Aktuelle Neurologie 2005; 32(3): 136-142
DOI: 10.1055/s-2004-834679
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Morbiditäts- und Mortalitätsraten des Schlaganfalls in Deutschland: Eine bevölkerungsbezogene Szenarioanalyse

Stroke Morbidity and Mortality Rates in Germany: A Population-Based Scenario-AnalysisM.  Lierse1 , J.  Breckenkamp1 , I.  Wingendorf2 , U.  Laaser1
  • 1AG3 - Epidemiologie und International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
  • 2Asklepios Kliniken Schildautal, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen, Seesen
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Publication Date:
24 March 2005 (online)

Zusammenfassung

Einleitung: Die Arbeit berechnet gegenwärtige und zukünftige Trends des Schlaganfallgeschehens unter Berücksichtigung einer Reduktion ausgewählter Risikofaktoren. Dabei wird insbesondere untersucht, inwieweit eine Blutdrucksenkung die Auftretenshäufigkeit von Schlaganfällen beeinflusst. Material und Methode: Auf Grundlage des Bundesgesundheitssurveys 1998 und des Koeffizientensatzes der Framingham-Studie wurden alters- und geschlechtsspezifische Schlaganfallraten bestimmt. In weiteren Analysen wurden die Blutdruckmittelwerte sowie die Prävalenzen der im Modell enthaltenden Schlaganfallrisikofaktoren variiert. Ergebnisse: Die berechnete 1-Jahres-Schlaganfallinzidenz beläuft sich für die ab 55-jährige Bevölkerung auf 681 je 100 000 bei den Männern und auf 619 je 100 000 bei den Frauen. Für die Gesamtbevölkerung ergeben sich 179 136 Schlaganfälle, die 219 Ereignissen je 100 000 Personen entsprechen. Durch die Erhöhung des Medianalters um zwei Jahre steigt die Schlaganfallinzidenz bei den ab 55-jährigen Männern von derzeit 683 auf 749 je 100 000, bei den ab 55-jährigen Frauen ergibt sich ein Anstieg von 619 auf 708 je 100 000. Die Sensitivitätsanalyse zeigt eine hohe Stabilität der Modellrechnung bei Variationen aller Risikofaktoren mit Ausnahme eines erhöhten Blutdrucks. Eine angenommene Senkung der Blutdruckmittelwerte um 2 % sowie der Raucherprävalenz um 6,7 % ergibt eine Reduzierung der Schlaganfallinzidenz von 29 bzw. 6 Ereignissen je 100 000 bei den ab 55-jährigen Männern. Bei den Frauen ab 55 lassen sich durch entsprechende Interventionserfolge 28 bzw. 3 Schlaganfälle je 100 000 verhindern. Insgesamt könnten so jährlich etwa 9100 Schlaganfälle, davon etwa 3360 mit Todesfolge, vermieden werden. Schlussfolgerung: Aufgrund der bei weitem noch nicht ausreichenden Behandlungsdurchdringung bei der Hypertonie und deren Bedeutung für die Schlaganfallinzidenz, ergibt sich die Notwendigkeit für eine vielschichtige Strategie zur konsequenten Senkung der Blutdruckwerte in der Bevölkerung.

Abstract

Introduction: The study focuses on current and future trends regarding stroke occurrence. Risk factors were modelled to determine stroke-morbidity and -mortality. In particular, the impact of reduction in blood pressure was investigated. Material and method: Based on the 1998 National Health Survey and the Framingham-Study age- and gender-specific stroke rates were calculated. To assess the importance of different risk factors, additional analyses varied blood pressure values and prevalence of stroke. Results: The 1-year stroke incidence-rate for men age 55 and older is 681/100 000 persons and those for women 619/100 000 persons. It was possible to calculate a total of 179 136 strokes (219/100 000 persons) for the whole population. Increasing the median-age about two years led to an elevated stroke incidence in men age 55 and older from 683 to 749/100 000. For women age 55 and older an increase from 619 to 708/100 000 persons was observed. Sensitivity-analyses indicate high stability for all risk factors except high blood pressure. Reducing blood pressure values by 2 % and smoker-prevalence by 6.7 % yield a reduction of stroke incidence for men age 55 and older of 29 and 6/100 000 persons, respectively. In women age 55 and older successful interventions could prevent 28 and 3 strokes per 100 000 persons, respectively. For the whole population 9100 (3360 resulting in death) strokes could be prevented. Conclusion: Population-based and individual stroke-prevention strategies need to be implemented in clinical practice. In particular, early diagnosis and treatment of high blood pressure is to be promoted to reduce stroke rates.

Literatur

Meike Lierse, MPH 

AG3 - Epidemiologie und International Public Health · Fakultät für Gesundheitswissenschaften · Universität Bielefeld

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