Rehabilitation (Stuttg) 2002; 41(4): 258-267
DOI: 10.1055/s-2002-33271
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Mitarbeiterzufriedenheit in Rehabilitationskliniken: Entwicklung des MiZu-Reha-Fragebogens und Anwendung in der Qualitätssicherung

Job Satisfaction in Rehabilitation Clinics - Development of the “MiZu-Reha” Questionnaire and its Use in Quality AssuranceE.  Farin1 , K.  Meixner1 , P.  Follert1 , W.  H.  Jäckel1, 3 , A.  Jacob2
  • 1Abt. Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Freiburg
  • 2MediClin GmbH, Offenburg
  • 3Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung, Bad Säckingen
Further Information

Publication History

Publication Date:
08 August 2002 (online)

Zusammenfassung

Es wird von der Entwicklung eines Fragebogens zur Erfassung der Mitarbeiterzufriedenheit in Rehabilitationskliniken und der Anwendung des Bogens im Rahmen der Qualitätssicherung berichtet. Der „Fragebogen zur Mitarbeiterzufriedenheit in Rehabilitationskliniken” (MiZu-Reha) besteht aus 75 Items, die auf drei Skalen die Aspekte Betriebsklima, Führungsstil des Vorgesetzten sowie interne Organisation und Kommunikation erfassen. Weitere Items fragen nach den von Mitarbeitern wahrgenommenen Schwachstellen der internen Organisation sowie nach der Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten der Arbeitstätigkeit (z. B. Entwicklungsmöglichkeiten und Bezahlung). Die drei Skalen des MiZu-Reha weisen gute bis sehr gute Reliabilitätswerte auf (Cronbachs Alpha 0,86 bis 0,94). Die Dimensionalität der Skalen konnte durch konfirmatorische Faktorenanalysen bestätigt werden. Die Zusammenhänge der Skalen des MiZu-Reha zu unabhängigen Mitarbeiterzufriedenheitsindikatoren sprechen für die Validität des Instruments. Die Korrelationen der Skalen zu Indikatoren anderer Qualitätsdimensionen (Patientenzufriedenheit, Prozessqualität, Ergebnisqualität) sind sämtlich positiv (je zufriedener die Mitarbeiter, desto höher die Qualität), aber gering und aufgrund der vergleichsweise geringen Fallzahl der Kliniken statistisch nicht signifikant. Kliniken unterscheiden sich hinsichtlich der von Mitarbeitern geäußerten Zufriedenheit zum Teil deutlich, was den Nutzen von klinikvergleichenden Analysen auf der Basis des MiZu-Reha belegt. Der MiZu-Reha kann sowohl im Rahmen von externen Qualitätssicherungsprogrammen eingesetzt werden als auch für Qualitätsmessungen in Maßnahmen des internen Qualitätsmanagements (z. B. im Rahmen des Aufbaus eines Qualitätsmanagementsystems nach dem EFQM-Modell oder bei der Anwendung von Managementinstrumenten wie der Balanced Scorecard).

Abstract

In this study, we report on the development and validation of a questionnaire measuring job satisfaction in rehabilitation centres. The questionnaire “Fragebogen zur Mitarbeiterzufriedenheit in Rehabilitationskliniken” (“MiZu-Reha”) consists of 75 items. Three scales measure work climate, leadership and work organisation/communication. Further items assess weak points of work organisation and job satisfaction with several predefined aspects (e. g., career opportunities and salary). The scales have good internal consistency with Cronbach's alpha between 0.86 and 0.94. The dimensionality of the scales was established by confirmatory factor analyses. Correlations between the MiZu-Reha scales and independent satisfaction measures indicate the validity of the questionnaire. Correlations between the MiZu-Reha scales and indicators of patient satisfaction, process quality and outcome are in all cases positive (the higher the job satisfaction, the better the quality of rehabilitation), though weak and statistically not significant. Rehabilitation centres differ clearly from each other regarding job satisfaction of their employees. This shows the usefulness of clinic comparisons based on the MiZu-Reha. The questionnaire can be utilized in external quality assurance programmes, in the context of internal quality assurance measures (e. g. the Business Excellence Model of the European Foundation of Quality Management, EFQM) and in the use of management instruments such as the Balanced Scorecard.

Literatur

1 Im Folgenden wird aus Gründen der Vereinfachung häufig nur die männliche Form verwendet.

2 Jeweils bezogen auf Kliniken mit mindestens 6 Antwortenden in der jeweiligen Berufsgruppe.

ANHANG 1

Die Items des MIZu-Reha

2a* Bei uns gibt es häufig Spannungen zwischen Kollegen/-innen

2b* Wenn bei uns jemand Schwierigkeiten bei der Arbeit hat, wird ihm von Kollegen/-innen geholfen

2c* Das gegenseitige Vertrauen ist bei uns so groß, dass wir offen über alles, auch über persönliche Dinge, reden können

2d* Das Betriebsklima ist bei uns zu unpersönlich

2e* Bei uns kann jeder frei seine Meinung sagen, ohne dass er dadurch Nachteile hat

2f* Konflikte werden bei uns nicht offen ausgetragen, sondern „vertuscht”

2g Manchmal spiele ich mit dem Gedanken, meine Stelle hier in der Klinik zu kündigen

2h Ich betrachte meine Arbeit als ein Mittel zum Lebensunterhalt; die mich wirklich interessierenden Dinge tue ich in meiner Freizeit

2i Bei uns herrscht zwischen den Kollegen/-innen ein reger Erfahrungsaustausch

Mein/e unmittelbare/r Vorgesetzte/r ...

3a ... äußert bei guten Leistungen der Mitarbeiter/-innen Anerkennung

3b* ... sorgt dafür, dass die Zusammenarbeit unter den Kollegen/-innen reibungslos funktioniert

3c* ... versucht manchmal, selbst gemachte Fehler auf uns abzuwälzen

3d* ... versteht es, die Arbeitssituation so zu gestalten, dass jeder seine tatsächliche Leistungsfähigkeit entfalten kann

3e* ... geht auf die Sorgen und Beschwerden der Mitarbeiter/ -innen ein

3f ... nimmt die Ergebnisse meiner Arbeit kaum zur Kenntnis

3g ... kann mit Kritik, die die Mitarbeiter/-innen äußern, gut umgehen

3h ... fragt selbst bei Entscheidungen, die direkt die Interessen der Mitarbeiter/-innen betreffen, nicht nach unserer Meinung

3i ... behandelt die Mitarbeiter/-innen oft ungerecht und unfair

3j ... nimmt sich Zeit, mit den Mitarbeiter/-innen über die Ziele ihrer Arbeit zu sprechen

3k ... informiert regelmäßig und umfassend über Dinge, die die Arbeit der Mitarbeiter/-innen betreffen

3l ... versteht es, bei den Mitarbeiter/-innen Interesse und Engagement für die Arbeit zu wecken

3m ... bespricht mit Mitarbeiter/-innen ihren Leistungsfortschritt

3n ... äußert Kritik an Mitarbeiter/-innen auf eine konstruktive und sachliche Weise

4b Die Aufgaben und Zuständigkeiten sind bei uns nur unklar festgelegt

4d Bei uns sind viele Mitarbeiter/-innen entweder überfordert oder unterfordert

4e Es mangelt bei uns an Möglichkeiten des schnellen, informellen Informationsaustauschs zwischen Mitarbeiter/-innen

4h* Bei uns kommt es oft vor, dass wir bei Entscheidungen vor vollendete Tatsachen gestellt werden

4i* Bei langfristigen Planungen werden diejenigen, die von den Auswirkungen der Planungen betroffen sind, oft nicht beteiligt

4k Meiner Ansicht nach könnte man bei uns viele Arbeitsabläufe verbessern, aber es hat niemand die Zeit, sich darum zu kümmern

4l Bei uns sind die Tätigkeiten der Mitarbeiter/-innen zu wenig aufeinander abgestimmt

4m Vieles ist bei uns sehr kompliziert und umständlich geregelt; man könnte das viel einfacher machen

4n Der Informationsaustausch unserer Abteilung mit anderen Abteilungen ist oft unzureichend

4q* Wenn bei uns Entscheidungen mit den Mitarbeiter/-innen besprochen werden, sieht die Verwirklichung hinterher immer ganz anders aus

Antwortmöglichkeiten der Items 2a - 4q: 6-stufige Skala (1 = trifft voll und ganz zu ... 6 = trifft überhaupt nicht zu)

Wie wichtig ist Ihnen persönlich ...

5a ... eine gute Beziehung zu Ihren Kollegen/innen

5b ... ein angemessenes Führungsverhalten Ihres Vorgesetzten

5c ... eine gute Organisation Ihres Arbeitsbereichs

5d ... Information über Dinge, die für Ihre Arbeit wichtig sind

5e ... Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit am Arbeitsplatz

5f ... eine günstige Arbeitszeitregelung

5g ... eine leistungsgerechte Bezahlung

5h ... berufliche Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten

5i ... berufliche Fortbildungsmöglichkeiten

5j ... Sicherheit des Arbeitsverhältnisses

5k ... möglichst viel Freizeit und Urlaubszeit

Antwortmöglichkeiten der Items 5a - 5k: 5-stufige Skala (1 = nicht wichtig, 2 = weniger wichtig, 3 = weder wichtig noch unwichtig, 4 = wichtig, 5 = sehr wichtig)

Wie zufrieden sind Sie alles in allem betrachtet ...

6a ... mit Ihrer Arbeit allgemein

6b ... mit der Beziehung zu Ihren Kollegen/-innen

6c ... mit der Führung durch Ihre/n unmittelbare/n Vorgesetzte/n

6d ... mit der Organisation Ihres Arbeitsbereichs

6e ... mit der Information über Dinge, die für Ihre Arbeit wichtig sind

6f ... mit Ihrer Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit am Arbeitsplatz

6g ... mit Ihrer jetzigen Arbeitszeitregelung

6h ... mit Ihrer Bezahlung

6i ... mit den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten

6j ... mit den Fortbildungsmöglichkeiten

6k ... mit der Sicherheit Ihres Arbeitsverhältnisses

6l ... mit der Ihnen zur Verfügung stehenden Freizeit und Urlaubszeit

Antwortmöglichkeiten der Items 6a - 6l: 5-stufige Skala (1 = sehr unzufrieden, 2 = unzufrieden, 3 = weder zufrieden noch unzufrieden, 4 = zufrieden, 5 = sehr zufrieden)

In welchen der folgenden Bereiche müssten Ihrer Einschätzung nach Verbesserungen vorgenommen werden, damit Sie Ihre Arbeit effizienter und wirkungsvoller ausführen könnten? Wie umfangreich müssten diese Verbesserungen sein?

7a Zusammenarbeit und Informationsaustausch mit Kollegen/-innen aus meiner Abteilung

7b Zusammenarbeit und Informationsaustausch mit anderen Abteilungen

7c Zusammenarbeit mit und Information durch meinen unmittelbaren Vorgesetzten

7d Ausstattung meines Arbeitsplatzes

7e Organisation der Arbeitsabläufe

7f Fortbildungsangebote für Mitarbeiter/innen

7g Mitsprachemöglichkeiten und Entscheidungsbefugnisse der Mitarbeiter/innen

Antwortmöglichkeiten der Items 7a - 7g: 4-stufige Skala (1 = sehr große Verbesserungen notwendig, 2 = große Verbesserungen notwendig, 3 = geringe Verbesserungen notwendig, 4 = keine Verbesserungen notwendig)

Wie beurteilen nach Ihrer Erfahrung und Einschätzung die Patienten der Klinik ...

8a ... den Gesamteindruck der Klinik

8b ... die Einrichtung der Zimmer und Gemeinschaftsräume

8c ... die Verpflegung

8d ... die ärztliche Behandlung

8e ... die Betreuung durch das Pflegepersonal

8f ... die durchgeführten therapeutischen Behandlungen

8g ... die Betreuung durch Mitarbeiter/-innen der Rezeption/Verwaltung

8h ... die Betreuung durch Mitarbeiter/-innen im Servierdienst/Speisesaal

8i ... Verteilung und Zeitplan der Behandlungen

8j ... Freizeitmöglichkeiten

Antwortmöglichkeiten der Items 8a - 8j: 5-stufige Skala (1 = sehr schlecht, 2 = schlecht, 3 = weder schlecht noch gut, 4 = gut, 5 = sehr gut)

* Diese Items entstammen ursprünglich einem Fragebogen von von Rosenstiel und Bögel [15]. Die Fragen wurden teilweise umformuliert und mit anderen Antwortmöglichkeiten versehen. Die Publikation erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Dr. phil. Erik Farin

Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin


Breisacher Straße 62 - Haus 4

79106 Freiburg

Email: farin@aqs.ukl.uni-freiburg.de

    >