Z Gastroenterol 2021; 59(08): e280
DOI: 10.1055/s-0041-1734059
Deep Learning im Intestinum
Donnerstag, 16. September 2021, 12:00-13:20 Uhr, Saal 4
Endoskopie

Künstliche Intelligenz in der endoskopischen Darmkrebsvorsorge - teures Add-On oder langfristig kostensenkend?

S Döring
1   Klinikum Stuttgart, Katharinenhospital, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Pneumologie, Stuttgart, Deutschland
,
A Hann
2   Universitätsklinikum Würzburg, Med. Klinik II, Gastroenterologie, Interventional and Experimental Endoscopy (InExEn), Würzburg, Deutschland
,
W Zoller
1   Klinikum Stuttgart, Katharinenhospital, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Pneumologie, Stuttgart, Deutschland
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    Einleitung Hauptfunktion der Künstlichen Intelligenz (KI) in der endoskopischen Darmkrebsvorsorge ist die Unterstützung des Untersuchers in der Polypendetektion und/oder -charakterisierung. Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des gesundheitsökonomischen Einflusses von KI in der endoskopischen Darmkrebsvorsorge in Deutschland.

    Methodik Der KI-Einsatz als „Add-On“ oder in Kombination mit einem Polypenmanagement („Diagnose and Leave“ bzw. „Resect and Discard“) mit deren Auswirkungen auf verschiedene Kostenebenen wurden beleuchtet und um vereinfachte Simulationsrechnungen für das deutsche Gesundheitswesen ergänzt. Als Datengrundlage dienten eine systematische Recherche bis einschließlich 07/2020 in medizinischen Datenbanken, die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) sowie Erhebungen aus dem stationären Versorgungsbereich. Teile des Datenmaterials wurden im Rahmen der Masterarbeit des Erstautors erhoben (MHBA-Studiengang an der Universität Erlangen-Nürnberg).

    Ergebnisse Als Kostentreiber der konventionellen Vorsorgekoloskopie wurden leistungsbezogene Positionen identifiziert, vor allem die Anzahl der Polypektomien mit histologischer Aufarbeitung (die 1. Polypektomie beträgt mind. 24 % des Gesamtkostenvolumens) und blutstillende Maßnahmen (variabler Anteil). Die Implementierung einer KI-Endoskopie mit gesteigerter Polypendetektion führt zu höheren Prozeduralkosten. Mittels einer vereinfachten Simulationsrechnung wurde dargestellt, dass durch die Kombination einer KI (mit Polypencharakterisierung) mit dem Polypenmanagement „Diagnose and Leave“ Kosteneinsparungen bereits auf prozeduraler Ebene für das deutsche Gesundheitssystem möglich sind, sofern die KI-Einheit maximal 2 - 4€ an Zusatzkosten je Koloskopie versursacht.

    Schlussfolgerung Die Kombination einer KI-Endoskopie mit einem Polypenmanagement könnte im deutschen Gesundheitssystem zu einer Kostendämpfung in der Darmkrebsvorsorge führen.


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    Publication History

    Article published online:
    07 September 2021

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