Notfallmedizin 2003; 29(12): 487
DOI: 10.1055/s-2003-815700
Editorial

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Urologische Notfälle

Thomas Knoll1
  • 1Urologische Universitätsklinik Mannheim
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Publication Date:
08 January 2004 (online)

Erkrankungen des Urogenitaltraktes gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Auch Nicht-Urologen, insbesondere Haus- und Notärzte werden mit urologischen Krankheitsbildern konfrontiert, da die Patienten häufig mit starken Beschwerden den nächsten verfügbaren Arzt aufsuchen.

Die meisten Harnwegsinfekte betreffen die unteren Harnwege und verlaufen als einfache „Blasenentzündung” unkompliziert, das heißt ohne Hinweise auf eine Beteiligung der Nieren, wie Schüttelfrost, Flankenschmerz oder Fieber. Komplizierte Infekte können allerdings insbesondere bei bestehenden Risikoerkrankungen (z. B. obstruktive Harnabflussstörungen, Diabetes mellitus, Immunsuppression) bis zum Auftreten einer Urosepsis führen, welche bis heute mit einer hohen Letalität behaftet ist. Hier ist die rasche Einleitung einer suffizienten Therapie von entscheidender Bedeutung.

Der akute Harnverhalt ist ebenfalls eine urologische Notfallsituation, die aufgrund der starken Schmerzen, mit denen der Patient vorstellig wird, einer sofortigen Therapie bedarf. Diese besteht in der Regel in der Einlage eines transurethralen Blasenkatheters zur Ableitung des Urins. Häufig ist die Ursache der Harnverhaltung eine subvesikale Obstruktion, wie zum Beispiel Harnröhrenstriktur oder obstruktive Prostatahyperplasie. In diesen Fällen kann die transurethrale Katheterisierung erschwert sein oder misslingen, sodass eine suprapubische Blasenpunktion und die Einlage eines suprapubischen Katheters erforderlich wird. Der Beseitigung des akuten Problems muss sich eine ausführliche Diagnostik zur Klärung der auslösenden Ursache anschließen.

Jeder zehnte Deutsche bildet im Laufe seines Lebens mindestens einen Nierenstein. Die Rezidivrate bei diesen Patienten liegt bei > 50 %. Das bedeutet, dass die Urolithiasis eine Volkskrankheit mit hoher Prävalenz und Inzidenz darstellt. Fast jeder Arzt wird einmal mit einem Patienten mit Harnsteinen oder einer akuten Nierenkolik, die nach Mobilisation von Konkrementen in den Harnleitern auftritt, konfrontiert werden. Jeder Stein in den oberen Harnwegen stellt ein Risiko für eine Nierenkolik, Infektionen und Beeinträchtigung der Nierenfunktion dar, weshalb alle Steine mit einem Durchmesser > 3-4 mm behandelt werden sollten. Während Harnsäuresteine durch die Einnahme von Alkalizitraten chemisch aufgelöst werden können, bedürfen alle anderen Steinarten einer interventionellen Therapie. Bis Ende der 70er Jahre bedeutete dies in der Regel eine offene Schnittoperation. Heute dagegen spielt diese kaum noch eine Rolle, im Vordergrund stehen minimal-invasive Verfahren wie die extrakorporale Stoßwellenlithotripie (ESWL), die Ureterorenoskopie (URS) und die perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL). Diese Verfahren haben eine geringe Komplikationsrate bei hoher Effektivität, sind mit einer kurzen Hospitalisierung verbunden und führen auch bei wiederholter Anwendung nur selten zur Beeinträchtigung der Nierenfunktion.

Die vorliegende Ausgabe dieser Zeitschrift erläutert anhand der Themen Harnsteine, Harnwegsinfekte und Harnverhalt die aktuellen Leitlinien von Diagnostik und Therapie der häufigsten urologischen Krankheitsbilder, mit welchen der hausärztlich tätige Arzt regelmäßig konfrontiert wird.