Aktuelle Neurologie 2005; 32: 39
DOI: 10.1055/s-2004-834694
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Apomorphin

ApomorphineW.  Poewe1 , H.  Reichmann2
  • 1Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie, Innsbruck (Präsident der Österreichischen Parkinson Gesellschaft)
  • 2Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden (Vorstandsmitglied der Deutschen Parkinson Gesellschaft)
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Publication Date:
26 April 2005 (online)

Apomorphin - obwohl bereits am Anfang der 50er-Jahre als Substanz mit Antiparkinsonwirkung erkannt - scheint bis heute der einzige Dopaminagonist zu sein, dessen Wirkstärke derjenigen von L-Dopa äquivalent ist. Die subkutane Apomorphintherapie mit Einzelinjektionen oder kontinuierlichen Dauerinfusionen wurde vor mehr als 15 Jahren von Lees und Stern in London als hochwirksamer Therapieansatz bei Patienten mit fortgeschrittenem Parkinson-Syndrom und refraktären Wirkungsfluktuationen eingeführt. Zahlreiche offene Therapiestudien und in jüngerer Zeit auch Doppelblinduntersuchungen haben seither bestätigt, dass die subkutane Apomorphintherapie in der Lage ist, auf orale Therapie nicht ansprechende Wirkungsfluktuationen ausgezeichnet zu verbessern. Von besonderem Interesse ist das Potenzial einer kontinuierlichen Apomorphindauerinfusion zur Reduktion vorbestehender L-Dopa-induzierter Dyskinesien. Praktische Handhabungsprobleme der Apomorphintherapie sind inzwischen durch Marktzulassung des Medikaments für die Parkinson-Therapie sowie die Entwicklung gebrauchsfreundlicher Peninjektions- und Infusionspumpensysteme gelöst worden. Dennoch wird noch immer ein nur relativ kleiner Kreis von betroffenen Parkinson-Patienten mit subkutanen Apomorphingaben behandelt. Dies ist sicherlich auch auf die mangelnde praktische Vertrautheit vieler Neurologen mit dieser Therapieform zurückzuführen.

Im vorliegenden Supplementband werden in Übersichtsartikeln einerseits die klinische Pharmakologie von Apomorphin (Sieb et al.) sowie andererseits die wichtigsten klinischen Indikationsgebiete in Übersichtsform dargestellt - angefangen vom Stellenwert des Apomorphintestes als Hilfsmittel in der Differenzialdiagnose der Parkinson-Syndrome (Eggert/Oertel) über die klinische Datenlage und praktische Anwendung der intermittierenden Apomorphin-Pen-Injektionsbehandlung (Odin) und der kontinuierlichen subkutanen Dauerinfusionstherapie mit Apomorphin (Bösch/Poewe).

Wir gehen davon aus, dass für die Leser der „Aktuellen Neurologie” dieses Supplement in didaktisch einprägsamer Form den aktuellen Erkenntnisstand bezüglich der Apomorphintherapie beim idiopathischen Parkinson-Syndrom zusammenfasst und somit zu einem gern genutzten Nachschlagewerk werden wird. Wir hoffen, dass die folgenden Artikel die zumindest in Deutschland noch bestehende Scheu vor der Anwendung dieses hoch potenten Medikamentes mindern werden und dazu dienen, den richtigen Patienten diese „neue” Therapieoption zu eröffnen.

Prof. Dr. med. Heinz Reichmann, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik 

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden

Fetscherstraße 74

01307 Dresden

Email: [email protected]

URL: http://www.neuro.med.tu-dresden.de