Akt Rheumatol 2019; 44(02): 96
DOI: 10.1055/a-0806-2819
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Altersbedingte Veränderungen im Kniegelenk oder beginnende Osteoarthritis?

Contributor(s):
Stephanie Burgess
Magnusson K. et al.
A naturally aging knee, or development of early knee osteoarthritis?.

Osteoarthr Cartil 2018;
26: 1447-1452
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Publication History

Publication Date:
10 April 2019 (online)

 

    In unserer alternden Bevölkerung sind degenerative Veränderungen im Kniegelenk keine Seltenheit. Der Grat zwischen „normalen“ Alterserscheinungen und pathologischen Veränderungen ist oft schmal. Zur frühzeitigen Behandlung von Osteoarthritis ist eine solche Differenzierung jedoch notwendig. Die Autoren wollen untersuchen, ob es im Zeitverlauf möglich ist, anhand bildgebender Verfahren zwischen Degeneration und Pathologie zu unterscheiden.


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    In die prospektive Kohortenstudie wurde auf Patienten aus einer großen, längsschnittlichen Studie zurückgegriffen. Einschlusskriterien waren Alter zwischen 45 und 55 Jahren und im röntgenologischen Befund keine Knie-Osteoarthritis (Knie-OA) zu Beginn der Studie. Außerdem mussten MRT-Aufnahmen zu Beginn und im Nachverfolgungszeitraum vorliegen. Die Kontrollgruppe durfte keine Risikofaktoren für Knie-OA aufweisen und keine Knieschmerzen oder Steifigkeit im Jahr vor Beginn der Untersuchung angeben. MRT-Aufnahmen wurden von beiden Knien gefertigt. Diese wurden von einem Radiologen anhand des MOAKS-Wert (MRI Osteoarthritis Knee Score) auf Osteoarthritis begutachtet. Weiterhin wurden Röntgenbilder der Knie gefertigt und bestehende Schmerzen abgefragt.

    In der Untersuchungsgruppe wiesen alle Patienten mind. einen Risikofaktor für Osteoarthritis auf (z. B. Übergewicht, vorangegangene Knieverletzung, usw.).

    Insgesamt konnten 340 Patienten in die Studie eingeschlossen werden. Davon waren 294 Patienten in der Studiengruppe mit Risikofaktoren für OA, 46 Patienten waren in der Kontrollgruppe. Alle Probanden wurden zu Beginn der Studie, sowie im Zweijahresrhythmus für 8 Jahre untersucht. Das Durchschnittsalter betrug 50 Jahre, 51% waren weiblich. Die Prävalenz von MRT-Befunden für OA stieg zwischen Beginn der Studie und 6 Jahren in beiden Gruppen an. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den Röntgenbildern, hier konnten insgesamt jedoch nur wenige Befunde gestellt werden. Patienten mit Risikofaktoren für OA hatten häufiger Knieschmerzen als die Kontrollgruppe. Es zeigten sich also keine belastbaren Unterschiede in der Entwicklung einer Knie-OA bei Probanden mit und ohne Risikofaktoren. Eine frühzeitige Unterscheidung zwischen Alterungsprozessen und pathologischen Veränderungen war nicht möglich. Dies kann auch an den Limitationen der Studie liegen. Die Kontrollgruppe war sehr klein mit schwankenden Konfidenzintervallen, sodass keine klaren Erkenntnisse möglich waren. Außerdem wurden nur rechte Knie in die Auswertung eingeschlossen. Dies kann zu einer Verzerrung geführt haben.

    Fazit

    Die Autoren wollten untersuchen, ob anhand bildgebender Verfahren frühzeitig zwischen Knie-Degeneration oder Osteoarthritis unterschieden werden kann. Es konnten keine Unterschiede zwischen Probanden mit und ohne Risikofaktoren für Knie-Osteoarthritis festgestellt werden. Die Autoren schlussfolgern, dass bildgebende Verfahren alleine zur Unterscheidung nicht ausreichend sind. Patienten mit Risikofaktoren litten allerdings häufiger unter Schmerzen als Probanden ohne Risikofaktoren.

    Stephanie Burgess, Stuttgart


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