Akt Rheumatol 2019; 44(02): 100
DOI: 10.1055/a-0807-7821
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Patienteneinschätzung sagt verlässlich RA-Schub voraus

Contributor(s):
Maddalena Angela Di Lellis
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Publication Date:
10 April 2019 (online)

 

    Krankheitsschübe bei Patienten mit rheumatoider Arthritis sind u. a. assoziiert mit einer funktionalen Verschlechterung und verschlimmern kardiovaskuläre Komorbiditäten. Einen Schub frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können, ist daher relevant für die klinische Praxis. Bechmann et al. untersuchten ein breites Spektrum an Biomarkern bezüglich der Vorhersagekraft von RA-Schüben.


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    In vorliegender prospektiven Studie durchlebte ein Drittel der RA-Patienten mit niedriger Krankheitsaktivität (LDA) innerhalb eines Jahres einen RA-Schub. Am verlässlichsten aller untersuchten Biomarker zur Vorhersage eines RA-Schubes erwies sich die subjektive Einschätzung der Patienten, die die Wissenschaftler mittels eines Gesundheitserfassungs-Fragebogen (Health Assessment Questionnaire – Disability Index HAQ-DI) erhoben. Die Experten schlossen Patienten in ihre Studie ein, die seit mehr als 6 Monaten eine medikamentöse Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) erhielten und seit mind. einem Monat einen Krankheitsaktivitäts-Score (DAS28)<3,2 aufwiesen. Zum Studienbeginn erhoben die Forscher Angaben zur Demografie und Krankheits- und Behandlungscharakteristika. Klinische Untersuchungen (Schmerzen und Müdigkeit über eine visuelle Analogskala, DAS28, C-reaktives Protein CRP, Erythrozytensedimentationsrate ESR) führten die Experten über einen Zeitraum von einem Jahr alle 3 Monate durch, außerdem füllten die Patienten verschiedene Fragebögen zur eigenen Einschätzung der Erkrankung aus. Zusätzlich entnahmen die Wissenschaftler den Patienten noch Serumproben, untersuchten die Hände und Handgelenke der Ultraschall und erstellten Röntgenaufnahmen der Hände und Füße zu Beginn der Studie und nach einem Jahr Studiendauer.

    Die Experten schlossen 152 Patienten in die Studie ein. 30% aller Patienten erlitten im Studienzeitraum mind. einen RA-Schub. Insgesamt traten im Verlauf der Studie 70 individuelle RA-Schübe auf. 17% hiervon konnten mit einer entsprechenden Gesamtbeurteilung durch die Patienten und dem Auftreten empfindlicher Gelenke assoziiert werden. 33% aller RA-Schübe waren verbunden mit einem erhöhten Multi-Biomarker-Score, zudem erwiesen sich die ESR der CRP- und Calprotectin-Spiegel ebenfalls als erhöht. Nach der Auswertung mittels multivariater Analyse verblieb lediglich die Patienteneinschätzung mittels HAQ-DI-Fragebogen als einziger statistisch signifikanter Prädiktor zur Vorhersage eines RA-Schubes.

    Fazit

    Die Autoren kamen zu dem Resultat, dass der HQA-DI-Fragebogen als Maß für die funktionale Aktivität der Patienten während des Alltages ein guter Anhaltspunkt zur Vorhersage eines erneuten RA-Schubes ist. Da RA-Schübe jedoch komplexe Ereignisse und nicht lediglich die Reflektion einer entzündlichen Krankheitsaktivität darstellen, ist mehr Forschung notwendig, um RA-Schübe untereinander abzugrenzen und potenzielle Prädiktoren zu identifizieren, so die Experten.

    Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen


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