Radiopraxis 2014; 7(04): 211-222
DOI: 10.1055/s-0034-1390810
CRTE – Continuing Radiological Technologist Education
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Radiologie – Das Drehkreuz in der Medizin: Hygiene in der Radiologie

Radiology – A Major Hub in Medicine
A. Saur
Weitere Informationen

Korrespondenzadresse

Annette Saur, Ltd. MTRA
Institut für Diagnostische und Interventionelle
Radiologie und Neuroradiologie
Universitätsklinikum Essen (AöR)
Hufelandstraße 55
45147 Essen
Deutschland   
Telefon: +49(0)201/723-8450   
Fax: +49(0)201/723-1850   

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
05. Dezember 2014 (online)

 

Kaum ein Patient hat heutzutage keinen Berührungspunkt mit einem der vielen bildgebenden Verfahren der Radiologie. Denn fast alle klinischen Entscheidungen, wie z. B. Klärung der stationären Aufnahme bzw. Entlassung, Indikation für eine Operation, Therapieeinleitung oder Therapieverlauf, werden mittels einer oder mehrerer der vielseitigen radiologischen Verfahren getroffen. Die Radiologie hat sich als Drehkreuz in der Medizin etabliert.


#

Abstract

Radiology plays an important part in the hospital hygiene due to the huge number of examinations and daily patient contact through the staff. Therefore the hygiene education of the staff is mandatory. Additionally, it is very important to optimize the workflow and to name hygiene responsibilities such as radiographers and physicians.


#

Durch diese Tatsache und aufgrund kürzerer Untersuchungszeiten – bedingt durch die rasante technische Weiterentwicklung der Geräte – haben sich im Laufe der Zeit das Patientenaufkommen bzw. der Patientendurchlauf in einer radiologischen Abteilung stark erhöht. Dies hat zur Folge, dass Mitarbeiter der Radiologie, insbesondere MTRA, viel häufiger den direkten Kontakt zu sowohl ambulanten als auch stationären Patienten haben. Daher gewinnt auch im Rahmen der (Krankenhaus-)Hygiene die Radiologie immer mehr an Bedeutung. Das Risiko einer Verschleppung von Infektionen mit multiresistenten Erregern muss minimiert werden, um – neben dem Risiko der Mortalität und Morbidität für Patienten ebenso wie für das Personal – das Kostenrisiko durch notwendige Ausweitung der Therapiemaßnahmen und Verlängerung von Liegezeiten so gering wie möglich zu halten. Hierzu können an den Workflow einer radiologischen Abteilung angepasste Hygienemaßnahmen einen wichtigen Beitrag leisten, wenn diese durch das Personal konsequent umgesetzt werden. Die Radiologie als ein Drehkreuz in der Medizin und der Hygiene!

Das Risiko einer Verschleppung von Infektionen mit multiresistenten Erregern muss minimiert werden, um das Kostenrisiko durch notwendige Ausweitung der Therapiemaßnahmen und Verlängerung von Liegezeiten so gering wie möglich zu halten.

Einleitung

Nosokomiale Infektionen durch multiresistente Erreger (MRSA, MRGN, ESBL) stellen aufgrund eingeschränkter Therapiemöglichkeiten ein besonderes Risiko für infizierte Patienten dar. Derzeit geht man schätzungsweise – allein durch MRSA verursacht – europaweit von jährlich ca. 170 000 Infektionen und über 5000 Todesfällen aus [8]. Infolgedessen belastet dies die europäischen Gesundheitssysteme bzw. Kostenträger aufgrund der notwendigen Therapieausweitung mit mehr als 1 Mio. zusätzlichen Krankenhausaufenthaltstagen und damit verbundenen Kosten von ca. 380 Mio. € pro Jahr [8].

Dies führte im August 2011 zu Änderungen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) und hat maßgeblich die fachübergreifende Umsetzung vorbeugender hygienischer Maßnahmen für den Krankenhausbetrieb beeinflusst [6]. In der aktuellen Version des IfSG werden insbesondere notwendige infrastrukturelle Anforderungen konkretisiert, wobei die genauen Anforderungen durch die jeweilige Länderverordnungen in der sog. Verordnung über die Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen (HygMedVO) geregelt werden [7]. Hier werden u. a. neben den hygienebeauftragten Ärzten (§ 1 Abs. 1) auch weitere nicht näher definierte Hygienebeauftragte (§ 1 Abs. 2) genannt. Diese sollen „mindestens sicherstellen, dass innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festgelegt sind“. Folglich ist es sinnvoll, neben dem Hygienebeauftragten (Radiologen) auch MTRA zu Hygienebeauftragten zu benennen, damit sie im Team in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaushygieniker an eine radiologische Abteilung angepasste fachgerechte Hygienemaßnahmen erstellen, die den Workflow möglichst wenig unterbrechen oder verlangsamen.

Hygienebeauftragte sind verpflichtet, sich fortzubilden und bedürfen dementsprechend der regelmäßigen Fortbildung in längstens 2-jährigem Abstand [7]. Dieser Artikel soll einen Überblick zu allgemeinen Infektionspräventionsmaßnahmen sowie Empfehlungen zu ihrer praktischen Durchführung geben. Dabei werden erregerspezifische Hygienemaßnahmen vorgestellt, um die z. T. kosten- und/oder zeitintensiven Verfahrensweisen gezielt und damit im notwendigen Umfang einsetzen zu können.

Für Hygienebeauftragte ist die Fortbildung in längstens 2-jährigem Abstand Pflicht.

Aufgaben hygienebeauftragte Person [5]
  • Mitwirkung bei der Erstellung von Hygieneplänen gem. § 36 IfSG

  • regelmäßiges Überwachen der Einhaltung von Regeln bezüglich der Hygiene- und Infektionsprävention

  • Verbesserung der Hygienepläne und deren Funktionsabläufe

  • Mitwirkung bei der Verhütung und Bekämpfung von nosokomialen Infektionen durch allgemeine und bereichsspezifische Beratung bei regelmäßiger Begehung aller Bereiche einer Abteilung

  • regelmäßige Überwachung von Arbeitsabläufen, wie z. B.:

    • Desinfektionsmaßnahmen

    • Reinigung

    • Entsorgung

  • Schulung der Mitarbeiter in Bezug auf Krankenhaushygiene einschließlich:

    • Hinweise auf Gesetze

    • Verordnungen

    • Richtlinien

    • anerkannte Regeln der Technik

  • Mitwirkung bei der Auswahl von Produkten, z. B.:

    • Desinfektionsmittel

    • Medizinprodukte

  • ggf. Mitwirkung bei der Planung funktioneller und baulicher Maßnahmen

Hintergrundwissen: Nosokomiale Infektion [10]

Nosokomiale Infektion oder auch Krankenhausinfektion bedeutet, dass die Infektion während eines stationären oder ambulanten Krankenhausaufenthalts erworben wurde. Gleiches gilt auch für den Aufenthalt in Pflegeeinrichtungen. Dabei dürfen keine Hinweise einer bereits vorhandenen oder aber bereits in der Inkubationsphase befindlichen Infektion existieren.

Die häufigsten Krankenhausinfektionen sind:

  • Harnwegsinfekt

  • Sepsis

  • Pneumonie (Beatmungspneumonie)

  • Wundinfektion

Die Rate von nosokomialen Infektionen steht im Zusammenhang folgender Faktoren:

  • Alter der Patienten

  • Häufigkeit und Schwere von Begleiterkrankungen

  • Einsatz operativer Techniken

  • Therapien, die die Immunabwehr herabsetzen

  • Wissensstand des Personals zum Thema Hygiene


#

Grundlagen der Hygiene in der Radiologie – Allgemeine hygienische Maßnahmen

Händedesinfektion

Hierbei unterscheidet man 2 Arten zur Händedesinfektion. Zum einen gibt es eine chirurgische, zum anderen eine hygienische Händedesinfektion. Letztere dient in erster Linie der Beseitigung der transienten Hautflora und beinhaltet in der Regel das einmalige Verreiben dementsprechend geeigneter Präparate (z. B. Desderman pure, Skinsept F, Spitacid, Sterillium) in den trockenen Händen über einen Zeitraum von mindestens ca. 30 s (Einwirkzeit). Dabei sollte man darauf achten, die Hautoberfläche vollständig zu benetzen ([Abb. 1]). Da die menschliche Haut sehr empfindlich ist, sollten alkoholische Präparate verwendet werden. Es gilt zu beachten, dass diese nach Anbruch max. 6 Monate haltbar sind.

Zoom Image
Abb. 1 Durchführung der Händedesinfektion. Prinzipiell immer zu den Fingerspitzen ausstreichen. a Einen Hub Desinfektionsmittel in die Hand. b Desinfektion der Fingerkuppen. Schritt a und b wiederholen. c Desinfektion der Handinnenflächen einschließlich Fingerzwischenräume. d Desinfektion des Handrückens einschließlich Fingerzwischenräume. e Desinfektion beider Daumen. f Zeitaufwand ca. 60 Sekunden.
Beispielhafter Ablauf einer Händedesinfektion in radiologischen Instituten

Händedesinfektion ([Abb. 1]) beim Anlegen von:

  • Handschuhen

  • Schutzkittel

  • Mundschutz

  • Haarschutz

  • ggf. Spritzschutzbrille

Händedesinfektion nach dem Ablegen von:

  • Handschuhen

  • Schutzkittel

  • Spritzschutzbrille, falls in Gebrauch

  • Mund-Nasen-Schutz

  • Haarschutz

Um Eigenübertragung durch kontaminierte Schutzkleidung zu vermeiden, ist diese bereits im Untersuchungsraum in entsprechender Reihenfolge abzulegen und als Kontaminationsmüll, d. h. separat von normalem Krankenhausmüll in entsprechenden Behältnissen, zu entsorgen.

Für die hygienische Händedesinfektion darf die Länge der Fingernägel die Fingerkuppen nicht überschreiten. Nagellack, künstliche Fingernägel, Ringe und Armbanduhr sind nicht erlaubt.

Zeitpunkt der Händedesinfektion
  • vor und nach jedem Patientenkontakt, auch wenn Schutzhandschuhe getragen wurden

  • vor und nach invasiven Untersuchungen, auch wenn Handschuhe getragen wurden, z. B.:

    • Angiografie

    • Injektionen (Kontrastmittel)

    • Punktionen

    • Legen bzw. Entfernen von Venenverweilkanülen

  • vor Tätigkeiten mit Kontaminationsgefahr für den Patienten, z. B.:

    • Aufziehen von Medikamenten

    • Bereitstellen von Infusionen

    • Herstellen von Mischinfusionen

  • nach Kontakt mit potenziell kontaminierten Gegenständen, Flüssigkeiten oder Flächen, z. B.:

    • Schmutzwäsche

    • Abfälle

  • vor Anlegen von Schutzkleidung sowie nach deren Ablegen:

    • Handschuhe

    • Schutzkittel

    • Mundschutz

    • Haarschutz

  • nach Husten, Niesen und Naseputzen

  • vor Essenszubereitung bzw. Nahrungsaufnahme

  • bei Bedarf


#

Flächendesinfektion

Neben der Händedesinfektion bildet die Flächendesinfektion mit dementsprechend zugelassenen Flächendesinfektionsmitteln nach VHAl-Liste [9] die 2. wichtige Säule in der Hygieneprävention nosokomialer Infektionen. Oberflächen und Gerätschaften sollten in festgelegten Zeitabständen sowie nach jedem Patientenkontakt desinfiziert werden ([Tab. 1]). Somit kann die Bildung von Erregerreservoiren ([Abb. 2 – 5]) über einen längeren Zeitraum verhindert werden. Daneben sollte täglich durch geschultes Reinigungspersonal unabhängig von o. g. Oberflächendesinfektion eine Raumreinigung und -desinfektion, ggf. mehrmals täglich, durchgeführt werden.

Tab. 1

Desinfektion von Geräteoberflächen.

Röntgen

CT

MRT

Angiografie/Durchleuchtung

Ultraschall

  • Griffe der Röntgenröhre

  • Kassettenschublade

  • Rasterwandstativ

  • Tiefenblende

  • Kassetten/Detektoren

  • Gantry

  • Kopfhörer

  • Notfallklingel

  • Bildverstärker

  • Instrumententisch

  • Schallköpfe

  • Kontrastmittelinjektionsautomaten

  • Untersuchungstisch/-liege

  • Bedienknöpfe der Geräte

  • Patientenlagerungshilfen, wischfest (z. B. Kopfkissen, Nackenrolle, diverse Keile)

  • Patientenumlagerungshilfen (z. B. Rollboard)

  • Bleischürzen

  • Gonadenschutz

  • PC-Tastatur/-Maus

  • Telefonhörer/-tastatur

  • Türklinken

  • Schrank-/Schubladengriffe

  • Lichtschalter

  • Klemmbrett für Aufklärungsbogen

Zoom Image
Abb. 2 Abklatschprobe Tastatur.
Zoom Image
Abb. 3 Abklatschprobe MRT-Kopfhörer.
Zoom Image
Abb. 4 Abklatschprobe Patientenkabine Türgriff.
Zoom Image
Abb. 5 Abklatschprobe Handflasche.

Um den Zeitaufwand der Wischdesinfektion nach jedem Patienten – insbesondere nach infektiösen – zu reduzieren, ist es sinnvoll, Oberflächen, mit denen der Patient in Kontakt kommt, mit diversen Einmalartikeln als Hilfsmittel abzudecken ([Tab. 2]), die relativ schnell und einfach nach jedem Patienten gewechselt werden können. Ebenso sollten Materialien, die im Untersuchungsraum gelagert sind, in geschlossenen Schränken bzw. Behältnissen verwahrt werden. Prinzipiell sollten sich so wenig Materialien und bewegliche Gegenstände wie möglich im Untersuchungsraum befinden.

Tab. 2

Abdeckungsmöglichkeiten von Geräteoberflächen.

Röntgen

CT

MRT

Angiografie/Durchleuchtung

Ultraschall

  • Tiefenblende: Bildverstärkerhaube

  • Kassetten/Detektoren: Einmaltüten

  • Rasterwandstativ: Krepp oder Folie

  • Kopfhörer: Überzieher

  • Notfallklingel: Einmaltüten

  • Bildverstärker: Bildverstärkerhaube

  • Instrumententisch: sterile Operationsabdecktücher mit gummierter Unterseite

  • Bedienknöpfe: Bildverstärkerhaube

  • Bedienknöpfe: Bildverstärkerhaube

  • Untersuchungstisch/-liege: Stecklaken, Krepppapier; bei Verdacht auf bzw. bekannter Infektion: Bettfolien

  • Patientenlagerungshilfen (z. B. Kopfkissen, Nackenrolle, diverse Keile): Tüten

  • Gonadenschutz: Tüten

Die Aufbereitung eines Arbeitsplatzes vor Arbeitsbeginn und am Ende eines Arbeitstags sollte zu den ersten grundlegenden Hygienemaßnahmen gehören. Prinzipiell müssen bei jeder Flächen- und Gerätedesinfektion die Oberflächen vollständig benetzt sein; ebenso ist das Abtrocknen abzuwarten (Einwirkzeit).

Oberflächen und Gerätschaften sollten in festgelegten Zeitabständen sowie nach jedem Patientenkontakt desinfiziert werden.


#

Kleiderordnung

Berufskleidung wird vom Arbeitgeber gestellt ([Tab. 3]). Ebenso wird die Reinigung dieser Kleidung durch den Arbeitgeber organisiert. Die Berufskleidung sollte nicht zu Hause gewaschen werden. Das Tragen von Privatkleidung über Berufs- oder Bereichskleidung ist zu vermeiden.

Tab. 3

Kleiderordnung.

Bezeichnung

Definition

Tragen der Kleidung

Wechsel der Kleidung

Berufskleidung

Grundschutzfunktion

  • während der Arbeitszeit – vorne geschlossen

  • mind. 2 x wöchentlich

  • sofort bei optisch sichtbarer Verschmutzung oder Kontamination

Bereichskleidung

Ersatz der Berufsbekleidung in Bereichen mit besonderer Infektionsgefährdung, z. B.:

  • Angiografie

  • Operationssaal

  • Intensivstation

setzt sich farblich von der Berufsbekleidung ab

  • täglich

  • sofort bei optisch sichtbarer Verschmutzung oder Kontamination

  • bei Verlassen des Bereichs oder Überzug eines Laufkittels

vor An- bzw. Ablegen der Bereichskleidung:

hygienische Händedesinfektion!

Laufkittel

Schutzkleidung

  • bei Verlassen eines Bereiches mit besonderer Infektionsgefährdung

Schutzkleidung

in Biostoffverordnung (BioStoffVO):

  • persönliche Schutzausrüstung = Personal- und Patientenschutz zur Verhinderung von Keimverschleppung

  • patienten- und aufgabenbezogen, d. h. bei Gefahr der mikrobiellen Kontamination und Keimverschleppung

Schuhe

zur Vermeidung von Verletzungen ausschließlich zweckmäßiges Schuhwerk zulässig:

  • geschlossen oder mit Fersenriemen

  • flacher Absatz oder durchgehende, antistatische Gummisohle

  • in Bereichen mit besonderer Infektionsgefährdung maschinell desinfizierbar

vor An- bzw. Ablegen:

  • hygienische Händedesinfektion

1) Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

2) Partikelmaske, z. B. FFP2

  • Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

zu 2):

  • für Personal mit Exspirationsventil

  • für Patienten ohne Exspirationsventil

  • in Abhängigkeit von der jeweiligen Infektionskrankheit 1) oder 2)

  • Mund, Nase, Barthaare sind vollständig zu bedecken

  • darf nicht vorübergehend abgenommen werden

bei Durchfeuchten, d. h. wenn länger als 2 – 3 h getragen

  • Einmalhaube

  • Haarschutz

  • in Abhängigkeit von der jeweiligen Infektionskrankheit

  • in bestimmten Bereichen, z. B. Angiografie

  • verdeckt die Haare vollständig

regelmäßig

Schutzbrille

  • bei Gefahr von Verspritzen von Blut oder Sekreten

Es gilt zu beachten, dass unsterile Handschuhe mikroskopisch kleine Löcher aufweisen können. Somit kann ein 100 %-iger Schutz vor Mikroorganismen nicht gewährleistet werden. Gleiches gilt ebenfalls für sterile Handschuhe. Auch hier können Defekte, wenn auch im geringeren Maße, nicht ausgeschlossen werden [4]. Daraus ergibt sich die prinzipielle Händedesinfektion vor und nach dem Tragen von Schutzhandschuhen ([Abb. 6]).

Zoom Image
Abb. 6 Das korrekte An- und Ablegen von Schutzkleidung.

Wie für alle Bereiche eines Krankenhauses muss es auch für radiologische Abteilungen einen entsprechenden Hygiene- und Desinfektionsplan u. a. in Form von Maßnahmenblättern für unterschiedliche Infektionskrankheiten geben, in dem verbindlich der allgemeine Rahmen bezüglich der Hände- und Flächendesinfektion sowie die Kleiderordnung vorgegeben wird.

Ein Hygiene- und Desinfektionsplan muss in jeder radiologischen Abteilung vorhanden sein. Dessen Vorgaben sind verbindlich.


#
#

Hygienische Aspekte bei der Applikation von Arzneimitteln

Manuell

Vor dem ersten Anstechen von Behältnissen (z. B. Kontrastmittelflaschen, Infusionsflaschen) sollte eine Händedesinfektion durchgeführt und Handschuhe getragen werden. Da zeitlich versetzte Mehrfachentnahmen aus Behältnissen (sog. Multidosing) und deren Wiederbefüllung durch Aufsichtsbehörden wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nicht erlaubt sind, sollte man auf Einmaldosisbehälter mit minimalem Inhalt zurückgreifen. Denn die Gefahr der mikrobiellen Kontamination durch Mehrfachentnahmen über z. T. mehrere Tage aus ein und demselben Behältnis, das offen im Raum bei Raumtemperatur gelagert wurde, ist besonders hoch.

Die strikten Vorgaben des Arzneimittelgesetzes sind in den jeweiligen Gebrauchsinformationen der Hersteller hinterlegt und bei Verwendung von Arzneimitteln wie z. B. Kontrastmittel zwingend zu beachten.


#

Maschinell

Zur i. v. Kontrastmittelapplikation werden neben der manuellen Einbringung semiautomatische Doppelspritzeninjektoren mit 2 parallel angeordneten Kolbenpumpen eingesetzt. D. h, diese Kolben sind über einen T-Schlauch und den sog. Patienteninjektionsschlauch mit der Venenverweilkanüle verbunden. Dies hat sich als Standard in der Schnittbilddiagnostik etabliert [5]. Hierbei erfolgt der Aufbau und die Befüllung der Kolben manuell, während die Applikation automatisch funktioniert. Auch hierbei gilt es den Hygienestandard – Händedesinfektion und Tragen von Schutzhandschuhen – zu beachten.

Um einen hohen Patientendurchlauf gewährleisten zu können, wird oft die Vorgabe des BfArM nicht berücksichtigt. Statt nach jeder Kontrastmittelinjektion bzw. nach Verbrauch des Spritzenvolumens das gesamte System auszuwechseln, werden die Injektorspritzen wieder befüllt und somit für mehrere Patienten über einen längeren Zeitraum verwendet. Hierdurch sollen der Zeitverlust infolge von Aufbau und Befüllung sowie die Kosten – da z. T. erhebliche Kontrastmittelüberstände ungenutzt verworfen werden müssten – gesenkt werden.

In einer Studie konnte zwar gezeigt werden, dass durch eine korrekte Händehygiene das Kontaminationsrisiko im Rahmen des einmaligen Aufbaus und mehrmaliger Wiederbefüllung deutlich gesenkt werden kann, dass aber nach ca. 4-maligem Auffüllen Kontaminationen wieder nachweisbar sind [1] [2] [3]. Durch die Verwendung von Spezialeinwegventilen, sog. Rückschlagventilen, zwischen T-Schlauch und patientenseitigem Injektionsschlauch kann man entgegenwirken. Diese werden mit dem Patientenschlauch nach jeder Untersuchung gewechselt. Alternativ bieten Hersteller zur Einmalverwendung bereits mit Kontrastmittel zw. Kochsalzlösung vorgefüllte Injektorspritzen an.

Injektorspritzen sind gemäß BfArM nur für die Einmalverwendung zugelassen. Somit sind zeitlich versetzte Mehrfachentnahmen oder Wiederbefüllung zu unterlassen. Prinzipiell ist vor jedem Öffnen bzw. Anstechen einer Kontrastmittelflasche eine Händedesinfektion durchzuführen und anschließend sind Handschuhe zu tragen.

Neben der Beschriftung mit Anbruchdatum samt Uhrzeit bei Kontrastmitteln gehört auf folgende weitere Artikel die Datumsbeschriftung:

  • Desinfektionsmittel

  • Vernebler bei Sauerstoffanschlüssen

  • Medikamente

Medikamente sollten regelmäßig auf ihr Haltbarkeitsdatum überprüft werden und bei bald anstehenden Ablauf dementsprechend markiert werden.

Immer Hände desinfizieren vor jedem Öffnen einer Kontrastmittelflasche. Tragen Sie anschließend Handschuhe.


#
#

Organisatorische Maßnahmen

Die Zuweiser sollten angehalten werden, bereits bei der Anmeldung von Untersuchungen Informationen zum Infektionsstatus des Patienten anzugeben. Im Rahmen der digitalen Anmeldung über KIS/RIS kann man dies sehr einfach einfordern, indem ein Pflichtfeld „Infektionsstatus und Erreger“ im System eingerichtet wird. Bei Nichtausfüllen dieses Kästchens kann somit aufgrund der Unvollständigkeit einer Anmeldung keine Freigabe dieser erfolgen. So kann bereits im Vorfeld geklärt werden, ob und in welcher Art Vorkehrungen zur Untersuchung eines infektiösen Patienten getroffen werden müssen, um das Risiko einer Raum- und Gerätekontamination ebenso wie Folgekosten aufgrund von Reinigung der Räumlichkeiten oder gar Raumsperrungen und damit verbundenen Untersuchungsausfällen zu reduzieren.

Des Weiteren sollten – wenn möglich – so wenig Materialien, Gegenstände oder Gerätschaften im Untersuchungsraum gelagert werden, um den Desinfektionsaufwand bei nachträglich erwiesenem Erregernachweis zu minimieren. Falls das Aufbewahren unumgänglich ist, muss bei den vorhandenen Schränken auf ein möglichst dichtes Verschließen von Türen bzw. Schubladen geachtet werden. Im Falle der Infektion bzw. Verdacht auf Infektion mit Tbc-Erregern oder Noroviren eines Patienten müssen alle beweglichen Gegenstände und Materialen aus dem Raum entfernt werden.

Ist der Infektionsstatus bei der Anmeldung bekannt, sollte entweder der zuständige Gerätearzt oder ein für den Bereich verantwortlicher Hygienebeauftragte oder auch Krankenhaushygieniker zur Beratung hinzugezogen werden, um über Art und Umfang der Hygienemaßnahmen sowie die Terminierung der Untersuchung zu entscheiden. Wenn möglich, sollten solche Untersuchungen am Ende des Arbeitstages in Abhängigkeit der Dringlichkeit stattfinden. Um eventuelle Raumkontaminationen und Infektionsgefährdung der Mitarbeiter zu minimieren, ist es sinnvoll, sich auf so wenig Räume und Mitarbeiter mit direktem Patientenkontakt (Aufklärung, Lagerung, Untersuchungsdurchführung) zu beschränken. Des Weiteren sollten gesonderte Wartezonen vorhanden sein.

Kenntnisse über mögliche Übertragungswege während des Aufenthaltszeitraums in einer radiologischen Abteilung auf das Personal und andere Patienten sind entscheidend, um den Schutz des genannten Personenkreises durch adäquate Hygienemaßnahmen gewährleisten zu können. Grundlegende hygienische Maßnahmen sorgen zwar für eine Unterbrechung des Übertragungsweges, müssen aber bei Vorlage des Erregernachweises um dessen spezifische Hygienemaßnahmen erweitert werden ([Tab. 4]). Hierbei gilt es zwischen direktem und indirektem Kontakt zu unterscheiden.

Tab. 4

Überblick über spezifische Hygienemaßnahmen.

Erreger

Personal

Patient

Besonderheiten

  • MRSA

  • ORSA

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Haarschutz

1) stationär:

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Haarschutz

2) ambulant:

  • Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Untersuchung erst nach MRSA-Screening

  • Aufenthalt des Patienten in gesonderten Wartezonen

  • 3MRGN

  • 4MRGN

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • ggf. Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Aufenthalt des Patienten in gesonderten Wartezonen

ESBL

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • ggf. Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Haarschutz

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Aufenthalt des Patienten in gesonderten Wartezonen

VRE

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • ggf. Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Haarschutz

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Aufenthalt des Patienten in gesonderten Wartezonen

Norovirus

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • bei Erbrechen FFP2-Maske

  • Hepatitis B

  • Hepatitis C

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • Schutzbrille bei Gefahr der Tröpfchenübertragung

  • mehrfach wiederholte Händedesinfektion (verlängerte Einwirkzeit)

HIV/AIDS

Handschuhe

  • Schutzbrille nur bei Gefahr der Tröpfchenübertragung

Tbc:

1) pulmonal

  • offen

  • geschlossen

2) extrapulmonal

zu 1):

  • FFP2-Maske mit Exspirationsventil

  • Schutzkittel

  • Handschuhe

  • Haarschutz

zu 1):

  • Operationsmaske (Mund-Nasen-Schutz) oder besser

  • FFP2-Maske ohne Exspirationsventil

zu 1):

  • Flächendesinfektion gem. §§ 17,18 IfSG (Scheuer-Wisch-Desinfektion) durch entsprechend ausgebildetes Personal (Desinfektor)

AIDS (engl.) – Aquired Immunodeficiency Syndrome; HIV (engl.) – Human Immunodeficiency Virus; 3MRGNMultiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 3 der 4 Antibiotikagruppen); 4MRGNMultiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 4 der 4 Antibiotikagruppen; MRSAMethicillin-resistenter Staphyloccocus aureus; ORSAOxacillin-resistenter Staphyloccocus aureus; VREVancomycin-resistente Enterokokken; ESBLExtended-Spectrum-Betalaktamasen; TBCTuberculose

Kontaminierte Schutzkleidung sollte bereits im Untersuchungsraum abgelegt und in gesondert als Kontaminationsmüll gekennzeichneten Behältnissen entsorgt werden, um Eigenübertragung zu vermeiden. Diese Umverpackungen sollten sicher verschließbar sein. Für spitze und scharfkantige Gegenstände werden hierfür geeignete Behältnisse bereitgestellt. Die abschließende Händedesinfektion ist wie die abschließende Geräte- und eventuell Raumdesinfektion (Schlussdesinfektion) obligat. Hierbei ist es zwingend erforderlich die spezifischen Einwirkzeiten zugelassener Flächendesinfektionsmittel gem. VHA-Liste zu beachten.

Um eventuelle Raumkontaminationen und Infektionsgefährdung der Mitarbeiter zu minimieren, ist es sinnvoll, sich auf wenige Räume und Mitarbeiter mit direktem Patientenkontakt zu beschränken.

Kernaussagen
  • Aufgrund eines sehr großen Durchlaufs mit fast ausschließlich direktem Kontakt zu Patienten nehmen radiologische Abteilungen auch in der Krankenhaushygiene eine zentrale Bedeutung ein.

  • Um den Arbeitsablauf von radiologischen Abteilungen so wenig wie möglich zu stören, ist es wichtig, die Hygienebeauftragten in die Erstellung von Organisationsstrukturen durch den Krankenhaushygieniker einzubinden.

  • Unangepasste Hygienemaßnahmen verlangsamen oder unterbrechen den Arbeitsablauf und spezifische Hygienemaßnahmen sind z. T. sehr kosten- und zeitintensiv.

  • Daher ist es wichtig, alle Mitarbeiter einer solchen Abteilung regelmäßig zu Themen der Hygiene zu schulen, damit das Personal alle allgemeinen und spezifischen Hygienemaßnahmen sicher umsetzen kann.

Radiobonus

Wer die CRTE-Fragen zu diesem Artikel bis zum 31. Januar 2015 beantwortet, kann eines von 3 Exemplaren des Werks „Kappstein: Nosokomiale Infektionen“ gewinnen.


#
#

Über die Autorin


Annette Saur

Zoom Image

Jahrgang 1973. 1993 – 1995 Ausbildung zur MTRA am Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar. 1995 – 2014 Tätigkeit als MTRA im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Marien Hospital Düsseldorf. Seit 2014 Ltd. MTRA am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie, Universitätsklinikum Essen.

Interessenkonflikt: kein Interessenkonflikt angegeben


Korrespondenzadresse

Annette Saur, Ltd. MTRA
Institut für Diagnostische und Interventionelle
Radiologie und Neuroradiologie
Universitätsklinikum Essen (AöR)
Hufelandstraße 55
45147 Essen
Deutschland   
Telefon: +49(0)201/723-8450   
Fax: +49(0)201/723-1850   


Zoom Image
Zoom Image
Abb. 1 Durchführung der Händedesinfektion. Prinzipiell immer zu den Fingerspitzen ausstreichen. a Einen Hub Desinfektionsmittel in die Hand. b Desinfektion der Fingerkuppen. Schritt a und b wiederholen. c Desinfektion der Handinnenflächen einschließlich Fingerzwischenräume. d Desinfektion des Handrückens einschließlich Fingerzwischenräume. e Desinfektion beider Daumen. f Zeitaufwand ca. 60 Sekunden.
Zoom Image
Abb. 2 Abklatschprobe Tastatur.
Zoom Image
Abb. 3 Abklatschprobe MRT-Kopfhörer.
Zoom Image
Abb. 4 Abklatschprobe Patientenkabine Türgriff.
Zoom Image
Abb. 5 Abklatschprobe Handflasche.
Zoom Image
Abb. 6 Das korrekte An- und Ablegen von Schutzkleidung.