Dtsch Med Wochenschr 2012; 137(01/02): 46
DOI: 10.1055/s-0031-1298811
Korrespondenz | Correspondence
Frage aus der Praxis
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Verdachtsfall einer Borreliose

A case of suspected borreliosis
D. Hassler
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Publikationsdatum:
16. Dezember 2011 (online)

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Frage: Die 29-jährige, in der 21. Woche schwangere Patientin berichtet von einem Zeckenstich vor zwei Wochen am Bauch, am Vortag sei nun ein 1-Euro-Stück großer roter Hof erkennbar gewesen. Die Effloreszenz erscheint uncharakteristisch, ein Erythema migrans jedoch möglich. In Anbetracht der Schwangerschaft in der 21. Woche wird ihr zunächst geraten, den Fleck über das Wochenende zu beobachten und sich ggf. wieder zu melden. Bei der Wiedervorstellung nach 5 Tagen erscheint das Erythem blasser, etwas schuppend; die Patientin gibt Juckreiz an. Es wird nun eine Borrelienserologie veranlasst: Der Lyme-IgG-ELISA ist mit 10 „grenzwertig“, der Lyme-IgM-ELISA mit 6 „negativ“, der Lyme-IgG-Blot „auffällig“ (Bandenmuster: VlsE), so dass vom Laborarzt eine „beginnende Antikörperbildung oder Residualbefund“ als möglich bezeichnet und „bei Verdacht auf eine Infektion Stadium 1 oder 2 nach kürzlichem Zeckenstich eine Kontrolle empfohlen“ wird. Aufgrund dieses Befundes wird nun, 10 Tage nach dem Erstkontakt, Amoxicillin (2 × tgl 1000  mg) verordnet.

  1. War der Behandlungsablauf lege artis?

  2. Ist angesichts der Schwangerschaft Amoxicillin das Mittel der Wahl?

  3. Hätte schon aufgrund des „leisen“ Verdachts beim Erstkontakt mit der Antibiose begonnen werden sollen?

  4. Wäre es gerechtfertigt gewesen, mit der Antibiose bis zur anempfohlenen serologischen Kontrolle zu warten?

  5. Soll nach Abschluss der Antibiose (20 Tage) noch eine serologische Kontrolle erfolgen? Interferiert die Antibiose mit dem natürlichen serologischen Verlauf bei angenommener Infektion?

  6. Bedeutet die in der Bevölkerung feststellbare altersabhängige positive Borrelienserologie ohne eruierbare Erkrankung („Durchseuchung“), dass der Organismus nach einer wahrscheinlichen Infektion zu einem Teil oder gar Großteil mit ihr „auch ohne Antibiose fertig wird“? Und/oder beruht eine positive Borrelienserologie ohne eruierbare Erkrankung auf immunologischen Störeffekte?