Aktuel Urol 2020; 51(01): 10
DOI: 10.1055/a-0962-6290
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Metastasiertes Prostatakarzinom: Apalutamid mit lebensverlängernder Wirkung

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Publication Date:
04 February 2020 (online)

 

    Apalutamid ist ein Inhibitor des Androgenrezeptors. In der sogenannten TITAN-Studie wurde untersucht, inwieweit die Kombination von Apalutamid und Androgendeprivationstherapie (ADT) im Vergleich zu Plazebo zu einer Verbesserung des radiographischen progressionsfreien Überlebens (rPFS) und des Gesamtüberlebens (OS) bei Patienten mit metastasiertem hormonresistentem Prostatakarzinom (mHSPC) führt.


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    Die TITAN-Studie ist eine randomisierte, plazebokontrollierte, doppelblinde Phase-3-Studie, die in 23 Ländern und an 260 Zentren in Nordamerika, Lateinamerika, Südamerika, Europa und Asien-Pazifik insgesamt 1052 mHSPC-Patienten rekrutierte. Die Patienten konnten lokal oder mit Docetaxel vorbehandelt sein. Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder Apalutamid (240 mg) plus ADT (n = 525) oder Plazebo plus ADT (n = 527). Eingeschlossen wurden mHSPC-Patienten mit niedrig- und hochvolumigem Krebs, neu diagnostizierte Patienten oder Patienten mit einer definitiven, lokalen Vorbehandlung oder einer Vorbehandlung mit bis zu sechs Behandlungszyklen mit Docetaxel oder eine mHSPC-Behandlung mit ADT über bis zu sechs Monate. Die Studienteilnehmer wurden bis zu der Progression der Krankheit oder dem Eintreten einer inakzeptablen behandlungsbedingten Toxizität behandelt.

    Das mittlere Alter der Studienteilnehmer lag bei 68 Jahren. Insgesamt war bei 16,4 % der Patienten eine Prostatektomie oder eine Strahlentherapie wegen einer lokalisierten Erkrankung erfolgt, 10,7 % waren mit Docetaxel vorbehandelt, 62,7 % hatten eine hochvolumige Erkrankung und 37,3 % eine niedrigvolumige Erkrankung. Bei der ersten Zwischenanalyse mit einer median 22,7 monatigen Nachbeobachtungsperiode erreichten im Apalutamidarm 68,2 % der Patienten den primären Studienendpunkt eines röntgentechnisch progressionsfreien Überlebens nach 24 Monaten. Im Plazebo arm waren dies 47,5 %. Die Kombination aus Apalutamid plus ADT führte zur signifikanten Verbesserung des rPFS mit einer Reduzierung der radiographischen Progression oder der Mortalität um 52 % im Vergleich zu Plazebo plus ADT (Hazard Ratio: 0,48; 95 % Konfidenzintervall[KI] 0,39 – 0,60; p < 0,001). Die Zwei-Jahres-Überlebensraten nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 22,7 Monaten betrugen 82 % bei Apalutamid plus ADT im Vergleich zu 73,5 % im Plazebo-ADT-Arm (Hazard Ratio für Tod: 0,67; 95 % KI 0,51 – 0,89; p = 0,005). Neben dem Erreichen der beiden primären Endpunkte OS und rPFS wurde der sekundäre Endpunkt eines verlängerten Zeitraums bis zur zytotoxischen Chemotherapie von den mit Apalutamid plus ADT behandelten Patienten ebenfalls erreicht.

    Die Häufigkeit von Nebenwirkungen des Grades 3 oder 4 betrug 42,2 % in der Apalutamidgruppe und 40,8 % in der Plazebogruppe. Ein Hautausschlag fand sich signifikant häufiger in der Apalutamidgruppe.

    Fazit

    Bei Patienten mit metastasierendem, kastrationssensitivem Prostatakarzinom führte die Zugabe von Apalutamid zur ADT im Vergleich zu Plazebo signifikant zu einem längeren Gesamtüberleben und radiographischem progressionsfreien Überleben, so das Autorenteam der TITAN-Studiengruppe.

    Richard Kessing, Zeiskam


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