Dtsch med Wochenschr 2006; 131(44): 2461-2464
DOI: 10.1055/s-2006-955030
Originalarbeit | Original article
Intensivmedizin, Pyschosomatik
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Burnout und Belastungsstörungen bei Intensivmedizinern

Burnout and stress disorders in intensive care doctorsJ. F. Kinzl1 , C. Traweger2 , W. Biebl1 , W. Lederer3
  • 1Klinische Abteilung für Psychosomatische Medizin, Universitätsklinik für Psychiatrie, Medizinische Universität Innsbruck
  • 2Institut für Sozialwissenschaften, Universität Innsbruck
  • 3Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Medizinische Universität Innsbruck
Further Information

Publication History

eingereicht: 19.6.2006

akzeptiert: 24.8.2006

Publication Date:
25 October 2006 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung: Das permanente Arbeiten im Grenzbereich des Möglichen konfrontiert das medizinische Personal auf den Intensivstationen mit seinen eigenen Grenzen: Aufgrund der kurz- und langfristig bestehenden Anforderungen haben sie ein erhöhtes Risiko für psychische und psychosomatische Belastungsreaktionen. Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, in welchem Ausmaß die Belastungen zum Auftreten einer Burnout-Symptomatik beitragen, und welche Rolle die Rahmenbedingungen des Arbeitsplatzes spielen.

Methodik: Mit Hilfe verschiedener Fragebogen (u. a. das Instrument zur Stressbezogenen Tätigkeitsanalyse, das Maslach-Burnout-Inventar) wurden bei 89 Innsbruck Anästhesisten (56 Männer, 33 Frauen) das Vorliegen von psychosomatischen Störungen und des Burnout-Syndroms sowie die Anforderungen, Belastungen und Ressourcen des Arbeitsplatzes und deren Auswirkungen erfasst.

Ergebnisse: Ein Viertel der Anästhesisten wies hohe Werte auf den Skalen „emotionale Erschöpfung” bzw. „Depersonalisation” auf, ein Fünftel niedrige Werte auf der Skala „persönliche Leistungsfähigkeit”. Etwa ein Viertel der Untersuchten war „burnout-gefährdet”; drei Anästhesisten wiesen das Vollbild eines Burnout-Syndroms auf. Befindlichkeitsbeeinträchtigungen bzw. psychosomatische Beschwerden waren bei beiden Geschlechtern relativ häufig. Als besondere Belastungen wurden die langen Arbeitszeiten bzw. Nachtdienste, die Kooperation mit Mitgliedern verschiedener Berufsgruppen und die geringen Arbeitsplatzressourcen genannt.

Folgerung: Burnout-Symptome und Befindlichkeitsbeeinträchtigungen sind bei Intensivmedizinern relativ häufig. Präventive Maßnahmen wie ausreichende Ressourcen am Arbeitsplatz und Supervision können das individuelle Verhalten und die Arbeitsbedingungen beeinflussen und damit das Risiko für Burnout reduzieren.

Summary

Background and objective: The various acute and chronic demands and burdens put ICU staff at greater risk for developing psychological and stress disorders. It was the aim of this study to assess the prevalence rates of burnout-syndrome in anesthetists, and to evaluate the contribution of working conditions to the development of burnout.

Methods: Self-reporting questionnaires were used to assess emotional well-being and physical health, burnout-syndrome (Maslach Burnout Inventory), and working conditions (Instrument for Stress-Oriented Task Analysis) in 89 anaesthetists (56males, 33 females).

Results: One quarter of the anaesthetists show high values on the subscales „emotional exhaustion” or „depersonalization”, and one fifth low values on the subscale „lack of personal accomplishment”. About one quarter of the probands may be seen as „at risk for burnout”. Feelings of ill-health are relatively frequent in both sexes. Long working hours and night duties, the cooperation with members of different occupational groups, and small working place resources are seen as particular stresses.

Conclusion: Burnout-syndrome and psychosomatic symptoms are frequent in intensive care doctors. But preventive measures such as adequate resources at the work place and supervision can influence personal behavior and working conditions, and thus reduce the risk of burnout.

Literatur

Univ. Prof. Dr. med. Johann F. Kinzl

Klinische Abteilung für Psychosomatische Medizin, Universitätsklinik für Psychiatrie, Medizinische Universität Innsbruck

Anichstraße 35

A-6020 Innsbruck

Phone: 0043/512/50423705

Fax: 0043/512/50423687

Email: johann.kinzl@uklibk.ac.at