Akt Rheumatol 2018; 43(01): 25-26
DOI: 10.1055/s-0043-122786
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kryoneurolyse verbessert bei Knie-Arthrose Schmerzen und Funktion

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Publication Date:
05 March 2018 (online)

 

    Die konservative Therapie bei Knie-Arthrose umfasst Veränderungen des Lebensstils mit Erhöhung der körperlichen Aktivität, Physiotherapie, Anpassen vorn Orthesen, intraartikuläre Injektionen und Gabe systemische Analgetika. Im Verlauf können aber nicht steroidale Antiphlogistika (NSAIDs) unwirksam werden, und Opioidanalgetika weisen eine Reihe schwerer und im Kontext der Arthrose nicht akzeptabler Nebenwirkungen auf.


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    Gerade im Hinblick auf die derzeit sichtbar werdenden Auswirkungen der großzügigen Opioidverordnungen (Opioid Epidemics in den USA) sind demnach neue, wirksam Maßnahmen gefragt. Eine davon stellen US-amerikanische Mediziner vor. Radnovich et al. haben das schon länger bekannte Konzept einer Kryoneurolyse in einer randomisierten, einfach verblindeten Studie untersucht. Bei der Kryoneurolyse wird eine Sonde in die Nähe des für den Schmerz verantwortlichen Nervs – hier des R. infrapatellaris des N. saphenus (RINS) – eingebracht. Anschließend wird die Sondenspitze mit bspw. Stickstoffoxid auf tiefe Temperaturen (–20+°C bis –100+°C) heruntergekühlt, und durch die Kälte kommt es zu einer Unterbrechung der Nervenstruktur und damit der Nervenleitung. Da dabei aber die strukturellen Elemente des Nervenbündels erhalten bleiben, ist die allmähliche Regeneration des Nervs möglich. In die Studie wurden insgesamt 180 Patienten mit klinisch und radiologisch gesicherter Arthrose des Knies aufgenommen. Einschlusskriterien umfassten u. a.

    • Veränderungen im Gelenk vom Schweregrad II oder III nach Kellgren-Lawrence auf den Standardröntgenaufnahmen,

    • Knieschmerzen bei Belastung ≥40 auf einer visuellen Analogskala (VAS) von 0 (keine Schmerzen) bis 100 (stärkste vorstellbare Schmerzen) und

    • Schmerzminderung um ≥50% nach einem diagnostischen Lidocainblock.

    Die Patienten wurden 1 von 2 Behandlungsarmen im Verhältnis 2:1 zugewiesen:

    • Kryoneurolyse des RINS des betroffenen Knies in Lokalanästhesie (Gruppe 1; n=121) oder

    • einem vergleichbaren Scheineingriff mit Lokalanästhesie, aber ohne Kühlung (n=59; Gruppe 2).

    Als primären Endpunkt beurteilten die Wissenschaftler die Veränderung bis Tag 30 auf der Subskala „Schmerzen“ des Western Ontario and McMaster Osteoarthritis Index (WOMAC) gegenüber dem Ausgangswert. Sekundäre Endpunkte umfassten Veränderungen auf den WOMAC-Skalen „Funktionsfähigkeit“ und „Steifigkeit“, den Anteil der Responder (Verbesserung ≥30% gegenüber dem Ausgangswert), die Veränderung der Schmerzen auf der VAS und die Ergebnisse bis Tag 60, Tag 90 und Tag 120. Die Auswertung ergab

    • signifikant geringere Schmerzwerte laut WOMAC an den Tagen 30, 60 und 90 bei den Patienten der Verumgruppe,

    • signifikante Verbesserungen von Funktion und Steifigkeit laut WOMAC an Tag 30 und tendenziell an Tag 60 sowie eine signifikant bessere Funktion an Tag 90,

    • eine signifikant verminderte Schmerzintensität laut VAS an Tag 30 (um 40 VAS-Punkte vs. 28 VAS-Punkte) und

    • einen anhalten Effekt bis Tag 150 bei denjenigen Patienten, die an Tag 120 WOMAC-Responder (n=93) und VAS-Responder (n=93) nach obiger Definition waren.

    Unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit der Studienbehandlung waren zwischen den Gruppen gleich verteilt und umfassten vor allem Schwellungen, Hämatome, Juckreiz und Rötungen. Im Allgemeinen bildeten sie sich spontan zurück. Bei 1 Patienten der Gruppe 2 kam es zu einer als schwer beurteilten Nebenwirkung durch die Studienmaßnahme, einer veränderten Sensibilität im behandelten Bereich.

    Fazit

    Die Kryoneurolyse scheint bei symptomatischer Knie-Arthrose eine wirksame und sichere Möglichkeit der Schmerztherapie, so die Autoren. Die erreichte Schmerzreduktion bzw. Funktionsverbesserung liegen dabei deutlich über den Werten, die als minimale klinisch relevante Differenz gelten. Der anhaltende Effekt nur 1 Intervention über teilweise mehr als 4 Monate und das Fehlen schwerer Nebenwirkungen lassen das Verfahren als echte Alternative zu einer chronischen Pharmakotherapie erscheinen.

    Dr. Elke Ruchalla, Bad Dürrheim


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