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DOI: 10.1055/a-2651-4971
Das Schwangerschaftsintervall: ein wichtiger Faktor für das Outcome bei Patientinnen mit prophylaktischer Cerclage nach Frühgeburt oder Spätabort
Article in several languages: English | deutschAuthors
Zusammenfassung
Hintergrund
Patientinnen mit einem Spätabort oder einer Frühgeburt in der vorangegangenen Schwangerschaft können in der Folge eine Cerclage mit TMV (totalem Muttermundverschluss) erhalten, um die Wahrscheinlichkeit einer termingerechten Geburt zu erhöhen. In der vorliegenden Analyse wird untersucht, ob das Intervall zwischen den Schwangerschaften einen Einfluss auf den Ausgang der Folgeschwangerschaft hat.
Methoden
In einer retrospektiven Kohorte von 131 Frauen mit prophylaktischer Cerclage und TMV nach Spätabort oder Frühgeburt wurde der Einfluss des interkonzeptionellen Intervalls auf das Schwangerschaftsoutcome untersucht. Die Einteilung erfolgte in 3 Intervallgruppen (0–6, 6–12, > 12 Monate). Erfasst wurden Spätaborte, Frühgeburten (gestaffelt nach Gestationsalter), Termingeburten (≥ 37+0 SSW) sowie neonatologische Parameter (Apgar-Werte, arterielle Nabelschnur-pH, Geburtsgewicht, Aufnahme auf die Neonatologische Intensivstation [NICU]).
Ergebnisse
Ein Schwangerschaftsintervall von mehr als 12 Monaten war mit der höchsten Rate an Termingeburten (85,4%) und dem insgesamt besten neonatologischen Outcome assoziiert. In dieser Gruppe traten die niedrigsten Raten an Aufnahmen auf die neonatologische Intensivstation, die höchsten Geburtsgewichte sowie die besten Apgar-Werte auf. Sehr frühe Frühgeburten (< 28+0 SSW) wurden häufiger bei kürzeren Intervallen beobachtet. Der arterielle pH-Wert der Nabelschnurarterie zeigte keine Korrelation zum Intervall.
Zusammenfassung
Ein längeres Schwangerschaftsintervall von über 12 Monaten war bei Patientinnen mit prophylaktischer Cerclage und TMV nach vorausgegangener Frühgeburt oder Spätabort mit einer höheren Rate an Geburten ≥ 37+0 SSW und damit einem verbesserten fetalen Outcome assoziiert. Sehr frühe Frühgeburten (< 28+0 SSW) traten hingegen häufiger bei kürzeren Intervallen auf.
Einleitung
Ein Spätabort oder eine Frühgeburt stellt für die betroffenen Frauen eine erhebliche emotionale und körperliche Belastung dar [1] [2].
Insbesondere nach dem Verlust eines Kindes ist der Wunsch nach einer erneuten Schwangerschaft häufig besonders ausgeprägt. Die vorangegangene Schwangerschaft hat vielen Frauen nochmals deutlich vor Augen geführt, wie stark ihr Kinderwunsch tatsächlich ist [3].
Die Beratung von Patientinnen nach einem Spätabort oder einer Frühgeburt spielt eine wichtige Rolle, gestaltet sich jedoch häufig herausfordernd, da der Wunsch nach einer zeitnahen Folgeschwangerschaft stark ausgeprägt sein kann. Je nach behandelndem Arzt bzw. behandelnder Ärztin oder individueller Situation der Patientin sind die Empfehlungen zur optimalen Intervalllänge bis zur nächsten Schwangerschaft uneinheitlich.
Die WHO empfiehlt nach einer Lebendgeburt ein Intervall von mindestens 24 Monaten bis zur nächsten Konzeption, um das Risiko maternaler und neonataler Komplikationen zu reduzieren. Das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) hingegen hält bereits ein Intervall von mindestens 6 Monaten für vertretbar, rät jedoch von Schwangerschaften innerhalb dieses Zeitraums ab. Zudem betont das ACOG die Bedeutung einer individuellen Beratung zu Risiken einer erneuten Schwangerschaft vor Ablauf von 18 Monaten. Ein kurzes interkonzeptionelles Intervall von unter 6 Monaten wurde in mehreren Studien und Metaanalysen mit einem erhöhten Risiko für niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburtlichkeit sowie intrauterinen oder neonatalen Tod assoziiert [4] [5] [6].
Das Ziel der Betreuung von Schwangeren mit einer Risikoanamnese hinsichtlich Frühgeburten besteht in erster Linie darin, die Wahrscheinlichkeit einer terminnahen Geburt zu erhöhen. Bei Patientinnen mit vorausgegangenen Spätaborten oder Frühgeburten kann eine prophylaktische (primäre) Cerclage mit oder ohne zusätzlichen TMV in Erwägung gezogen werden. Bei unauffälliger Zervixlänge im späten ersten oder sehr frühen zweiten Trimenon erfolgt der operative Eingriff zur mechanischen Stabilisierung der Zervix. Dieses Vorgehen gilt als etabliert und wirksam. Mehrere Studien und Metaanalysen zeigen, dass die Cerclage das Risiko für erneute Spätaborte oder Frühgeburten signifikant senken kann [7] [8].
Die häufigsten angewandten, operativen Techniken sind die Methoden nach McDonald und Shirodkar, wobei nicht hinreichend gesichert ist, welche der operativen Techniken effektiver ist [9] [10] [11].
Zusätzlich zur primären Cerclage kann bei Risikopatientinnen eine sekundäre Cerclage erwogen werden, wenn sich die Zervix im Verlauf auf unter 25 mm verkürzt.
Nach der S2k-Leitlinie „Prävention und Therapie der Frühgeburt“ der DGGG (2022) wird bei Schwangeren mit entsprechender Risikoanamnese eine vaginale mikrobiologische Diagnostik empfohlen, um asymptomatische bakterielle oder mykotische Infektionen frühzeitig zu erkennen und aufsteigende Infektionen als potenzielle Ursache von Frühgeburten zu vermeiden [12]. Diese gelten als potenzielle Mitverursacher von Spätaborten und Frühgeburten. Bei pathologischem Befund sollte vor Durchführung einer Cerclage eine gezielte antibiotische bzw. antimykotische Therapie erfolgen. Ein von Lactobacillus-Spezies dominiertes vaginales Mikrobiom gilt als protektiv, während bakterielle Dysbiosen insbesondere im Rahmen einer bakteriellen Vaginose mit einem erhöhten Risiko für spontane Frühgeburten assoziiert sind [13].
Patientinnen und Methoden
Studiendesign und Kollektiv
Es wurde eine retrospektive Analyse der Patientinnendaten der Klinik für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg durchgeführt. Eingeschlossen wurden Frauen mit belasteter geburtshilflicher Anamnese, definiert als Spätabort oder Frühgeburt, bei denen im späten ersten oder frühen zweiten Trimenon eine prophylaktische Cerclage mit TMV vorgenommen wurde.
Diagnostik und präoperative Vorbereitung
Vor der Cerclage-Anlage wurde bei allen Patientinnen ein mikrobiologischer vaginaler Abstrich entnommen. Bei unauffälligem Befund erfolgte die operative Durchführung zeitnah. Im Fall eines pathologischen Keimnachweises wurde eine gezielte antibiotische Therapie gemäß Antibiogramm eingeleitet. Die Cerclage und TMV wurden nach Abschluss der antibiotischen Behandlung durchgeführt unabhängig vom Nachweis einer mikrobiologischen Eradikation.
Operative Technik
Die operative Cerclage wurde nach dem McDonald-Verfahren durchgeführt, das aufgrund der langjährigen operativen Expertise in der untersuchenden Klinik bevorzugt zum Einsatz kam. Dabei wurde ein nicht resorbierbares, polyfiles Nahtmaterial zur mechanischen Stabilisierung der Zervix verwendet. Der TMV erfolgte zusätzlich unter Verwendung von resorbierbarem Nahtmaterial.
Gruppeneinteilung nach Schwangerschaftsintervall
Die Patientinnen wurden nach dem Intervall zwischen der vorausgegangenen Schwangerschaft und der nachfolgenden Schwangerschaft in 3 Gruppen eingeteilt:
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Gruppe 1: Schwangerschaftsintervall von 0 bis 6 Monate
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Gruppe 2: Schwangerschaftsintervall von 6 bis 12 Monate
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Gruppe 3: Schwangerschaftsintervall von > 12 Monate
Primärer Endpunkt: Zeitpunkt der Entbindung
Der primäre Endpunkt war der Zeitpunkt der Entbindung, eingeteilt in:
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Termingeburt ab der 37+0 SSW
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Frühgeburt zwischen der 23+5 und 37+0 SSW, weiter unterteilt in:
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23+5 bis 28+0 SSW
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28+1 bis 32+0 SSW
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32+1 bis 37+0 SSW
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Spätabort vor der 23+5 SSW
Sekundäre Endpunkte: neonatales Outcome
Die sekundären Endpunkte bezüglich des fetalen Outcomes umfassten:
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Geburtsgewicht
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Apgar Score nach 1, 5 und 10 Minuten
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arterieller pH-Wert des Nabelschnurbluts
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Aufnahme auf der NICU
Bei der vorliegenden retrospektiven Datenanalyse handelte es sich um eine nicht-interventionelle Studie. Ein Ethikvotum der Ethikkommission der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg liegt vor (Votum Nr. 24-1552-S1-retro).
Statistische Analyse
Die statistische Analyse der Zusammenhänge zwischen Schwangerschaftsintervall und Schwangerschaftsausgang erfolgte mittels exaktem Fisher-Test für r×c-Kontingenztabellen, der auch bei kleinen Stichproben robuste Ergebnisse liefert [14].
Die Verteilung kindlicher Parameter (Geburtsgewicht, Apgar-Werte, arterieller pH-Wert) wurde mit dem Shapiro-Wilk-Test auf Normalverteilung geprüft [15]. Da Geburtsgewicht und Apgar-Werte keine Normalverteilung zeigten, wurden nicht parametrische Verfahren verwendet.
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Vergleich der Gruppen: Kruskal-Wallis-Test [16].
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Korrelationen: Spearman-Rangkorrelation
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Der pH-Wert des Nabelschnurbluts wurde mittels einfaktorieller Varianzanalyse (ANOVA) ausgewertet.
Für alle statistischen Tests wurde ein Signifikanzniveau von α = 0,05 festgelegt.
Ergebnisse
In die Analyse wurden zunächst 138 Patientinnen einbezogen. Aufgrund unzureichender Daten mussten 7 Patientinnen ausgeschlossen werden, sodass die finale Auswertung 131 Patientinnen umfasste.
Die Verteilung des Schwangerschaftsintervalls war wie folgt:
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10 Patientinnen hatten ein Intervall von 0–6 Monaten,
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25 Patientinnen ein Intervall von 6–12 Monaten,
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96 Patientinnen ein Intervall von > 12 Monaten.
Demografische Daten der Patientinnen
Die 3 Gruppen unterschieden sich in Alter und Anamnesedaten nur geringfügig. Patientinnen mit einem Intervall von über 12 Monaten wiesen tendenziell eine höhere Gravida-Anzahl auf (Median 3,5) sowie mehr vorangegangene Spätaborte und Frühgeburten. Das Durchschnittsalter lag in allen Gruppen bei etwa 32 Jahren ([Tab. 1]).
Primärer Endpunkt: Entbindungszeitpunkt in den 3 Gruppen
Frühgeburten in Abhängigkeit vom Schwangerschaftsintervall und Gestationsalter
Insgesamt wurden 131 Patientinnen mit prophylaktischer Cerclage und TMV nach vorausgegangenem Spätabort oder Frühgeburt in 3 Gruppen eingeteilt. Basierend auf dem Intervall zur vorherigen Schwangerschaft: Gruppe 1 (0–6 Monate, n = 10), Gruppe 2 (6–12 Monate, n = 25) und Gruppe 3 (> 12 Monate, n = 96) ([Abb. 1]).


Geburtszeitpunkt und Frühgeburtenverteilung
In Gruppe 1 wurde bei 10% (1/10) ein Spätabort dokumentiert, 60% (6/10) erlitten eine Frühgeburt, davon 4 als extreme Frühgeburt (< 28+0 SSW), eine als schwere (28+1–32+0 SSW) und eine als moderate/späte Frühgeburt (32+1–36+6 SSW). In 30% (3/10) der Fälle wurde eine Termingeburt ≥ 37+0 SSW erreicht.
In Gruppe 2 trat bei 4% (1/25) ein Spätabort auf, 32% (8/25) erlebten eine Frühgeburt (4 < 28+0 SSW, 2 zwischen 28+1–32+0 SSW, 2 zwischen 32+1–36+6 SSW). In 64% (16/25) wurde eine Termingeburt erreicht.
In Gruppe 3 lag die Spätabort-Rate bei 1% (1/96) und die Frühgeburtenrate bei 13,5% (13/96). Die Verteilung umfasste 5 < 28+0 SSW, 3 zwischen 28+1–32+0 SSW und 5 zwischen 32+1–36+6 SSW. Die Termingeburtenrate betrug 85,4% (82/96) ([Abb. 2]).


Korrelationen zwischen Schwangerschaftsintervall und Schwangerschaftsausgang
Die Häufigkeit von Spätaborten, Frühgeburten und Termingeburten variierte signifikant in Abhängigkeit vom Interkonzeptionsintervall (p < 0,001; Fisher-Test). Ein längeres Intervall war mit einer signifikant niedrigeren Frühgeburtenrate und einer höheren Rate an Termingeburten assoziiert.
Sekundäre Endpunkte: neonatale Parameter in Abhängigkeit vom Schwangerschaftsintervall
Die Analyse der neonatalen Parameter zeigte in mehreren Bereichen Unterschiede zwischen den Gruppen mit unterschiedlichem Schwangerschaftsintervall.
Die Apgar-Werte unterschieden sich signifikant zwischen den Schwangerschaftsintervallen. In der Gruppe mit einem Intervall von 0–6 Monaten zeigten die Neugeborenen die größte Streuung und die niedrigsten Apgar-Werte, insbesondere nach 1 Minute (p-Wert 0,02). In der Gruppe mit einem Intervall von 6–12 Monaten waren die Werte stabiler mit höheren Medianwerten nach 5 (p-Wert 0,03) und 10 Minuten (p-Wert 0,04). Die höchsten und stabilsten Apgar-Werte wurden in der Gruppe mit einem Schwangerschaftsintervall von mehr als 12 Monaten beobachtet, mit einer geringen Streuung und nahezu durchgehend hohen Werten zu allen Messzeitpunkten (p-Wert < 0,01).
Das Geburtsgewicht variierte signifikant zwischen den Schwangerschaftsintervallen. In der Gruppe mit einem Intervall von 0–6 Monaten wiesen die Neugeborenen die niedrigsten Geburtsgewichte auf, mit einer größeren Streuung und mehreren Werten unter 2500 g (p-Wert 0,01). In der Gruppe mit einem Intervall von 6–12 Monaten waren die Geburtsgewichte höher und zeigten eine geringere Variabilität (p-Wert 0,02). Die höchsten Geburtsgewichte wurden in der Gruppe mit einem Intervall von mehr als 12 Monaten beobachtet, mit einer engen Verteilung um den Median und wenigen Werten unterhalb der 2500-g-Grenze (p-Wert < 0,01).
Es gab keine signifikanten Unterschiede im arteriellen Nabelschnur-pH-Wert zwischen den Gruppen, was darauf hinweist, dass der arterielle pH-Wert des fetalen Blutes nicht vom Schwangerschaftsintervall beeinflusst wurde.
Mit zunehmendem Intervall zur Folgeschwangerschaft nahm der Bedarf an Verlegungen auf NICU ab. In der Gruppe mit 0–6 Monaten wurden 44,4% (4/9), in der Gruppe mit 6–12 Monaten 33,3% (8/24) und in der Gruppe mit über 12 Monaten 10,6% (10/94) der Neugeborenen auf die NICU verlegt. Berücksichtigt wurden ausschließlich Lebendgeburten, Spätaborte wurden nicht mit einbezogen. In Gruppe 3 (Intervall > 12 Monate) lag für eine Patientin keine Angabe zum Verlegungsstatus vor ([Abb. 3]).


Diskussion
Bei Patientinnen mit vorausgegangenem Spätabort oder Frühgeburt besteht das vorrangige Ziel der Folgeschwangerschaft in der Maximierung der Wahrscheinlichkeit einer Termingeburt. Eine frühzeitige und strukturierte interkonzeptionelle Beratung ist dabei essenziell.
Patientinnen sollten darüber informiert werden, dass kurze Intervalle bis zur nächsten Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für ungünstige Schwangerschaftsverläufe und neonatale Komplikationen assoziiert sind [17] [18].
Ein zentraler Bestandteil der präventiven Betreuung bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für Spätaborte oder Frühgeburten ist die Cerclage, die je nach individueller Risikokonstellation primär oder sekundär mit oder ohne zusätzlichen TMV durchgeführt werden kann. Die Cerclage dient der mechanischen Stabilisierung der Zervix und ist insbesondere bei Zervixinsuffizienz oder einer sonografisch verkürzten Zervix ein etabliertes Verfahren.
Der ergänzende Einsatz des TMV verfolgt das Ziel, aufsteigende Infektionen zu verhindern, ein relevanter Pathomechanismus in der Entstehung spontaner Spätaborte und Frühgeburten. Das Verfahren wurde ursprünglich in den 1960er-Jahren von Szendi erstmals beschrieben und später von Erich Saling weiterentwickelt. Es basiert auf der vollständigen Abdichtung des Zervikalkanals, um eine bakterielle Kolonisation intrauteriner Strukturen zu vermeiden [19] [20] [21]. Der potenzielle Nutzen des TMV wurde bisher vor allem in retrospektiven Fallserien beschrieben. So berichteten Zayyan et al. in einer prospektiven Untersuchung über eine Termingeburtsrate von 92% nach Kombination von McDonald-Cerclage und TMV bei Patientinnen mit rezidivierenden Schwangerschaftsverlusten im zweiten Trimenon [22]. Braun und Klockenbusch diskutieren den TMV im Rahmen eines mehrstufigen Präventionskonzepts, insbesondere in Kombination mit Cerclage und Pessar, wobei ihre Einschätzungen primär auf klinischer Erfahrung beruhen und bislang nicht durch prospektiv randomisierte Studien belegt sind [23].
In unserer Kohorte erhielten alle Patientinnen mit anamnestischem Spätabort oder Frühgeburt eine Cerclage in Kombination mit einem TMV. Die Entscheidung für diesen kombinierten Eingriff basierte auf dem individuellen Risikoprofil und der infektiologischen Hypothese, dass ein zusätzlicher mechanischer Verschluss aufsteigende Infektionen wirksam verhindern könnte. Da keine Vergleichsgruppe ohne TMV vorlag, lassen sich aus unseren Daten jedoch keine belastbaren Aussagen zur isolierten Wirksamkeit des TMV ableiten.
Internationale Empfehlungen, darunter auch jene der WHO, raten nach einer Fehlgeburt zu einem interkonzeptionellen Intervall von mindestens 6 Monaten. Für Schwangerschaften, die in einer Frühgeburt endeten, werden bislang jedoch keine spezifischen Empfehlungen ausgesprochen. Nach einer Lebendgeburt empfiehlt die WHO einen Abstand von mindestens 24 Monaten bis zur nächsten Konzeption. Die AWMF-S2k-Leitlinie zur Prävention der Frühgeburt (2022) spricht sich hingegen für ein idealerweise 18-monatiges Intervall zwischen 2 Schwangerschaften aus.
Unsere Daten zeigen, dass ein Intervall von mehr als 12 Monaten nach Spätabort oder Frühgeburt mit einer signifikant höheren Rate an Termingeburten sowie einem günstigeren neonatalen Outcome assoziiert war. In der Gruppe mit einem Intervall > 12 Monate wurde die höchste Rate an Geburten ≥ 37+0 SSW (85,4%) verzeichnet. Die Neugeborenen dieser Gruppe wiesen im Vergleich höhere Geburtsgewichte, bessere Apgar-Werte und die niedrigste Rate an Aufnahmen auf der NICU auf. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit bestehenden Empfehlungen, die ein längeres Interkonzeptionsintervall als protektiv einstufen. Das gute neonatale Outcome war dabei klar mit dem Erreichen der Termingeburt assoziiert.
Unsere Analyse verdeutlichte außerdem, dass die Dauer des Intervalls das Gestationsalter bei Frühgeburten beeinflusst. In der Gruppe mit dem kürzesten Abstand (0–6 Monate) ereigneten sich zwei Drittel der Frühgeburten im sehr frühen Gestationsalter (< 28+0 SSW). In den Gruppen mit längeren Intervallen verschob sich das Auftreten der Frühgeburten zunehmend in spätere Schwangerschaftswochen. Dieser Befund ist klinisch bedeutsam, da extreme Frühgeburten mit einer deutlich erhöhten neonatalen Morbidität und Mortalität assoziiert sind.
Die enge Korrelation zwischen Gestationsalter und neonatalem Outcome ist gut dokumentiert. Je früher die Geburt, desto höher das Risiko für niedriges Geburtsgewicht, schlechte Apgar-Werte und die Notwendigkeit intensivmedizinischer Betreuung. Das Interkonzeptionsintervall erscheint somit als bedeutender, modifizierbarer Risikofaktor. Besonders Frauen mit anamnestischer Zervixinsuffizienz oder vorausgegangener Frühgeburt könnten durch eine gezielte Aufklärung zur Intervallplanung von einem verbesserten Outcome profitieren.
Unsere Ergebnisse werden durch aktuelle Metaanalysen untermauert. Eine Netzwerk-Metaanalyse von Wen et al. (2025) identifizierte ein Intervall von 24 bis 29 Monaten als am stärksten protektiv gegenüber Frühgeburten [24]. Eine systematische Dosis-Wirkungs-Metaanalyse von Ni et al. (2023) zeigte, dass sowohl sehr kurze (< 6 Monate) als auch sehr lange Intervalle (≥ 60 Monate) mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburtlichkeit, niedrigem Geburtsgewicht und Totgeburt einhergehen [25].
Gemäß der aktuellen S2k-Leitlinie wurde bei allen Patientinnen vor der Cerclage-Anlage ein mikrobiologischer vaginaler Abstrich entnommen, um potenziell pathogene Keime frühzeitig zu identifizieren. Bei pathologischen Befunden erfolgte vor dem operativen Eingriff eine gezielte antibiotische Therapie entsprechend dem Antibiogramm. Ziel dieser präinterventionellen Diagnostik ist es, das Risiko aufsteigender Infektionen zu minimieren und damit Komplikationen wie Frühgeburt oder Spätabort vorzubeugen.
Eine wesentliche Limitation unserer Analyse besteht darin, dass die vorangegangenen Schwangerschaften (Spätabort oder Frühgeburt) bei einem Großteil der Patientinnen außerhalb unserer Einrichtung stattgefunden hatten. Die Frauen wurden überwiegend aus externen Kliniken zur Beratung und Cerclage-Anlage überwiesen. In vielen Fällen lagen uns daher keine verlässlichen Informationen zur genauen Ursache des vorausgegangenen Schwangerschaftsverlustes vor – etwa, ob dieser durch eine Infektion, einen vorzeitigen Blasensprung oder eine stille Zervixdilatation bedingt war. Diese Informationen wären jedoch entscheidend gewesen, um das individuelle Frühgeburtsrisiko besser einschätzen und die präventiven Maßnahmen gezielter anpassen zu können.
Zusätzlich ist bekannt, dass eine gestörte Zusammensetzung des vaginalen Mikrobioms mit verminderter Lactobacillus-Dominanz einen relevanten Risikofaktor für spontane Frühgeburten darstellt. Lactobacillus crispatus wurde in einer Netzwerk-Metaanalyse als protektiver Marker identifiziert, während dysbiotische Mikrobiomprofile das Risiko signifikant erhöhen [26]. Ob ein kurzes Interkonzeptionsintervall direkt zur Entwicklung mikrobieller Dysbiosen führt oder ob eine unvollständige postpartale Regeneration des vaginalen Mikrobioms zugrunde liegt, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Neuere Studien zeigen jedoch, dass mikrobielle Veränderungen im Sinne einer bakteriellen Vaginose über Wochen bis Monate postpartal persistieren können, ein Aspekt, der insbesondere bei kurzen interkonzeptionellen Intervallen klinisch relevant erscheint [27] [28]. Ein längeres Intervall zwischen 2 Schwangerschaften könnte somit nicht nur die uterine Erholung fördern, sondern auch zur Re-Stabilisierung des vaginalen Mikrobioms beitragen. Dies könnte das Risiko für aufsteigende Infektionen, Spätaborte und Frühgeburtlichkeit verringern. Diese Zusammenhänge unterstreichen die Bedeutung mikrobiologischer Diagnostik sowie einer individuellen Beratung zum optimalen Interkonzeptionsintervall bei Risikopatientinnen.
Schlussfolgerung
Die Analyse zeigt, dass ein Schwangerschaftsintervall von > 12 Monaten nach einem Spätabort oder einer Frühgeburt bei Patientinnen mit einliegender Cerclage und TMV die Wahrscheinlichkeit einer Termingeburt erhöht. Da das neonatale Outcome maßgeblich vom Schwangerschaftsalter bei Geburt abhängt, war ein Intervall von > 12 Monaten mit einem höheren Geburtsgewicht, besseren Apgar-Werten und einer geringeren Verlegungsrate in die Kinderklinik assoziiert.
Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung eines längeren Intervalls zwischen den Schwangerschaften. Die Empfehlung eines Schwangerschaftsintervalls von > 12 Monaten sollte daher ein wichtiger Bestandteil einer individualisierten Beratung für Patientinnen mit belasteter geburtshilflicher Anamnese sein.
Interessenkonflikt
Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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Correspondence
Publication History
Received: 02 May 2025
Accepted after revision: 07 July 2025
Article published online:
29 August 2025
© 2025. The Author(s). This is an open access article published by Thieme under the terms of the Creative Commons Attribution-NonDerivative-NonCommercial-License, permitting copying and reproduction so long as the original work is given appropriate credit. Contents may not be used for commercial purposes, or adapted, remixed, transformed or built upon. (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/).
Georg Thieme Verlag KG
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