Rehabilitation (Stuttg) 2015; 54(03): 184-189
DOI: 10.1055/s-0034-1394452
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Individuelle und kontextbezogene Ursachen von Abbrüchen beruflicher Qualifizierungsmaßnahmen

Individual and Contextual Reasons for Drop-outs in Vocational Retraining
A. Meschnig
1   Abteilung Rehabilitationssoziologie, Institut für Rehabilitationswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin
,
S. Bartel
1   Abteilung Rehabilitationssoziologie, Institut für Rehabilitationswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin
,
E. von Kardorff
1   Abteilung Rehabilitationssoziologie, Institut für Rehabilitationswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin
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Publication Date:
26 February 2015 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Ausgangspunkt der Studie waren die von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) erhobenen, bei ca. 20% liegenden Abbruchraten bei beruflichen Bildungsmaßnahmen für Rehabilitanden.

Ziele: Analyse des Zusammenspiels individueller, verfahrensbedingter und institutioneller Faktoren für das Abbruchrisiko von Rehabilitanden in 2-jährigen beruflichen Bildungsmaßnahmen.

Methoden: In der explorativen Mixed-Method-Studie wurden 454 Teilnehmer von 2-jährigen Vollzeitmaßnahmen bei 3 Berufsförderungswerken und 3 freien Bildungsträgern mittels eines umfangreichen Fragebogens befragt. Darüber hinaus wurden Experten, Abbrecher und erfolgreiche Teilnehmer interviewt sowie jeweils 3 Gruppendiskussionen mit Teilnehmern und Experten durchgeführt.

Ergebnisse: Bei genauer Betrachtung erweist sich „Abbruch“ als ein mehrdeutiges, multidimensionales sowie von den einzelnen Beteiligten unterschiedlich bewertetes Geschehen. Als Prädiktoren für einen Abbruch wurden 3 zentrale personenbezogene Faktoren identifiziert: das Vorliegen einer Depression, eine negative Einschätzung der eigenen Gesundheit und mangelnde soziale Unterstützung. Der konkrete Abbruch einer Maßnahme erweist sich als vielschichtig und sehr oft situativ bedingt. Er lässt sich in der Regel nicht eindeutig und nur selten aus Personenmerkmalen, der bisherigen Berufsbiografie oder vorausgegangenen Zeiten von Arbeitslosigkeit vorhersagen. Verfahrensbedingte Abbruchrisiken liegen u. a. in der Zuweisungspraxis zu Ausbildungswegen bzw. zum Reha-Vorbereitungslehrgang (RVL) sowie in Qualität und Ausgestaltung der Praktika; institutionelle Risiken werden u. a. auf den auf 2 Jahre verdichteten Lehrstoff und auf gruppendynamische Prozesse zurückgeführt.[1]

Abstract

Background and Aims: The study focusses on the explanation of the individual, process-driven, and institutional factors and their interplay, and on the subjective accounts for the high drop-out rates in vocational retraining which are reported by the German statutory pension insurance scheme.

Methods: 454 participants of 2-year lasting vocational retraining schemes in 3 vocational promotion centers and 3 education providers took part in the questionnaire survey. Furthermore, experts, dropouts and participants were interviewed and group discussions with experts and participants were conducted.

Results: Drop-out is not a definite term. Instead, it consists of different dimensions. 3 personal factors for predicting a drop-out could be identified: suffering from depression, negative health assessment and lack of social support. Generally speaking, drop-out of vocational retraining is a complex and mainly situational process which can hardly be predicted by personal factors, job-biographies or foregoing unemployment.

1 Die wichtigsten Ergebnisse der Studie wurden auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 in Mainz vorgestellt (siehe: Bartel S, von Kardorff E, Kasten Y et al. Verläufe beruflicher Rehabilitationsmaßnahmen. DRV Schriften 2013; (101): 276-278).


Ergänzendes Material