Akt Rheumatol 2018; 43(01): 14
DOI: 10.1055/s-0043-122641
Für Sie notiert
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Systemischer Lupus erythematodes: Schlaganfallrisiko erhöht

Arkema EV.
Stroke in systemic lupus erythematosus: a Swedish population-based cohort study.

Ann Rheum Dis 2017;
76 (9) 1544-1549 doi:10.1136/annrheumdis-2016-210973
Further Information

Publication History

Publication Date:
05 March 2018 (online)

 

Patienten mit einem systemischen Lupus erythematodes (SLE) haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Ob die Betroffenen auch häufiger ischämische oder hämorrhagische Schlaganfälle erleiden, haben schwedische Wissenschaftler mit Hilfe einer populationsbasierten Kohortenstudie untersucht.


#

Mithilfe des Nationalen Patientenregisters wurden 3390 Erwachsene, bei welchen zwischen 2003 und 2013 ein SLE neu diagnostiziert worden war, identifiziert. Das Vergleichskollektiv bildeten 16730 gesunde Einwohner. Jedem SLE-Patient wurden 5 bezüglich des Alters, des Geschlechts sowie des Wohnorts abgeglichene Kontrollen zugeordnet. Anhand des Nationalen Patientenregisters, des schwedischen Stroke-Registers sowie des Todesursachenregisters wurde objektiviert, wie viele SLE-Patienten und wie viele Gesunde im Studienzeitraum einen ischämischen Schlaganfall bzw. eine intrazerebrale oder subarachnoidale Blutung erlitten hatten.

Ergebnisse

Das Durchschnittsalter betrug in der Studienpopulation 49 Jahre, der Frauenanteil 85%. Bei den SLE-Patienten lag im Vergleich zu den Kontrollen häufiger eine arterielle Hypertonie, ein Vorhofflimmern, eine Herzinsuffizienz sowie einen Diabetes mellitus vor. In den beiden Studienkollektiven erlitten 126 bzw. 304 Individuen einen Schlaganfall, was einer Inzidenzratio von 7,7 bzw. 3,5 pro 1000 Personenjahre entsprach. In der Mehrzahl der Fälle handelte es sich um ischämische Insulte. Die SLE-Patienten waren bei der Diagnose jünger als die Kontrollen (68,4 vs. 73,3 Jahre), 14 bzw. 4% der Schlaganfälle traten vor dem 50. Lebensjahr auf. Die Erkrankten hatten im Vergleich zur gesunden Bevölkerung ein mehr als doppelt so hohes Risiko für einen ischämischen Insult (HR 2,2; 95% KI 1,8–2,8) und jeweils ein 1,4fach erhöhtes Risiko für eine intrazerebrale bzw. subarachnoidale Hämorrhagie (HR 1,4; 95% KI 0,7–2,9 bzw. HR 1,4; 95% KI 0,5–3,9). Das höchste relative Schlaganfallrisiko hatten weibliche SLE-Patienten sowie Patienten im Alter <50 Jahren, wogen das absolute Risiko bei den älteren Patienten am höchsten war: in der Altersgruppe ≥60 Jahre traten im Vergleich zu den gesunden Vergleichspersonen neun zusätzliche ischämische Strokes pro 1000 Personenjahre auf. Es konnte gezeigt werden, dass das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall im ersten Jahr nach der SLE-Diagnose am höchsten war.

Fazit

SLE-Patienten, so die Autoren, haben im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein mehr als doppelt so hohes Risiko für einen ischämischen Insult. Insbesondere Frauen und jüngere Patienten sind gefährdet. Da das höchste relative Risiko in den ersten Jahren nach der Diagnosestellung besteht, sollten frühzeitig Präventionsstrategien erarbeitet werden. Zukünftig sei zu klären, in wiefern die Krankheitsaktivität sowie die SLE-Medikamente - neben den traditionellen Risikofaktoren - Schlaganfälle begünstigen.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell


#
#