Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2016; 51(01): 18-23
DOI: 10.1055/s-0041-103059
Fachwissen
Notfallmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Kasuistik: Reanimation eines hypothermen Patienten – „Nichts ist so, wie es scheint!“

Case report: resuscitation of a hypothermic patient – “Nothing's like it seems!“
Florian Manke
,
Thorsten Keil
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
09. Februar 2016 (online)

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Zusammenfassung

Berichtet wird über die prolongierte Reanimation eines hypothermen Patienten (Körpertemperatur 26,2°C) im Stadium HT III des Swiss Staging Systems (SSS). Eine Herzdruckmassage mittels Lund University Cardiac Assist System (LUCAS) und eine Wiedererwärmung mit Hilfe einer Hämodialyseeinheit wurden durchgeführt. Nach einer Reanimationsdauer von ca. 200min entwickelte sich bei einer Körpertemperatur von 32,1°C ein Kammerflimmern, das durch eine Defibrillation in einen ROSC (Return ofSpontaniousCirculation) überführt werden konnte. Für den Patienten konnte ein sehr gutes kognitiv-mnestisches Reanimationsergebnis erzielt werden. Er erlitt jedoch ein schweres neurologisches Defizit im Sinne einer Querschnittssymptomatik. Es werden technische Besonderheiten, Prognosekriterien und mögliche pathophysiologische Zusammenhänge anhand des vorgestellten Falls diskutiert.

Abstract

We report about a prolonged resuscitation of a hypothermic patient (26.2°C) in stadium HT III of the Swiss Staging System (SSS). A mechanical chest compression with the Lund University Cardiac Assist System (LUCAS) and the rewarming with a haemodialysis device were implemented. After a resuscitation time of 200min and a body temperature of 32.1°C ventricular fibrillation occurred. After the defibrillation a return of spontaneous circulation (ROSC) was established. The patient achieved a very good cognitive-mnestic result after the resuscitation but he suffered a neurological deficit in the meaning of paraplegia.

Kernaussagen

  • Vorsichtige Bergung und Umlagerung des Patienten (maligne Herzrhythmusstörungen- „after drop“).

  • Keine Katecholamingabe bis 30 °C bzw. reduzierte Dosis bis 35 °C Körpertemperatur.

  • Nur initial 3 Defibrillationen bei Kammerflimmern bis 30 °C Körpertemperatur.

  • Prolongierte Herzdruckmassage bis Wiedererwärmung mit mechanischen Reanimationshilfen sind erfolgreich durchführbar.

  • Eine Prognose über das Outcome hypothermer Patienten nach einer Reanimation ist schwierig.

  • Die richtige Auswahl des Zielkrankenhauses ist mitentscheidend für das Outcome des Patienten.

Ergänzendes Material