Aktuelle Rheumatologie 2019; 44(03): 152
DOI: 10.1055/a-0805-8546
Für Sie notiert
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Biomarker unterstützen frühzeitige Erkennung von Uveitis

Contributor(s):
Maddalena Angela Di Lellis
Tappeiner C. et al.
Risk Factors and Biomarkers for the Occurrence of Uveitis in Juvenile Idiopathic Arthritis.

Arthritis Rheumatol 2018;
70: 1685-1694
Further Information

Publication History

Publication Date:
19 June 2019 (online)

 

    In gut einem Zehntel aller Patienten mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) manifestiert sich eine Uveitis, die zu Komplikationen in der Sehkraft führen kann. Biomarker, die frühzeitig auf die Entstehung einer Uveitis hinweisen, wären in der Klinik sehr vorteilhaft. Tappeiner et al. legen nun eine Studie vor, in der die Forscher die Rolle verschiedener Faktoren auf die Entstehung einer Uveitis evaluieren.


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    Die Experten der deutschen prospektiven Multicenterstudie fanden heraus, dass die Erythrozytensedimentationsrate (ESR) und das S100A12 (Calgranulin)-Protein neben demografischen Risikofaktoren und einer erhöhten Krankheitsaktivität geeignete Biomarker zur frühzeitigen Erkennung einer beginnenden Uveitis bei JIA-Patienten darstellen. Im Rahmen der Studie schlossen die Forscher JIA-Patienten ein, die nach der „International League of Associations for Rheumatology“ vor weniger als 12 Monaten diagnostiziert wurden. Die Wissenschaftler erhoben eine Vielzahl von Daten zur Demografie der JIA-Patienten und klinischen Parametern wie bspw. zur Anzahl der betroffenen Gelenke, Zur Krankheitsaktivität und zur medizinischen und familiären Krankengeschichte. Die Krankheitsaktivität evaluierten die Wissenschaftler anhand des klinischen „10-joint clinical Juvenile Arthritis Disease Activity Score“ (cJA-DAS-10). Zu Beginn der Studie und zu den regelmäßigen Nachsorgevisiten überprüften die Forscher Entzündungsmarker (ESR, CRP-Level, Anzahl der Blutplättchen), S100-Proteine, Zytokine, Chemokine, Immunoglobuline und verschiedene Autoantikörper. Ein Ophthalmologe untersuchte die Augen der Patienten auf deren Gesundheit.

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    Schwere chronische Uveitis anterior mit Rubeosis iridis und ausgeprägten Synechien bei juveniler idiopathischer Arthritis (in Mydriasis). Quelle: Hahn G. Klinischer Fall - Akuter Schub einer chronischen Uveitis anterior. In: Hahn G, Hrsg. Kurzlehrbuch Augenheilkunde. 1. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2012.

    Insgesamt schlossen die Wissenschaftler 954 junge JIA-Patienten in die Studie ein. 13,9% aller Patienten entwickelten während der Studie eine Uveitis. Fast die Hälfte aller Patienten, die eine Uveitis entwickelten, erkrankte bereits innerhalb des ersten Jahres nach der JIA-Diagnose. Eine multivariate Analyse zeigte, dass Patienten mit antinukleären Antikörpern (ANA) und einem Alter von unter 3 Jahren bei Krankheitsbeginn ein erhöhtes Risiko aufwiesen, an einer Uveitis zu erkranken. Eine Behandlung mit Methotrexat in Kombination mit Etanercept oder Adalimumab reduzierte dieses Risiko signifikant. Sowohl in der univariaten als auch multivariaten Analyse zeigte sich, dass unter den Biomarkern insbesondere eine erhöhte ESR und das S100A12-Protein signifikant mit dem Risiko, eine Uveitis zu entwickeln, assoziiert waren. Ebenso konnten die Experten errechnen, dass ein moderater bis hoher cJA-DAS-10 einen Risikofaktor für eine Uveitis darstellt.

    Fazit

    Diese Studie liefert wertvolle Erkenntnisse zur Erkennung des Uveitis-Risikos bei JIA-Patienten. Die ESR und das S100A12-Protein sind vielversprechende Biomarker, um eine Manifestation einer Uveitis frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln, so die Autoren.

    Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen


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    Schwere chronische Uveitis anterior mit Rubeosis iridis und ausgeprägten Synechien bei juveniler idiopathischer Arthritis (in Mydriasis). Quelle: Hahn G. Klinischer Fall - Akuter Schub einer chronischen Uveitis anterior. In: Hahn G, Hrsg. Kurzlehrbuch Augenheilkunde. 1. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2012.