Akt Rheumatol 2019; 44(05): 308
DOI: 10.1055/a-0955-1891
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Rheumatoide Arthritis: viele Begleiterkankungen und schlechte Versorgung

Contributor(s):
Richard Kessing
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Publication Date:
15 October 2019 (online)

 

    Wissenschaftler aus Deutschland verglichen die Prävalenz von Begleiterkrankungen bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) mit denen übereinstimmender Kontrollen und untersuchten deren Zusammenhang mit patientenberichteten Ergebnissen.


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    Für ihre Studie analysierten die Autoren die Krankenkassendaten von knapp 97 000 Rheumapatienten und etwa 485000 Vergleichspersonen mit ähnlichem Alters- und Geschlechtsprofil der Jahre 2012–2014 und erfassten 26 Begleiterkrankungen im Jahr 2015. Die Daten stammten aus dem Forschungsnetz PROCLAIR (Linking Patient-Reported Outcomes with Claims Data for Health Services Research in Rheumatology), das sich mit der Versorgung von Patienten mit rheumatoider Arthritis, ankylosierender Spondylitis und Arthrosen der Hüft-und Kniegelenke beschäftigt.

    An eine Stichprobe von 6193 Personen mit RA, stratifiziert nach 3 Altersgruppen, Geschlecht und Diagnose, wurde ein Fragenbogen verschickt. Der Fragenkatalog enthielt Fragen zur Gesundheit, Krankheitsaktiviät und selbstberichtetem Befinden. Erfasst wurden die Anzahl druckschmerzempfindlicher (TJC) und geschwollener Gelenke (SJC), der funktionelle Status mit dem Hannover Functional Ability Questionnaire, Auswirkungen der Krankheit mittels Rheumatoid Arthritis Impact of Disease sowie depressive Symptome mit dem WHO 5-item Well-Being Index (WHO-5). Das mittlere Alter der Studienpopulation betrug 62,5 Jahre und 79,6% waren weiblich. Im Jahr 2015 wurden 31,3% der RA-Patienten mindestens einmal hospitalisiert, in der Vergleichsgruppe waren diese 2,5%.

    Im Vergleich zu den Kontrollen waren alle untersuchten Begleiterkrankungen bei Personen mit RA häufiger und die Prävalenz aller Begleiterkankungen, bis auf Asthma und entzündliche Darmerkrankung, nahmen mit dem Alter zu. So litten 62,5% der Rheumapatienten an Hypertonie, bei den Kontrollen waren es 47,9%. Eine Arthrose hatten 44,0% der RA-Patienten und 21,4% der Kontrollpersonen auf. Hohe Blutfettwerte hatten knapp 40 und 32,2% die Vergleichsgruppe. Unter Depressionen litten 31,8% der RA-Patienten und 20,1% der Vergleichspersonen. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich bei der Osteoporose. Während rund jeder vierte Rheumapatient unter dem Verlust an Knochensubstanz litt, war es bei den Vergleichspatienten nur knapp jeder zehnte.

    Hinsichtlich der Versorgungssituation Betroffener ergab sich folgendes Bild: je mehr Begleiterkrankungen Patienten mit RA hatten, desto seltener waren sie in rheumatologischer Behandlung. So wurden unter den Befragten 87% derjenigen mit 0–1 Begleiterkrankungen, aber nur 77% derjenigen mit ≥ 8 Begleiterkrankungen von Rheumatologen behandelt.

    Die auf den verschickten Fragebögen erfassten Patient-Reported-Outcome-Parameter dokumentierten einen direkten Einfluss der steigenden Zahl von Begleiterkrankungen auf die Anzahl geschwollener und schmerzhafter Gelenke sowie auf schlechtere Werte im Funktionsfragebogen Hannover und dem WHO-5-Depressions-Index.

    Fazit

    Patienten mit rheumatoider Arthritis haben erheblich mehr Begleiterkrankungen als vergleichbare Kontrollen. Patienten mit RA und multiplen Begleiterkrankungen werden dabei unzureichend fachärztlich betreut und zunehmender Zahl von Begleiterkrankungen verschlechterte sich ihr Status, so die Autorinnen und Autoren.

    Richard Kessing, Zeiskam


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