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DOI: 10.1055/s-2005-919452
Reorganisation des motorischen Systems bei Patienten mit Komplex-Regionalen Schmerzsyndromen
Fragestellung: Komplex- Regionale Schmerzsyndrome (CRPS) können als Komplikation nach Verletzungen oder Entzündungen der Extremitäten entstehen. Klinisch imponiert eine Trias bestehend aus autonomen, sensorischen und motorischen Störungen. Zu den motorischen Störungen gehören Paresen, die weder durch das Ödem noch durch eine schmerzbedingte Minderinnervation erklärbar sind, sondern eine zentrale Dysfunktion im motorischen System vermuten lassen. Ziel der gegenwärtigen Studie war daher die Untersuchung des zentralen motorischen Systems bei CRPS mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI).
Methoden: 12 CRPS Patienten und 15 Probanden wurden mit fMRI in einem motorischen Blockdesign untersucht. Im MR- Scanner wurden alternierende Tapping- Bewegungen an der linken und rechten oberen Extremität durchgeführt. Resultierende kortikale Aktivierungen wurden in Korrelation zu einer quantitativ- sensorischen Testung gesetzt.
Ergebnisse: Alle Patienten hatten Paresen an der CRPS betroffenen Extremität. Fingertapping führte bei allen Versuchsteilnehmern zu Aktivierungen des primären motorischen Kortex (M1), supplementär-motorischen Kortexarealen (SMA) und des cingulären motorischen Kortex (CMA). Bei Fingertapping an der CRPS- betroffenen Extremität fanden sich signifikant größere Aktivierungen in M1, SMA und CMA, sowohl im Vergleich zu der Kontrollgruppe, als auch zu Bewegungen an der nicht- betroffenen Hand. Demgegenüber unterschieden sich Aktivierungen während Fingertapping an der nicht-betroffenen Hand der Patientengruppe nicht von entsprechenden Aktivierungen der Kontrollgruppe. Mehraktivierungen in M1 und SMA bei Bewegungen auf der CRPS-Seite waren signifikant korreliert zu dem Ausmaß der motorischen Einschränkung der Patienten.
Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse deuten auf eine Reorganisation des zentralen motorischen Systems bei CRPS hin. Das Ausmaß der Reorganisation ist mit dem motorischen Defizit korreliert. Gegenüber den Veränderungen im somatosensorischen System (1, 2) kommt es interessanterweise zu einer Vergrößerung der entsprechenden Kortexareale.
Literatur:
1. Maihöfner et al., Patterns of cortical reorganization in complex regional pain syndrome. Neurology, 2003, 61: 1707–15.
2. Maihöfner et al., Cortical reorganisation during recovery from complex regional pain syndrome. Neurology, 2004, 63: 693–707.
Gefördert durch das „Deutsche Forschungsnetzwerk Neuropathischer Schmerz“ (DFNS) des BMBF