Psychiatr Prax 2004; 31(3): 147-156
DOI: 10.1055/s-2003-814828
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Behandlungskosten von Patienten mit Depressionsdiagnose in haus- und fachärztlicher Versorgung in Deutschland

Cost of Care for Depressive Disorders in Primary and Specialized Care in GermanyHans  Joachim  Salize1 , Klaus  Stamm1 , Matthias  Schubert1 , Frank  Bergmann2 , Martin  Härter3 , Mathias  Berger3 , Wolfgang  Gaebel4 , Frank  Schneider5
  • 1Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
  • 2Neurologisch-Psychiatrische Praxis, Aachen
  • 3Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie mit Poliklinik des Universitätsklinikums Freiburg
  • 4Klinik u. Poliklinik für Psychiatrie u. Psychotherapie der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf
  • 5Klinik für Psychiatrie u. Psychotherapie, Universitätsklinikum Aachen
Die Studie wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kompetenznetzes Depression und Suizidalität (01 GI 9923) durchgeführt. Wir danken Sandra Dausend und Ralph Menke, Düsseldorf, Dr. Isaac Bermejo, Freiburg, sowie Dr. Paul Reuther, Berufsverband Deutscher Nervenärzte, für die Anregungen und Unterstützung
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Publication Date:
25 March 2004 (online)

Zusammenfassung

In 43 Hausarzt- und 23 nervenärztlich-psychiatrischen Facharztpraxen der Regionen Rheinland (Landkreis Düren und Stadt Aachen), Südbaden (Landkreis Lörrach) und München (Stadtkreis München) wurden 270 Patienten, die die behandelnden Ärzte als an einer depressiven Störung leidend einstuften, hinsichtlich der Kosten ihrer gesamten medizinischen Versorgung (alle Erkrankungen) sowie hinsichtlich der depressionsbezogenen Behandlungskosten untersucht. Die direkten Kosten der ambulanten, stationären und rehabilitativen Versorgung der Patienten wurden auf der Grundlage der individuellen Inanspruchnahme medizinischer Leistungen berechnet, die mittels eines detaillierten Kostenkataloges monetär bewertet wurden. Inanspruchnahme und Kosten beziehen sich auf das Jahr 2001. Die mittleren Kosten der medizinischen Gesamtbehandlung (stationäre, ambulante und rehabilitative bzw. komplementäre Behandlungselemente, ausgenommen die im außerstationären Rahmen wegen somatischer Erkrankungen verschriebenen Medikamente) eines Studienpatienten betragen jährlich € 3849. Die darin enthaltenen Kosten für die Behandlung der Depression sowie evtl. weiterer psychiatrischer Komorbidität (Angststörungen usw.) betragen im Mittel pro Kopf und Jahr € 2073. Bei 186 der 270 von den behandelnden Ärzten als depressiv eingestuften Patienten war eine Verifizierung der Diagnose mittels ICD-10-Kriterien möglich. Die Kosten dieser 186 Patienten, die als tatsächliche Referenzgruppe bezüglich der Versorgungskosten depressiver Störungen betrachtet werden muss, lagen bei € 4715 (medizinische Gesamtbehandlung wie oben) sowie bei € 2541 (in den medizinischen Gesamtkosten enthaltene Behandlungskosten der Depression und psychiatrischer Komorbidität). Die Kosten dieser Gruppe lagen somit deutlich höher als die der Gesamtgruppe (n = 270), in der ein gewisser Anteil „falsch positiv” diagnostizierter Patienten vermutet werden kann. Inwieweit dies auf möglicherweise ineffektiv eingesetzte Finanzmittel hinweist, bedarf der weiteren Analyse. Angesichts der erheblichen epidemiologischen und versorgungspolitischen Relevanz depressiver Störungen muss die Kostensituation tiefergehend untersucht und die Diskussion um effiziente Versorgungsstrategien intensiviert werden.

Abstract

Service utilization and total direct cost of care was assessed in 270 patients suffering from depressive disorder. Patients were recruited from primary care physicians or family doctors (n = 43) or psychiatrists (n = 23) in office practice, from three different regions in Germany (county of Düren and city of Aachen, Lörrach-county, city of Munich). A detailed catalogue of unit costs (including inpatient, outpatient and rehabilitative services) was used for calculating total cost of care on an individual basis. Service utilization and costs referred to 2001. Mean cost of total medical care of the study patients was € 3849 (excluding cost of drugs for physical illness). The cost for treating depressive disorders and additional psychiatric co-morbidity (which is included into the total cost of care) was € 2073 per patient and year. When cross-checking with ICD-10 criteria for depressive disorders, the originial diagnosis by family doctors or psychiatrists could be confirmed in 186 patients of the total sample (n = 270), suggesting that there is a high amount of falsely diagnosed patients in primary and specialized care of depressive patients in Germany. Direct cost of the 186 confirmed patients was higher (total care cost: € 4715, cost for treatment of depression and psychiatric co-morbidity: € 2541) than in the total group and should be considered as reference cost, when discussing cost of care in depressive patients in Germany. Results suggest to analyse cost of care in depressive patients further and to discuss a more efficient allocation of health budgets in the field.

Literatur

Priv.-Doz. Dr. Hans Joachim Salize

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit · J 5

68159 Mannheim

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