Rofo 2016; 188(03): 298-299
DOI: 10.1055/s-0041-106537
The Interesting Case
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Binge Eating Disorder – eine seltene Differenzialdiagnose des akuten Abdomens

E. Zimmermann
,
M. Dewey
Further Information

Publication History

02 February 2015

11 September 2015

Publication Date:
29 January 2016 (online)

Einleitung

Das akute Abdomen stellt in der Notfallmedizin eine häufige Symptomatik dar (Ditkofsky et al. Emerg Radiol 2014; 21: 615 – 624, Stoker et al. Radiology 2009; 253: 31 46). Differenzialdiagnostisch kommen in erster Linie Erkrankungen des Abdomens in Betracht (z. B. Appendizitis, Divertikulitis, Hohlorganperforation, Abszess). Vor allem typisch ist der akute Bauchschmerz, wie z. B. abdominale Abwehrspannung, veränderte Peristaltik bis hin zum Schock. Aufgrund von schwerwiegenden bis hin zu lebensbedrohlichen Differenzialdiagnosen des akuten Abdomens ist eine schnelle Diagnostik notwendig. Neben der Anamnese, Klinik und Labor spielt die Bildgebung eine entscheidende Rolle. Sicherlich kommt der Sonografie, da schnell, kostengünstig und sehr gut verfügbar, eine führende Bedeutung zu (Testa et al. Intern Emerg Med 2010; 5: 401 – 409). Im Sinne der Stufendiagnostik werden viele Patienten mit akutem Abdomen einer Computertomografie zugeführt, insbesondere wenn eine chirurgische Therapie infrage kommt. Die Magnetresonanztomografie ist in einer kleineren Patientengruppe sehr von Nutzen (z. B. Schwangere, junge Patienten).

Die hier vorgestellte Patientin leidet seit Jahren an einer Essstörung (Anorexie), die akut durch die Folgen einer ausgiebigen Essattacke („binge eating“) in der Rettungsstelle vorstellig wurde. Es wird typischerweise in sehr kurzer Zeit sehr große Mengen an verschiedensten Lebensmitteln aufgenommen, oft von selbstinduziertem Erbrechen oder Medikamentenmissbrauch zur Gewichtsreduktion gefolgt. Eine differenzierte Unterscheidung der einzelnen Essstörungen bedarf einer ausgedehnten psychiatrischen Diagnostik und soll nicht vorranging in diesem Fallbericht behandelt werden (Voderholzer et al. Nervenarzt 2012; 83: 1458 – 1467, Smink et al. Curr Psychiatry Rep 2012; 14: 406 – 414).

Wir möchten anhand dieses Fallberichtes eine wichtige Differenzialdiagnose des akuten Abdomens vorstellen, die sicherlich nicht sehr häufig in der Rettungsstelle anzutreffen jedoch nicht minder interessant ist.