Bericht vom DMKG-Nachwuchsforschertreffen
Im Mai dieses Jahres fand das jährliche Nachwuchsforschertreffen der Deutschen Migräne-
und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG) im Herzen Berlins, auf dem Campus Charité
Mitte, statt. Ausgerichtet wurde das Treffen durch das Team des DMKG-Regionalbeauftragten
von Berlin und Brandenburg, Prof. Dr. Uwe Reuter. Besonderen Dank für die Organisation
gilt hierbei seinen Mitarbeitern Dr. Bianca Raffaelli, Irina Hubalek und Lucas Overeem.
Teilnehmer des DMKG-Nachwuchstreffens 2019 in Berlin (Quelle: DMKG e. V.)
Das Nachwuchstreffen ist ein wichtiger Bestandteil der Nachwuchsförderung im Bereich
Kopfschmerz und wird durch die DMKG finanziert. Zum wissenschaftlichen Programm gehören
insbesondere die Vorstellung des Fortschritts von studentischen Projekten; aber auch
Übersichtsvorträge und kurze Fortbildungseinheiten sowie interessante klinische Fallbeispiele
aus der Praxis. Einen besonderen Stellenwert hat das Networken, der Austausch der
jungen Nachwuchsforscher untereinander, aber auch mit erfahrenen Forschern aus verschiedenen
Disziplinen. Dies wurde bei der Planung berücksichtigt, sodass entsprechende Gelegenheiten
(z. B. gemeinsame Wanderungen, Besichtigungen, sportliche Aktivitäten) geschaffen
werden. Aus solchen Kontakten sind in der Vergangenheit immer wieder auch gemeinsame
Forschungsprojekte mit dazugehörigen Publikationen entstanden. Oft haben diese auf
dem Nachwuchstreffen entstandene Kontakte individuelle Karrieren gefördert, sowohl
im klinischen als auch im wissenschaftlichen Bereich. Die ungefähr 25 Teilnehmer kamen
aus allen Himmelsrichtungen des Landes und erlebten spannende Tage in der Hauptstadt.
Am ersten Tag fand das Nachwuchstreffen im Bettenhaus der Charité statt, im 21. Stockwerk,
direkt unterhalb des Charité-Schriftzuges. Dadurch konnte man den Blick weit über
die Stadt schweifen lassen.
Den Auftakt machte Uwe Reuter, Berlin, mit einem Vortrag über aktuelle Studien zu
monoklonalen Antikörpern in der Kopfschmerzprophylaxe. Maria Dick, Rostock, stellte
Daten zum Social-Network-Index bei Migränepatienten vor. Robert Fleischmann, Greifswald,
präsentiere erste Ergebnisse seines Projekts „Multimodale Charakterisierung der neuroplastischen
Effekte von CGRP-Antikörpern“, wofür er 2018 den Soyka-Förderpreis für Schmerzforschung
erhielt.
Armin Scheffler, Essen, berichtete von der Behandlung mit monoklonalen Antikörpern
in Real-World-Setting. Angela Serian, Ulm, stellte ein Projekt zur subjektiven Schmerzwahrnehmung
bei Jugendlichen mit Depression und Essstörung vor, bei welchem der Schreckreflex
gemessen wird. Anna Karkosz, Essen, präsentierte neue Ergebnisse zum vestibulookulären
Reflexes bei chronisch-vestibulärer Migräne. Philipp Burow, Halle, zeigte erste Ergebnisse
zu möglichen mitochondrialen Biomarkern bei episodischer und chronischer Migräne.
Lars Neeb, Berlin, gab in seinem Vortrag einen Überblick über den vielfältigen Einsatz
der Kernspintomografie im Kopfschmerzbereich, wobei er auch auf mögliche Probleme
einging.
Anna-Lena Guth, Königstein, stellte die Diagnose F45.41 „Chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren“ mitsamt ihrer praktischen Relevanz und Begründung
vor. Esra Lenz, Rostock, stellte die Daten seiner Doktorarbeit vor, in der er motivationale
Faktoren der Rauchentwöhnung bei Patienten mit Clusterkopfschmerz untersuchte. Bianca
Raffaelli, Berlin, präsentierte – als Vertretung für Henriette Knoth – erste Daten
zum CGRP-Spiegel bei Migräne und Endometriose. Thomas Dresler, Tübingen, schloss mit
seinem Fortbildungsbeitrag „Wie schreibe ich eine wissenschaftliche Arbeit?“ den ersten
Tag ab.
Im Anschluss gab es eine Schnitzeljagd durch das Stadtzentrum Berlins bei sonnigem
Wetter. Bewegung und Knobelaufgaben sorgten für willkommene Abwechslung. Dies ermöglichte
den gebildeten Kleingruppen weiteren sozialen Austausch und wissenschaftliche Diskussionen.
Der zweite Tag fand in den Räumlichkeiten der Alten Nervenklinik statt und wurde von
folgenden Referenten bestritten: Bianca Raffaelli, Berlin, berichtete von der Entwicklung
der Migräne nach Absetzen von monoklonalen Antikörpern. Jan Decker, Essen, präsentierte
den Studienplan zum Zusammenhang von Kopfschmerz und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Victoria Schubert, Tübingen, stellte Therapieoptionen bei hemiplegischer Migräne vor.
Laura Zaranek, Dresden, informierte über Neuigkeiten beim Einsatz eines Geruchstraining
bei Kindern mit Migräne. Carla Schmidt, Frankfurt, zeigte, wie Physiotherapie bei
Migränepatienten mit HWS-Dysfunktion eingesetzt werden kann. Maxi Hofacker, Berlin,
stellte die Smartgem-Studie vor, in welcher der Einsatz einer App bei Migräne genauer
untersucht werden soll. Hanna Lapp, Dresden, präsentierte den Fortschritt ihrer Doktorarbeit
zu C-taktilen Berührungswahrnehmung bei Patienten mit Migräne. Irina Hubalek, Berlin,
eröffnete psychologische Hintergründe beim Medikamentenübergebrauch. Steffen Nägel,
Essen, beschloss das wissenschaftliche Programm mit einer Übersicht über seltene Kopfschmerzen.
Das Kulturprogramm des zweiten Tages bestand aus einer Fahrt nach Lübben in den Spreewald,
wo eine Kirchturmführung einen Einblick in die Stadtgeschichte gab. Erneut war das
Wetter auf unserer Seite, ein auf dem Marktplatz stattfindendes Trachtenfest rundete
das pittoreske Bild ab. Während einer obligatorischen Kahnfahrt durch die Flüsse und
Kanäle im Spreewald konnten wir die Natur ausgiebig genießen und fuhren anschließend
nach Berlin zurück und beschlossen das Treffen mit einem gemeinsamen Abendessen.
Als Ort für das nächste Nachwuchstreffen 2020 wurde Dresden festgelegt.
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