Aktuelle Neurologie 2005; 32(10): 578-583
DOI: 10.1055/s-2004-834725
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Therapie des Morbus Parkinson mit dem Dopaminagonisten α-Dihydroergocryptin im oberen Dosisbereich

Therapy of Morbus Parkinson with the Dopamine Agonist α-Dihydroergocryptine in the Upper Dose RangeH.  Reichmann1
  • 1Klinik und Poliklinik für Neurologie, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden
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Publication Date:
16 August 2005 (online)

Zusammenfassung

Die Therapie mit α-Dihydroergocryptin (Almirid®) im oberen Dosisbereich von 60 mg/Tag oder mehr (zugelassener Bereich 30 - 120 mg/Tag) wurde an einem Kollektiv von 102 Patienten mit idiopathischem Morbus Parkinson in einer offenen Beobachtungsstudie bei niedergelassenen Neurologen über einen Zeitraum von drei Monaten dokumentiert. Die Wirksamkeit wurde anhand der Webster-Skala explorativ ausgewertet, Komplikationen der Therapie wurden mittels der UPDRS (Teil IV) erfasst, der Schweregrad der Erkrankung anhand der Stadieneinteilung nach Hoehn und Yahr bewertet. Die Veränderungen im Verlauf wurden zusätzlich für die Subgruppen mit Tagesdosen zwischen 60 bis < 80 mg/Tag (n = 47) sowie für 80 mg/Tag und mehr (n = 42) getrennt ausgewertet. Die Dosierung von α-Dihydroergocryptin stieg von im Mittel 29 mg/Tag kontinuierlich auf 72 mg/Tag an. Im gleichen Zeitraum verringerte sich die mittlere L-Dopa-Dosis von 464 mg/Tag auf 431 mg/Tag. Der Gesamtscore der Webster-Skala ging im Mittel von 14,8 um 4,6 auf 10,2 Punkte zurück. Bei 88 Patienten trat eine Verbesserung ein, in fünf Fällen erhöhte sich der Scorewert (um maximal 2 Punkte). Bei den Patienten mit einer Maximaldosis von α-Dihydroergocryptin von 80 mg/Tag oder mehr war der Rückgang im Mittel mit 5,4 Punkten stärker ausgeprägt als bei Patienten mit einer Dosis zwischen 60 und < 80 mg/Tag (3,9 Punkte). Die Anzahl der mit „vorhanden” bewerteten Komplikationen ging im Mittel von 4,5 bei Beginn auf 2,6 bei der Abschlussuntersuchung zurück. Bei insgesamt 65 Patienten zeigte sich eine Abnahme der Anzahl der Komplikationen, die Zahl der Patienten ohne Komplikationen stieg während des Beobachtungszeitraums von 10 auf 24 an. Die Bewertung des Schweregrads der Erkrankung nach Hoehn und Yahr zeigte bei 41 Patienten eine Verbesserung, eine Verschlechterung trat in keinem Fall auf. Die Verträglichkeit wurde für 92 % der Patienten als gut oder sehr gut bewertet. Die Auswertung für die unterschiedlichen mittleren Tagesdosen am Ende der Behandlung zeigte eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Nur durch konsequente Aufdosierung lässt sich das gesamte Wirksamkeitspotenzial von α-Dihydroergocryptin nutzen.

Abstract

Therapy with α-dihydroergocryptine (Almirid®) in the upper dose range of 60 mg/day or more (approved dose range 30 - 120 mg/day) was documented by neurologists in 102 patients with idiopathic Morbus Parkinson over a 3-months period. Efficacy was analysed exploratively by means of the Webster Scale, complications of therapy using UPDRS (part IV), severity of the disease using Hoehn and Yahr scale. The changes during the course of the observational study were analysed additionally separated for the dose groups of 60 to < 80 mg/day (n = 47) and 80 mg/day or more (n = 42), respectively. The mean daily dose of α-dihydroergocryptine increased continuously from 29 mg to 72 mg, while the mean daily L-Dopa dose decreased from 464 mg to 431 mg. The Webster total score declined from a mean of 14.8 by 4.6 points to 10.2 points. 88 patients experienced an improvement, in 5 cases the score increased by 2 points maximally. In patients receiving a maximum daily dose of 80 mg or more a more pronounced decrease of a mean of 5.4 points was observed than in those patients receiving 60 to < 80 mg/day (3.9 points). The number of complications rated as „present” decreased from 4.5 at the beginning to 2.6 at the final examination. A total of 65 patients experienced a decrease in the number of complications, the number of patients without complications increased from 10 to 24 patients. 41 patients showed an improvement of the disease severity as indicated by Hoehn and Yahr staging, no patient showed a deterioration. The tolerability was rated in 92 % of the patients as good or very good. The analysis with regard to the different daily doses at the end of the treatment period demonstrated a clear dose-response relationship. Only adequate dosing allows to benefit from the complete efficacy potential of α-dihydroergocryptine.

Literatur

1 Desintin Arzneimittel Hamburg.

Prof. Dr. med. Heinz Reichmann, MD PhD 

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