Aktuelle Neurologie 2005; 32(3): 129-135
DOI: 10.1055/s-2004-834644
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Diagnostischer Gewinn der transösophagealen Echokardiographie nach TIA und ischämischem Schlaganfall

Diagnostic Benefit of Transesophageal Echocardiography after TIA and Ischemic StrokeK.  Kraywinkel1 , M.  Görtler2 , A.-H.  Haass3 , H.-C.  Diener1 , C.  Weimar1 , für den Studienverbund Schlaganfall
  • 1Neurologische Klinik, Universität Essen
  • 2Neurologische Klinik, Universität Magdeburg
  • 3Neurologische Klinik, Universitätskliniken des Saarlandes, Homburg
Teilnehmende Zentren im Studienverbund Schlaganfall, Neurologische Kliniken (verantwortliche Untersucher): Klinikum Minden (J. Glahn), Krankenhaus München-Harlaching (J. Schenkel), Universität Essen (G. Mörger-Kiefer), Universität Homburg (M. P. Roth), Rheinische Kliniken Bonn (C. Kley), Klinikum München-Großhadern (G. F. Hamann), Universität Rostock (A. Kloth), Charité Berlin (L. Harms), Universität Magdeburg (M. T. Wunderlich), Universität Jena (V. Willig), Universität Ulm (M. Riepe), Bürgerhospital Stuttgart (E. Schmid), Krankenanstalten Gilead Bielefeld (A. Schacker). Danksagung: Der Studienverbund Schlaganfall wurde von 2000 - 2002 im Rahmen des Kompetenznetzes Schlaganfall vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Seit 2003 erfolgt eine Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DI 327/8-1)
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Publication Date:
24 March 2005 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Nach wie vor bestehen unterschiedliche Standpunkte zur Indikationsstellung einer transösophagealen Echokardiographie (TEE) nach ischämischen Schlaganfällen oder transitorischen ischämischen Attacken (TIA). Auch in aktuellen Leitlinien finden sich hierzu keine klaren Empfehlungen. Ziel dieser multizentrischen Untersuchung ist daher die Darstellung der Häufigkeit pathologischer Befunde bei verschiedenen Patientengruppen sowie deren Einfluss auf therapeutische Entscheidungen. Methoden: Von 2000 - 2002 erhoben wir in 13 Zentren Daten zur Indikationsstellung und zu den Ergebnissen echokardiographischer Untersuchungen bei insgesamt 4623 Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA. Ergebnisse: Die Indikation zur TEE wurde in den einzelnen Zentren sehr unterschiedlich gestellt. Der Anteil der untersuchten Patienten lag zwischen 6 und 62 % (Mittelwert 28 %). Bei 5 % der mittels TEE untersuchten Patienten wurden Befunde mit hohem Embolierisiko erhoben, bei 36 % fand sich zumindest eine potenzielle Emboliequelle. Hochrisikobefunde waren sehr selten (0,5 %) bei Patienten mit Hinweisen für eine Mikroangiopathie und am häufigsten bei Patienten, bei denen auch unabhängig von der TEE eine kardiogene Embolie vermutet werden konnte (v. a. wegen Vorhofflimmerns). In dieser Gruppe fand sich jedoch nur ein geringer Einfluss der Befunde auf die Entscheidung für oder gegen eine orale Antikoagulation. Schlussfolgerungen: Bei Patienten mit mikroangiopathisch bedingten ischämischen Ereignissen kann die Indikation zur TEE zurückhaltend gestellt werden. Dies gilt auch für Patienten mit Vorhofflimmern, falls keine Kardioversion geplant ist.

Abstract

Background: In patients with ischemic stroke or transient ischemic attacks (TIA) the indication for transesophageal echocardiography (TEE) is still being debated. No clear recommendations can be found in current guidelines. The aim of our multicenter study therefore was to investigate the frequency of pathological findings in different patient subgroups and the influence on therapeutic strategies. Methods: From 2000 to 2002, frequency and findings of TEE investigations in 4623 consecutive patients with ischemic stroke or TIA in 13 participating centers were prospectively collected. Results: Frequency of TEE varied considerably from 6 to 62 % (mean 28 %) among participating centers. In 5 % of patients examined with TEE, findings were considered high risk for cardiac embolism. In 36 % at least one potential source of cardiac embolism could be found. High risk findings were rarely (0.5 %) found in patients with small vessel disease as presumed stroke etiology. The majority of high risk findings were detected when cardiac embolism could be assumed independently of TEE (mainly because of atrial fibrillation), but had little effect on the decision for or against anticoagulation in these patients. Conclusions: TEE may be dispensable in patients with small vessel disease as presumed stroke etiology. In patients with atrial fibrillation, TEE should only be considered if therapeutic decisions (e. g. cardioversion) are dependent on its findings.

Literatur

Dr. Klaus Kraywinkel, MSC 

Neurologische Klinik der Universität Duisburg-Essen

Hufelandstraße 55

45122 Essen

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