Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2010; 45(6): 384-385
DOI: 10.1055/s-0030-1255344
Fachwissen
Schmerztherapie Blickpunkt Schmerz
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Chronische Schmerzen: Fahrsicherheitsrelevante Aspekte beim Einsatz von Opioiden

Opioids in the management of chronic pain and driving abilityRainer Sabatowski1,2 , Ulrike Kaiser1 , Gudrun Goßrau1
  • 1UniversitätsSchmerzCentrum, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden
  • 2Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden
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Publication Date:
10 June 2010 (online)

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Zusammenfassung

Opioide haben einen festen Stellenwert in der Behandlung chronischer Schmerzen. Jedoch bestehen im Kontext einer Opioidbehandlung auch Bedenken hinsichtlich potenzieller Nebenwirkungen, wie z.B. einer Einschränkung kognitiver und psychomotorischer Leistungen. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass bei stabil mit Opioiden eingestellten Patienten keine klinisch relevanten Einschränkungen komplexer Leistungen zu erwarten sind. Jedoch lässt die hohe Variabilität der Opioideffekte sowie weitere individuell unterschiedliche Faktoren (z.B. Schmerzintensität, Komorbidität) eine Aussage immer nur auf individueller Basis zu.

Abstract

Opioids are important in pain management of patients suffering from chronic pain. However, opioid use is associated with several concerns, such as opioid induced impairment of cognitive and psychomotor performance. Several studies could demonstrate that opioid treatment in stable doses does not necessarily impair complex activities such as driving ability. But due to intraindividual variability to opioid response and other confounding factors (e.g. pain intensity, co-morbidity) judgements have to be made on an individual basis only.

Kernaussagen

  • Es scheint nicht zwangsläufig zu einer Einschränkung der Fahrsicherheit unter stabiler Opioidtherapie zu kommen. Die Fahrsicherheit von Patienten muss im Einzelfall geprüft werden.

  • Vor Beginn einer Opioidtherapie muss der Arzt seinen Patienten über die potenziellen Einflüsse der Opioide auf die alltags- und verkehrsrelevanten Leistungen aufklären und dies dokumentieren.

  • Die Fahrzeugführung sollte unterlassen werden

    • in der Einstellungsphase auf Opioide,

    • bei Dosisanpassung,

    • bei Opioidwechsel und

    • bei schlechtem Allgemeinzustand.

    Es sollte darauf hingewiesen werden, dass bei zusätzlichem Alkoholgenuss bzw. der Einnahme anderer psychotroper Substanzen die Fahrsicherheit deutlich verschlechtert sein kann.

  • Sollte der Arzt den Eindruck haben, dass der Patient trotz eingeschränkter Fahrsicherheit fährt, so sollte er ihn nochmals eingehend auf die Gefahren hinweisen und ihm von der weiteren aktiven Teilnahme am Straßenverkehr abraten. In begründeten Ausnahmefällen ist es dem Arzt erlaubt, einen uneinsichtigen Patienten bei der Verkehrsbehörde zu melden.

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Literatur

Rainer Sabatowski
Ulrike Kaiser
Gudrun Goßrau