psychoneuro 2004; 30(6): 314-316
DOI: 10.1055/s-2004-829992
Brennpunkt

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Todesfälle unter Risperidon und Olanzapin - was nun? - Behandlung psychotischer Symptome bei Demenzpatienten

Markus Jüptner1 , Markus Gastpar1
  • 1Stellungnahme auf Einladung der Vorstände der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psycho-therapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP)[1]
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
16. Juli 2004 (online)

Zusammenfassung

Anfang März 2004 berichteten sowohl die Fa. Janssen-Cilag als auch Lilly Deutschland in Rote Hand Briefen über ein erhöhtes Risiko zerebrovaskulärer Ereignisse bei Demenz-Patienten, die Risperidon bzw. Olanzapin erhalten hatten. Unter Risperidon traten in sechs Plazebo-kontrollierten Studien bei 33 von 989 Patienten (3,3 %) signifikant häufiger transitorische ischämische Attacken oder Schlaganfälle, auch mit Todesfolge, auf als unter Plazebo: 8/693 (1,2 %) der Patienten. Unter Olanzapin traten in fünf Plazebo-kontrollierten Studien zerebrovaskuläre Ereignisse (z.B. Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacken) dreimal häufiger auf als unter Plazebo: 1,3 % von 1184 Patienten mit Olanzapin versus 0,4 % von 478 Patienten mit Plazebo. Auch die Zahl der Todesfälle war unter Olanzapin höher als unter Plazebo: 3,5 % versus 1,5 %.

Literatur

1 Die Vorstände der DGPPN und der AGNP halten es für wichtig, der Ärzteschaft Hinweise zu geben, wie mit Antipsychotika in der Geriatrie und Gerontopsychiatrie umzugehen ist, nachdem u.a. durch die Hersteller und Zulassungsbehörden vor der Verordnung von Risperidon und Olanzapin bei Demenzkranken gewarnt worden ist. Angesichts des erheblichen Datenmangels sind therapeutische Empfehlungen mit erheblichen Unsicherheiten belastet. Vor diesem Hintergrund bitten DGPPN und AGNP, die vorliegende, auf Einladung der Vorstände erarbeitete Stellungnahme als Einladung zu einer öffentlichen wissenschaftlichen Diskussion zu verstehen.

2 Das CSM ist eine Sektion der MHRA (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency), die ihrerseits dem deutschen BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) vergleichbar ist.

Korrespondenzadresse:

PD Dr. M. Jüptner
Prof. M. Gastpar

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Essen

Rheinische Kliniken

Virchowstraße 174

45147 Essen