Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2009; 44(9): 592-598
DOI: 10.1055/s-0029-1241163
Fachwissen
Topthema: Anästhesie bei Adipositas
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Adipositas in der Kinderanästhesie

Obesity in pediatric anesthesiaClaudia Höhne, Johanna Ulrici, Jochen M. Strauß, Udo X. Kaisers
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Publication Date:
11 September 2009 (online)

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Zusammenfassung

Aufgrund der zunehmenden Inzidenz von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter werden adipöse Kinder in der Anästhesie häufiger betreut. Es ist bekannt, dass diese Kinder ein erhöhtes Risiko haben, perioperative Komplikationen zu erleiden. Der folgende Beitrag gibt Auskunft über Definition und Ursachen von Adipositas im Kindesalter, liefert Informationen zu anästhesie–relevanten pathophysiologischen Veränderungen, Hinweise zur perioperativen anästhesiologischen Versorgung und Art der Komplikationen.

Abstract

The incidence of overweight and obesity in children and adolescents who need an anesthesia is increasing. These children have a higher risk for perioperative complications. The review discusses definition and causes of obesity in children, gives information about relevant pathophysiological changes, and focuses anesthesiological management and complications.

Kernaussagen

  • Ca. 15  % aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig; 6,3  % sind adipös. Besonders Jugendliche im Alter von 14–17 Jahren sind betroffen.

  • Hauptursache für Übergewicht und Adipositas im Kindes– und Jugendalter ist eine falsche Ernährung bei gleichzeitig zu geringer körperlicher Aktivität. Medizinische Grundleiden als Ursache sind nur in 5  % aller Fälle der Grund für Übergewicht.

  • Pathophysiologische Veränderungen machen sich zuerst auf pulmonaler Ebene bemerkbar. 30  % der adipösen Kinder haben ein anstrengungsassoziiertes Asthma bronchiale.

  • Eine erhöhte kardiovaskuläre Komorbidität durch frühzeitige arteriosklerotische Veränderungen ist bereits im Schulkindalter zu finden. Dies zieht u. a. die erhöhte Inzidenz eines arteriellen Hypertonus nach sich.

  • Bei einem übergewichtigen oder adipösen Kind richtet sich die präoperative Diagnostik – wie bei normalgewichtigen Kindern – nach Anamnese, körperlicher Belastbarkeit und dem operativen Eingriff.

  • Zur Hypnose und Analgesie haben sich gut steuerbare Medikamente bewährt.

  • Vorteilhaft scheint ein zusätzliches Neuromonitoring zur Steuerung der Narkosetiefe.

  • Übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche sind intraoperativ für verschiedene Zwischenfälle prädisponiert. An erster Stelle stehen Atemwegskomplikationen wie: Atemwegsverlegung, schwierige Maskenventilation, schwierige Intubation und Sättigungsabfälle.

Literaturverzeichnis

PD Dr. med. Claudia Höhne
Johanna Ulrici
Prof. Dr. med. Jochen M. Strauß
Prof. Dr. med. Udo X. Kaisers

Email: claudia.hoehne@medizin.uni-leipzig.de

Email: johanna.ulrici@medizin.uni-leipzig.de

Email: jochen.strauss@helios-kliniken.de

Email: Udo.Kaisers@medizin.uni-leipzig.de