Geburtshilfe Frauenheilkd 2006; 66(4): 391-399
DOI: 10.1055/s-2006-924032
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

11. Mitteilung: Unterschiede im somatischen Entwicklungsstand Neugeborener unter Berücksichtigung des Herkunftslandes der Mütter

(Analyse des Neugeborenenkollektivs der Jahre 1995 - 1997 der Bundesrepublik Deutschland)11th Communication: Differences in Somatic Developments of Newborns Taking the Maternal Ethnic Origin into Account(Analysis of the Neonate Collective in Germany for 1995 - 1997)M. Voigt1 , K. T. M. Schneider2 , H. Brinks3 , C. Fusch1 , K. Hartmann4 , U. Wittwer-Backofen5 , V. Hesse3
  • 1Abteilung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der EMAU Greifswald
  • 2Abteilung Perinatalmedizin der Frauenklinik der Technischen Universität München
  • 3Deutsches Wachstumszentrum, Berlin
  • 4Biomedpark, Heidelberg
  • 5Institut für Humangenetik und Anthropologie der A.-L.-Universität Freiburg
Further Information

Publication History

Eingang Manuskript: 2.3.2006

Akzeptiert: 6.3.2006

Publication Date:
11 May 2006 (online)

Zusammenfassung

Auf der Grundlage der Perinataldaten der Jahre 1995 - 1997 mit 1 815 318 Einlingsgeburten wurde der somatische Entwicklungsstand Neugeborener unter Berücksichtigung des Herkunftslandes ihrer Mütter untersucht. Der Anteil Neugeborener von Müttern mit einem anderen Herkunftsland als Deutschland lag bei 16,7 %. Die deutschen Neugeborenen waren im Durchschnitt 32 g schwerer als Neugeborene von Müttern mit einem anderen Herkunftsland. Mit 0,2 % lag die Rate Neugeborener mit niedrigem Geburtsgewicht und mit 0,3 % die Frühgeborenenrate niedriger bei Neugeborenen von deutschen Müttern. Bei Zugrundelegung gesamtdeutscher Normwerte unter Einschluss aller Neugeborenen wurden 9,5 % der deutschen, 12,1 % der asiatischen und nur 7,7 % der osteuropäischen Neugeborenen als hypotroph klassifiziert. Bei den asiatischen Neugeborenen dürften die niedrigeren Körpermaße ihrer Mütter dafür verantwortlich sein. Auffällig sind die relativ hohen Geburtsgewichte von Neugeborenen osteuropäischer Mütter (auch bei gleichen mütterlichen Körpermaßen). Die Daten der Perinatalerhebung eignen sich nur bedingt, um diese Problematik exakt wissenschaftlich bearbeiten zu können. So ist z. B. durch die Gruppenbildung eine eindeutige Zuordnung der Mütter zu Ländern nicht möglich. Auch wird im Basis-Erhebungsbogen nicht die Dauer des Aufenthaltes der Mütter in Deutschland oder die Herkunft des Vaters des Kindes erfasst. Mit dieser ersten Übersichtsarbeit soll die Spannweite wichtiger somatischer Parameter der Neugeborenen unter Berücksichtigung des Herkunftslandes der Mütter gezeigt werden. Diese in einer globalisierten Welt zunehmende Problematik gibt Anregungen für weiterführende Untersuchungen.

Abstract

Based on the perinatal data for the years 1995 - 1997 of 1 815 318 singletons, the somatic development of newborns was investigated with due consideration of the ethnic origin of their mothers. The proportion of foreigners was 16.7 %. German newborns weighed 32 g more than the newborns of any other country. The incidence of small-for-gestational-age newborns or preterm newborns of German mothers was 0.2 % and 0.3 % lower, respectively. When evaluating all newborns evaluated on the basis of German norm figures, 9.5 % of the German, 12.1 % of the Asian but only 7.7 % of the East European newborns were classified as hypotrophic. In the Asian population the low maternal body mass and size might be responsible for that result. The relatively high newborn birth weights from mothers from Eastern Europe with comparable body measures were surprising. However the perinatal data are not consistent enough to allow a scientific explanation. Grouping of the patients does not allow an exact attribution of the mothers to specific countries. Likewise in the questionnaire the duration of the maternal stay in Germany or the ethnic origin of the father could not be evaluated. This first review should demonstrate the range of important somatic parameters of newborns with respect to the ethnic origin of their mothers. In an increasingly globalised world this paper can give important indications for further investigations into these correlations.

Literatur

PD Dr. Dr. rer. med. M. Voigt

Abteilung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der EMAU Greifswald

Soldtmannstraße 15

17487 Greifswald

Email: [email protected]