Psychother Psych Med 2006; 56(9/10): 376-382
DOI: 10.1055/s-2006-940127
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Veränderung der Wahrnehmung von Emotionen im Verlauf stationärer psychotherapeutischer Behandlung

Changes in Alexithymia and Emotional Awareness during Psychotherapeutic Inpatient TreatmentUdo  Simson1 , Katharina  Martin2 , Ralf  Schäfer1 , Matthias  Franz1 , Paul  Janssen2
  • 1Abteilung für Psychosomatik, St. Agatha-Krankenhaus, Köln
  • 2(Chefarzt: Dr. Schurig)
  • 3Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum (Direktor: Prof. Dr. S. Herpertz)
  • 4Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsklinikum Düsseldorf (Direktor: Prof. Dr. Dr. W. Tress)
Further Information

Publication History

Eingegangen: 29. Januar 2006

Angenommen: 8. Juli 2006

Publication Date:
10 October 2006 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung: Es soll geprüft werden, ob sich die Wahrnehmung von Emotionen durch stationäre psychotherapeutische Behandlung positiv beeinflussen lässt. Weiter soll untersucht werden, ob Alexithymie ein prognostisch ungünstiger Faktor für eine stationäre psychotherapeutische Behandlung ist. Methode: 48 Patienten in stationärer psychotherapeutischer Behandlung wurden bei Aufnahme und bei Entlassung testpsychologische Messinstrumente vorgelegt: Alexithymie bzw. Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung und Beschreibung von Gefühlen wurden gemessen mit der Toronto Alexithymia Scale (TAS-20) sowie der Levels of Emotional Awareness Scale (LEAS). Die psychische Belastung wurde erfasst mit der Symptom-Checkliste (SCL-90-R). Die Schwere psychogener Erkrankungen wurde mit dem Beeinträchtigungs-Schwere-Score (BSS) gemessen und zur Einschätzung des globalen psychosozialen Funktionsniveaus setzten wir die Global Assessment Scale of Function (GAF) ein. Ergebnisse: Die LEAS-Summenwerte unterschieden sich zwischen Aufnahme und Entlassung nicht signifikant. Die TAS-20-Summenwerte waren bei Entlassung signifikant niedriger als bei der Aufnahme. Entsprechend den üblichen Cut-off-Werten der TAS-20 wurden bei Aufnahme 16 Patienten als alexithym klassifiziert, bei Entlassung nur noch 10. Patienten mit gutem Therapieerfolg (entsprechend GAF) zeigten eine bessere Wahrnehmungsfähigkeit für emotionale Beteiligung (LEAS) bei Aufnahme als die Subgruppe mit geringem Therapieerfolg. Zusammenhänge zwischen TAS-20 und Therapieerfolg (entsprechend GAF) waren nicht nachweisbar. Diskussion: Die stationäre psychotherapeutische Behandlung ging mit einer Minderung der Ausprägung des Merkmals Alexithymie, gemessen mit der TAS-20, einher. Eine Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit eigener emotionaler Beteiligung (LEAS), die ebenfalls zu erwarten wäre, konnte nicht nachgewiesen werden. Dies ist möglicherweise auf die schlechtere Retestreliabilität der LEAS zurückzuführen. Die Zusammenhänge zwischen LEAS-Summenwerten und Therapieerfolg deuten darauf hin, dass Schwierigkeiten in der Wahrnehmung und Kommunikation von Emotionen ein für eine psychotherapeutische Behandlung prognostisch ungünstiger Faktor sind.

Abstract

The aim of the study was to investigate whether alexithymia and emotional awareness could be improved by psychotherapeutic inpatient treatment. The role of alexithymia and emotional awareness in predicting the treatment outcome was investigated. 48 psychosomatically ill patients completed German versions of the Toronto Alexithymia Scale (TAS-20), the Levels of Emotional Awareness Scale (LEAS), the Symptom Check List (SCL-90-R), the Global Assessment Scale of Function (GAF) and the „Beeinträchtigungs-Schwere-Score” (BSS) to assess the severity of patient psychological impairment. Psychotherapeutic inpatient treatment was associated with a decrease in alexithymia as measured by TAS-20. The expected improvement of emotional awareness failed to be statistically significant. This may be due to the smaller retest reliability of the LEAS. High scores in emotional awareness before therapy as measured by LEAS emerged as a predictor of successful psychotherapy with respect to GAF.

Literatur

Dr. med. Udo Simson

Abteilung für Psychosomatik · St. Agatha-Krankenhaus

Feldgärtenstraße 97

50735 Köln

Email: simson@st-agatha-krankenhaus.de