Erfahrungsheilkunde 2005; 54(11): 719-726
DOI: 10.1055/s-2005-918008
Originalia

Karl F. Haug Verlag, in: MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Anwendungsbeobachtung zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen bei weiblichen Patienten durch Lichttherapie bzw. Johanniskrautextrakt

André-Michael Beer1 , Anke Jackwert2 , Stefan Fey1 , Michael Darmer1
  • 1Modellabt. f. NHK, Klinik Blankenstein, Hattingen
  • 2Svenstorp 2, S-560 13 Hok, Schweden
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Publication Date:
11 November 2005 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Leichte bis mittelschwere Depressionen zählen zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen. Die Lichttherapie zur Behandlung saisonal abhängiger Depressionen (SAD) gilt als gut untersucht, während sie bei den nicht saisonalen Depressionen noch nicht als ausreichend belegt gilt.

Zielsetzung: Ziel der vorliegenden Anwendungsbeobachtung war die Überprüfung der Wirksamkeit der Lichttherapie während eines dreiwöchigen Klinikaufenthaltes bei nicht saisonal gebundenen Depressionen (nicht-SAD) bei Patientinnen der Modellabteilung für Naturheilkunde der Klinik Blankenstein.

Methoden: In einer dreiarmigen prospektiven Beobachtungsstudie wurden 163 Patientinnen in den Therapiearmen Standardtherapie, Lichttherapie sowie Johanniskraut und Lichttherapie behandelt. Outcome-Parameter waren die Befindlichkeit, gemessen mit der Befindlichkeitsskala nach Zeersen (Bf-S), und die Lebensqualität, gemessen mit dem Herdecker Lebensqualitätsfragebogen (HLQ) jeweils bei Behandlungsbeginn und Behandlungsende, sowie tägliche Messung der Befindlichkeit, gemessen mit einer visuellen Analogskala (VAS).

Ergebnisse: Die Effektstärken (ES) für die Veränderung von Lebensqualität und Befindlichkeit nach der Behandlung lagen in allen Therapiegruppen im mittleren bis hohen Effektstärkenbereich. Vor allem in der Lebensqualität konnten deutlichere Effekte (ES = 1,21) in den Therapiegruppen, die mit Lichttherapie bzw. mit Johanniskraut und Lichttherapie behandelt wurden, beobachtet werden als in der Standardtherapiegruppe (ES = 0,93). Ein Unterschied zwischen den Therapiegruppen, die mit Lichttherapie bzw. mit Johanniskraut und Lichttherapie behandelt wurden, konnte nicht beobachtet werden. In der Beurteilung der Befindlichkeit konnten keine eindeutigen Schlüsse gezogen werden, da hier ähnliche Verläufe zwischen Standardtherapie und Johanniskraut und Lichttherapie beobachtet werden konnten.

Schlussfolgerungen: Im Hinblick auf die gemessenen Lebensqualitätsveränderungen konnte ein positiver Einfluss der Lichttherapie gegenüber der Standardtherapie beobachtet werden. Die gefundenen Ergebnisse müssen es aber noch offen lassen, inwieweit Lichttherapie auch bei nicht saisonal gebundenen Depressionen wirkungsvoll eingesetzt werden kann. Weitere Studien sollten aufgrund der in dieser Studie gemachten Erfahrungen künftig besonders darauf ausgerichtet sein, adäquate, d.h. dem jeweiligen Patientengut angemessene Einschlusskriterien zu definieren, geeignete Messinstrumente einzusetzen und homogene Gruppen zu definieren, um die Ursachen für die in dieser Studie nicht konsistenten Werte zwischen Befindlichkeit und Lebensqualität zu vermeiden.

Abstract

Bac kground: The effectiveness of bright light therapy in treatment of winter depression has been examined quite well in comparison to the treatment in mild and medium non-seasonal depressions.

Aim: The aim of this observational study was to investigate the effectiveness of bright light therapy (BLT) in a three-week in-patient-treatment of women at the department of naturopathy at the Blankenstein Hospital, Hattingen.

Methods: In a prospective observation-study 163 female patients were treated with standardtherapy, BLT and St John's wort (hypericum) + BLT. The outcome-parameter were quality of life (QoL) measured with the Herdecker Lebensqualitätsfragebogen (HLQ) and mood measured with the Befindlichkeitsskala nach Zeersen (Bf-S) at the times hospitalisation and discharge. Additionally a daily measurement of mood with a visual-analogue-scale was carried out.

Results: Effect sizes (ES) for patients QoL and mood ranged from moderate to very high in all groups. Especially in QoL high effect sizes were observed (ES = 1,21) in the groups with application of BLT and hypericum + BLT, whereas standardtherapy only had ES of 0,93. Outcome differences concerning QoL in the groups with BLT and hypericum + BLT were not observed. Regarding patients mood, the results tend to be ambiguous showing parallel effects between standardtherapy and hypericum + BLT.

Conclusions: Regarding the QoL a positive influence of BLT compared to standardtherapy has been observed. These results however do not allow the conclusion, that BLT is effective also in non-seasonal depressions. Further studies should concentrate on defining homogeneous group and on using an adequate questionnaire. So, the non-consistent effects between patients QoL and mood in this study become understandable.

Literatur

01 Für die Durchführung der Statistik danken wir Herrn Dr. rer. medic. Th. Ostermann, Universität Witten/Herdecke

Korrespondenzadresse

PD Dr. med. André-Michael Beer
M.Sc., Dr. med. Stefan Fey
Dr. med. Michael Darmer

Modellabteilung für Naturheilkunde Klinik Blankenstein

Im Vogelsang 5-11

45527 Hattingen

Phone: 0 23 24/39 64 87

Fax: /39 64 97

Email: andre.beer@klinik-blankenstein.de

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