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DOI: 10.1055/s-0036-1577828
Die Outperformer
NexusAuthors
Publication History
Publication Date:
04 March 2016 (online)
Die Geschäftszahlen der Nexus AG können sich sehen lassen. Das Schwarzwälder Unternehmen ist mittlerweile in 25 Ländern aktiv. Der Börsenwert der Software-Schmiede ist in den vergangenen Monaten rasant angestiegen.


Der IT-Hersteller Nexus hat eine Erfolgsstory zu erzählen – und die kommt am Finanzmarkt sehr gut an: In den vergangenen fünf Jahren hat die KIS-Schmiede laut eigenen Angaben 60 Häuser als KIS-Neukunden gewonnen – in diesem trägen Markt ist das eine beachtliche Zahl. Darüber hinaus weist das Unternehmen aus Villingen-Schwenningen regelmäßig zweistellige Wachstumsziffern aus. Im ersten Quartal dieses Jahres ist der Umsatz um 22 Prozent gestiegen, das Ergebnis vor Steuern um 17 Prozent auf 2,1 Millionen. Der Aktienkurs stieg seit Januar von 12 auf über 16 Euro Ende Juni. Es sind Nachrichten wie diese, die das Bild von Nexus derzeit prägen. „Wir wachsen seit 12 Jahren kontinuierlich”, sagt Ingo Behrendt, Vorstandsvorsitzender der Nexus AG. Das Unternehmen zählt derzeit 250 reine KIS-Kunden in Deutschland, ein Viertel davon sind Psychiatrien.
Spätstarter mit großem Auslandsgeschäft
Das Software-Unternehmen macht mittlerweile in 25 Ländern Geschäfte, darunter auch
in mehreren arabischen Staaten. Selbst auf den karibischen Inseln Turcs und Caicos
betreibt Nexus Krankenhaus-Informations-Systeme. Für diese breit gefächerte, weltweite
Präsenz hat Behrendt folgende Erklärung: „Wir sind spät in den Markt gestartet und
haben nach Einstiegsmöglichkeiten gesucht. Im Ausland gab es reichlich davon.” Nexus
ging 1999 an den Start und hat 2003 erstmals bemkerkenswerte Marktanteile gewonnen.
Seit 2001 erzielt das Unternehmen insbesondere in der Schweiz wesentliche Umsätze.
Im arabischen Raum hat das Unternehmen unter anderem in Kuwait, Saudi-Arabien und
Libyen Projekte umgesetzt. Doch seit dem arabischen Frühling sind die Umsätze dort
stark zurückgegangen. Derzeit existieren echte Geschäftsbeziehungen nur noch in Libyen
und Saudi Arabien. „Dieses Geschäft ist derzeit sehr schwierig, da die Unsicherheit
in der Region groß ist”, so Behrendt. Er will sich deshalb auf Europa konzentrieren.
Nexus hat in den vergangenen Jahren in Frankreich und Holland KIS-Anbieter erworben.
Das lokale Abrechnungssystem ergänzt der IT-Hersteller dort durch medizinische Module.
Rund 200 Häuser arbeiten derzeit in den beiden Ländern mit der KIS-Software von Nexus.
Entsprechend stieg der Auslandsumsatz der Aktiengesellschaft im ersten Quartal 2015
um 37 Prozent. Er macht damit mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus: 51 Prozent.Insgesamt
bietet Nexus KIS-Versionen mit eigener Abrechnungssoftware in Deutschland, Österreich,
der Schweiz, Frankreich und Holland an.
Wie die meisten Industrie-Vertreter bemängelt Behrendt, dass Kliniken in Deutschland zu wenig in IT investieren. „In anderen Ländern bauen Kliniken IT dynamischer aus, weil sie ihre Ärzte und Pflegekräfte entlasten wollen.” Das größte Potenzial der IT sieht der ehemalige Siemens-Manager in der Automatisierung von Routineaufgaben. „Denn hier sind die Kliniken auch bereit, Geld auszugeben”, so Behrendt. Die Dokumentationen, die Befundschreibung, die Leistungserfassung und selbst die Informationssuche lassen sich durch gezielte IT-Unterstützung um 30 Prozent beschleunigen, schätzt er. Geräteintegration, Spracherkennung und das Thema Mobilisierung seien weitere Beispiele für diesen Trend.
Verheißungsvoller Markt: Nexus setzt auf Mobility
Mobility ist für Behrendt der attraktivste Wachstumsmarkt. „Mobile Apps werden für
unterschiedliche Aufgabenstellungen im Krankenhaus entwickelt: Sei es zur Visitenunterstützung,
zur Dokumentation von Wunden oder zur schnellen Informationsbereitstellung unterwegs.
Das wir sicher der große Trend in unserer Industrie. Derzeit arbeiten wir an 80 neuen
Apps, 35 verkaufen wir schon.” Der Umsatz ist allerdings noch überschaubar. „Bei unserem
Jahresumsatz von über 80 Millionen Euro erzielen wir mit Apps weniger als ein Prozent.
Doch bereits in einigen Jahren werden sie einen erheblichen Anteil unseres Geschäfts
einnehmen. Denn der Druck, mobile Geräte einzubinden, wird sowohl von Patienten als
auch Ärzten und Pflege massiv kommen.” Personalisierte Apps für Patienten sind dagegen
noch deutlich fernere Zukunftsmusik, aber auch daran führt für Behrendt kein Weg vorbei.
„Patienten kommen mit ihren Langzeitinformationen, die wiederum auf mobilen Geräten
und damit in Apps stecken. Die Integration dieser Apps – etwa auf dem iPhone – gehört
genauso zu unseren Herausforderungen wie die Mobilisierung des KIS.”
Nexus setzt in der Vermarktung auf die Themen Nutzerfreundlichkeit und Schnelligkeit. „One-Click to Information” – ist das Schlagwort. „Usability ist einer unserer Entwicklungsschwerpunkte”, unterstreicht Behrendt. Auf der conhIT hat das Unternehmen ein neues Bedienkonzept vorgestellt. „Es ermöglicht unseren Anwendern, auf die wirklich wesentlichen Informationen in ihrer jeweiligen Arbeitsumgebung zu fokussieren. Wir machen Schluss mit überladenen Oberflächen und konzentrieren unsere Anwendung auf das jeweils Notwendige. Dies ist die nächste Stufe der Prozessunterstützung im Krankenhaus”, erläutert der Vorstandschef.
Die Kriegskasse ist gut gefüllt
Inhaltlich ist Nexus breit aufgestellt. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten bietet
das Unternehmen eine ganze Palette diagnostischer Spezialsysteme, etwa für Radiologie,
Kardiologie, Pathologie, Zytologie, Endoskopie und Geburtshilfe. 13 Millionen Euro
investiert Nexus laut Geschäftsbericht pro Jahr in Softwareentwicklung an insgesamt
fünf Standorten. Im letzten Jahr hat das Unternehmen ein Investitionsprogramm in Frankreich
und in den Niederlanden gestartet. Bereits im September hat Nexus den Berliner Hersteller
von Archivierungssoftware Marabu gekauft. Die Finanzierung dieser Aktivitäten stemmte
das börsennotierte Unternehmen ohne Fremdmittel. Auch für weitere Aktionen bleibt
die Kasse der Südbadener gefüllt: Im Februar dieses Jahres hat Nexus eine 4,2 prozentige
Kapitalerhöhung vorgenommen und so 8,8 Millionen Euro eingenommen.
Aus dem Schwarzwald in die Welt
Hauptsitz der Nexus AG ist das baden-württembergische Villingen-Schwenningen am Rande
des Schwarzwaldes. Der Umsatz des Unternehmens steigt seit 2003 jährlich, 2014 lag
er bei 80,1 Millionen Euro. Derzeit beschäftigt Nexus 810 Mitarbeiter, wobei es im
laufenden Jahr zu einem deutlichen Zuwachs kam: Das Unternehmen hat einen holländischen
KIS-Herstellers erworben. Zuvor hatte sich das Unternehmen bereits in den französischen
KIS-Markt eingekauft. Anfang dieses Jahres erwarb der IT-Hersteller zudem den Berliner
Anbieter für Archivierungssoftware Marabu. Die DACH-Region, Holland und Frankreich
betrachtet die IT-Schmiede, die auch im arabischen Raum Geschäfte macht, als Kernmärkte.
Das Unternehmen ist seit dem Jahr 2000 an der Frankfurter Börse notiert und im Prime
Standard gelistet. Der Aktienbesitz ist breit gestreut – über 70 Prozent liegen im
Freefloat.

