Wo?
Beim Kaninchen gibt es verschiedene, unterschiedlich geeignete Punktionsstellen. Für
die Entnahme größerer
Blutvolumina ist die große, gut zugängliche V. saphena lateralis die Punktionsstelle der Wahl. Für
das Legen von Venenverweilkathetern nutzt man die V. auricularis oder ggf. auch die V. cephalica
antebrachii (▶
Tab.
[
1
]).
Tab. 1
Wichtige Blutentnahmestellen beim Kaninchen (in Reihenfolge ihrer Eignung) [[4], [5]].
Punktionsstelle
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Anmerkung
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V. saphena lateralis
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-
Methode der Wahl zur Entnahme größerer Blutvolumina
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Vene ausreichend groß und ohne Rasur gut tast- und sichtbar
-
wiederholte Entnahme möglich
-
Sedation nicht erforderlich
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V. cephalica antebrachii
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A. auricularis
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geeignet für die Entnahme kleiner Blutvolumina
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nicht geeignet für Venenverweilkatheter
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kollabiert schnell
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Othämatome, Thrombosen und Hautnekrosen möglich
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V. auricularis
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Was?
Welche Gefäße für die Blutgewinnung verwendet werden, ist vom Analysegerät abhängig.
Erfolgt die Analyse in
einem Labor, werden idealerweise:
eingeschickt.
Wird nur wenig Blut gewonnen, können ggf. auch Lithium-Heparin-Röhrchen verwendet
werden. Aus dem Vollblut
(Hinweis: Heparin-Blut gerinnt eher als EDTA-Blut!) kann dann zunächst ein Blutausstrich
angefertigt und ein
Teil für die Blutbildmessung zurückbehalten werden. Der Rest des Vollblutes sollte
abzentrifugiert und das
Plasma für den Versand abpippetiert werden, um Wertveränderungen durch Hämolyse zu
vermeiden.
Wie viel?
Für eine Blutuntersuchung werden mindestens:
benötigt (bei zusätzlichen Antikörperbestimmungen ist eine größere Menge Serum/Plasma
notwendig).
Das Gesamtblutvolumen wird bei Kaninchen mit 4,5–8,1 % der Körpermasse (KM) oder 55–67 ml/kg
KM [[1]] angegeben. Theoretisch kann einmalig bis zu 10 % des Blutvolumens (entspricht
ca. 1 % des Körpergewichts [KGW]) entnommen werden, bei häufigerer Blutentnahme (öfter
als 14-tägig) max.
0,5 % des KGW [[2], [7]]. Bei einem Kaninchen
können entsprechend bis zu 7 ml/kg KGW Vollblut entnommen werden, also weit mehr als
man braucht.
Wie?
Vorbereitung
Bevor ein Tier aus der Box geholt wird, sollten alle zur Blutentnahme benötigten Materialien,
wie z.
B.:
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Unterlage
-
Scherapparat
-
Schere
-
Desinfektionsmittel
-
Kanülen
-
Gefäße
-
Verbandmaterial
-
Untersuchungsantrag
in ausreichender Menge griffbereit sein. Zudem sollte die Hilfsperson instruiert werden,
an welcher
Stelle wie viel Blut entnommen und wie das Tier dafür optimal fixiert werden soll.
Wird Blut freitropfend aufgefangen, werden großlumige Kanülen (20 G, Kennfarbe Gelb) mit oder ohne
Konus verwendet [[5]]. Je größer der Innendurchmesser, umso größer die
Fließgeschwindigkeit und umso geringer die Gefahr der frühzeitigen Gerinnung im Konus.
Bei einmaliger
Punktion ist die Gefahr der Gefäßschädigung [[3]] gering. Die Blutentnahme
mit kleiner Kanüle und aufgesetzter Spritze, wie bei Vogeln oder Reptilien, funktioniert
bei Kleinsäugern
nur selten, da ihre Venen Klappen besitzen und schnell kollabieren.
Punktion der V. saphena lateralis
Abb. 1a Das Tier wird in Brust- oder Seitenlage gelagert. Während eine Hand das Kaninchen
im
Schulterbereich fixiert, streckt die andere Hand das Hinterbein mit leichtem Druck
im
Kniescheibenbereich und staut gleichzeitig mit dem Zeigefinder die nach kaudal ziehende
Vene. Die
Lagerung kann auf dem Schoß oder Arm der Hilfsperson oder auf dem Tisch erfolgen.
Bei der Lagerung mit
abgedecktem Kopf auf dem Schoß scheint der Körperkontakt, die Tiere zu beruhigen und
ermöglicht es dem
Helfer, bereits kleine Bewegungen früher abzufangen [[5]].(© J. Hein)
Abb. 1b Der Probennehmer nimmt gegenüber Platz und fühlt zunächst, ob sich die Vene anstaut
(manchmal muss der Helfer die Stauposition noch leicht ändern). Im Gegensatz zur Entnahme
bei Hund und
Frettchen wird die V. saphena nicht direkt laterodorsal des Tarsalgelenks punktiert,
sondern je nach
Größe des Tieres ca. 3–5 cm weiter oberhalb, wo sie unter den Sehnen hervortritt und
nach kaudodorsal
abbiegt.(© J. Hein)
Abb. 1c Das Fell an der Punktionsstelle wird mit Alkohol befeuchtet und über der Vene in
einem
Verlauf von 2–3 cm gescheitelt. Ein Scheren ist nicht erforderlich. Die Vene ist dann
gut in ihrem
Verlauf von kranioventral nach kaudodorsal zu sehen. (© J. Hein)
Abb. 1d Punktiert wird im flachen Winkel in kaudodorsale Richtung. Die Haut über der
Punktionsstelle wird beim Einstich leicht über der Vene gespannt, um ein Wegrollen
der Venen zu
verhindern, danach aber wieder losgelassen.(© J. Hein)
Abb. 1e Die Lage der Kanüle ist richtig, wenn diese einige Millimeter weit unter der Haut
liegt
und eine direkte, gerade Verlängerung der Vene darstellt, und wenn das Blut gleichmäßig
abtropft. Ist
die Kanüle gut plaziert, muss sie nicht festgehalten werden. Auch das Bein wird nicht
vom Entnehmer
gehalten, sondern bleibt durch das Strecken des Helfers in Position, sodass der Entnehmer
beide Hände
frei hat. Da die meisten Gerinnungsfaktoren in den ersten Tropfen sind, sollte immer
mit einem Serum-
oder Lithium-Heparin-Röhrchen begonnen und ein EDTA-Röhrchen zwischendurch befüllt
werden [[6]]. (© J. Hein)
Abb. 1f Wurde ausreichend Blut gewonnen, vermindert der Helfer auf Ansage die Stauung (lässt
das Bein aber in keinem Fall los!), damit die Kanüle gezogen und kurzzeitig (einige
Minuten) ein
Verband angelegt werden kann. (© J. Hein)
Legen eines Venenverweilkatheters an der V. auricularis lateralis
Die Venae auriculares des Kaninchens eignen sich gut für das Legen von Venenverweilkathetern
und für die
Entnahme kleinerer Blutmengen. Größere Blutmengen sind wegen der vorhandenen Venenklappen
und des
schnellen Kollabierens eher selten zu gewinnen [[7]]. Zum Legen eines
Venenverweilkatheters (22–24 G, Kennfarbe Gelb oder Blau) an der V. auricularis wird
das Kaninchen in
sitzender Position auf dem Tisch fixiert.
Abb. 2a Die Kaudalkante des Ohres wird an der Basis gestaut. Die Verwendung von
lokalanästhethischen Cremes oder eine leichte Hyperämisierung können die Darstellung
zusätzlich
erleichtern. Falls erforderlich, werden Haare über der Vene entfernt und die Punktionsstelle
desinfiziert. Punktiert wird so weit unten wie möglich, damit der Venenkatheter gerade
liegt und gut
fixiert werden kann. Die zentral verlaufende A. auricularis darf nicht für Katheter
genutzt werden, da
es zur Nekrose in der Peripherie des Ohres kommen kann. (© J. Hein)
Abb. 2b Die Haut wird zunächst mit vorgeschobenem Mandrin punktiert. Sobald Blut in den
Katheter gelangt, wird der Mandrin leicht zurückgezogen, um ein erneutes Durchstechen
zu vermeiden.
Der Katheter wird erst dann komplett in die Vene vorgeschoben. Erschweren Venenklappen
das
Vorschieben, wird der Mandrin vorsichtig entfernt und Spüllösung (0,9 % NaCl) durch
den Katheter
gespült, um die Klappen zu öffnen und somit das Vorschieben zu ermöglichen. (© J.
Hein)
Abb. 2c Wenn der Katheter sitzt, wird er mittels Klebestreifen fixiert und durch ein
untergelegtes Stück Pappe oder eine Verbandsrolle stabilisiert. (© J. Hein)
Abb. 2d Will man vermeiden, dass der Venenkatheter beim An- und Abschrauben der Infusion
in
seiner Position verschoben wird, bietet es sich an, einen vorgefluteten Verlängerungsschlauch
am
Katheter zu befestigen, der dann in den Verband integriert und im Nackenbereich fixiert
wird. Der
Verband sollte zum Schluss die gesamte Schlauchschlinge umfassen, um ein Hineintreten
zu verhindern. (© J. Hein)