Aktuelle Rheumatologie 2019; 44(03): 153
DOI: 10.1055/a-0806-2806
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kniegelenkarthrose: Übungsprogramm lindert Schmerzen

Contributor(s):
Judith Lorenz
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Publication Date:
19 June 2019 (online)

 

Angesichts des Anspruchs, jedem Arthrosepatienten eine individualisierte Bewegungstherapie zukommen zu lassen, stellt sich die Frage, ob nicht nur körperlich inaktive, sondern auch aktive Personen mit einer Kniegelenkarthrose hinsichtlich der Schmerzlinderung von einem Übungs- und Schulungsprogramm profitieren. Dänische Wissenschaftler haben sich mit dieser Thematik im Rahmen einer registerbasierten Studie beschäftigt.


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Ihre Hypothese: Körperlich weniger aktive Patienten erfahren eine deutlichere Beschwerdebesserung als Personen, die bereits in großem Maße sportlich aktiv sind. Die Forscher werteten die Daten von 12796 Teilnehmern der dänischen GLA:D®-Initiative aus. Ziel des aktuell andauernden Programms ist es, Behandlungsempfehlungen für Patienten mit einer Knie- oder Hüftgelenkarthrose zu erstellen. In die Analyse flossen ausschließlich Personen mit einer Kniegelenkarthrose ein. Alle Patienten nahmen an 2 Schulungsseminaren teil und absolvierten anschließend 12 sechzig minütige neuromuskuläre Übungseinheiten unter physiotherapeutischer Anleitung (2 Sitzungen pro Woche über 6 Wochen). Die körperliche Aktivität der Probanden bei Aufnahme in das Programm erfassten die Wissenschaftler mithilfe der „University of California/Los Angeles Activity Scale“. Anschließend prüften sie, inwiefern sich der Aktivitätsgrad der Patienten auf ihr Schmerzempfinden unmittelbar nach der achtwöchigen Übungstherapie sowie 12 Monate nach der Intervention auswirkte. Die Schmerzwahrnehmung objektivierten sie dabei mithilfe einer visuellen Analogskala (0–100).

Ergebnisse

Das Durchschnittsalter des Studienkollektivs betrug 64 Jahre, 73% der Probanden waren Frauen. Die körperlich inaktiven Patienten gaben bei Einschluss in das Programm signifikant stärkere Knieschmerzen an als die aktiven Personen. In allen Aktivitätsgruppen besserte sich die Intensität der Kniebeschwerden signifikant. Bei Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren (Alter, Geschlecht, Bodymassindex, Bildungsstand, Komorbiditäten) zeigte sich: Im Kollektiv der körperlich inaktiven Probanden nahm die Schmerzbelastung unmittelbar nach Abschluss der Übungstherapie um 13,4 und nach 12 Monaten um 12,8 Punkte ab. Aktive Patienten unterschieden sich diesbezüglich nicht wesentlich: Die Forscher verzeichneten keine Abnahme der Schmerzintensität mit zunehmendem Aktivitätsgrad der Patienten.

Fazit

Sowohl körperlich inaktive als auch sportlich aktive Patienten mit einer Kniegelenkarthrose, so die Schlussfolgerung der Autoren, profitieren hinsichtlich der mittel- und langfristigen Schmerzlinderung von einem physiotherapeutisch angeleiteten Übungs- und Schulungsprogramm. Eine solche Behandlung sei daher unabhängig vom Aktivitätsgrad für alle Betroffenen zu empfehlen.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell


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