesse. Auch in der ärztlichen Praxis, besonders in der Chirurgie und Geburtshilfe ist manches viel öfter älter, als der Unkundige es sich träumen lässt”.

Summary

The surgical treatment of peritonitis started with the first laparotomy for an infected ovarian cyst by McDowell in the beginning of the 19th century. Thereafter the surgical approach developed parallel to the advances in abdominal surgery. In the last decade of the 19th century Mikulicz felt that laparotomy was indicated in all patients with purulent peritonitis. In the beginning of the 20th century Körte and Kirschner defined the principles of surgery for peritonitis that are valid up to this day: early surgical intervention, elimination of the source of infection, and peritoneal toilet. Since that time surgeons have discussed the utility of draining and irrigating the peritoneal cavity. Postoperative lavage was already advocated in the beginning of the last century, but generally regarded ineffective. Thirty years ago postoperative lavage was again strongly advocated, but evidence for its benefit is still missing. The history of the treatment of peritonitis examplifies that basic concepts which have been discovered in the past often remain valid and can serve as guidance for a long time. Such discoveries deserve recognition and should give reason for a critical appraisal of current practice. Thus, the statment of Trendelenburg made one hundred years ago remains true: “€.€.€.€in medicine, too, the today is based on the yesterday, and to follow a gradual development is of immense interest. In daily practice, especially in surgery and obstetrics, many things are much older than an ignorant can imagine.”

Literatur

Prof. Dr. Dr. h.c. H. Wolff

em. Direktor der Chirurgischen Klinik

der Charité der Humboldt Universität Berlin

Rapsweg 26

12683 Berlin