Akt Rheumatol 2018; 43(01): 28
DOI: 10.1055/s-0043-123270
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Psoriasisarthritis bei Senioren: wie effektiv und sicher sind TNFα-Blocker?

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Publication Date:
05 March 2018 (online)

 

Viele Patienten mit rheumatischen Gelenkerkrankungen profitieren hinsichtlich der klinischen und der röntgenologischen Krankheitsaktivität von einer medikamentösen Blockade proinflammatorischer Zytokine. Können TNF (Tumornekrosefaktor)α-Blocker bedenkenlos bei älteren Patienten mit Psoriasisarthritis (PsA) eingesetzt werden? Dieser Frage sind italienische Forscher mit Hilfe einer Beobachtungsstudie nachgegangen.


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Die Behandlung älterer PsA-Patienten ist nicht selten eine Herausforderung: Komorbiditäten und vorbestehende Leber- und Nierenschäden stellen Kontraindikationen für Biologika dar oder machen einen Therapieabbruch erforderlich. Auch Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten erschweren die Behandlung. Ob TNFα-Blocker für dieses Patientenkollektiv eine effektive und sichere Therapieoption darstellen, haben die Forscher im Rahmen einer Multicenterstudie untersucht. Teilnehmer waren 145 Patienten im Alter ≥65 Jahre mit einer PsA gemäß den CASPAR-Kriterien und stabiler medikamentöser Therapie. Eine Vorbehandlung mit TNFα-Blockern war ein Ausschlusskriterium. Alle Patienten wurden vor Beginn der Anti-TNFα-Therapie umfassen klinisch und laborchemisch untersucht. Vor, 6 sowie 12 Monate nach Behandlungsbeginn wurden die Krankheitsaktivität sowie Nebenwirkungen der Medikation objektiviert. Eine minimale Krankheitsaktivität lag per Definition vor, wenn 5 der sieben folgenden Kriterien erfüllt waren: ≤1 schmerzhaftes Gelenk≤1 geschwollenes Gelenk Psoriasis Area and Severity Index (PASI) ≤1 oder befallene Körperoberfläche ≤3% mittels visueller Analogskala (0–100 mm) gemessene Schmerzstärke ≤15 mittels visueller Analogskala (0–100 mm) gemessene Krankheitsaktivität ≤20 Health Assessment Questionnaire (HAQ) ≤0,5 sowie ≤1 schmerzhafte Enthesitiden

Auch die Häufigkeit von Therapieabbrüchen ging in die Analyse ein.

Ergebnisse

Das Studienkollektiv setzte sich zu etwa gleichen Anteilen aus Männern und Frauen zusammen. Das Durchschnittsalter betrug 70 Jahre und die durchschnittliche Erkrankungsdauer 75,6 Monate. Bei 116 Patienten lagen Komorbiditäten vor: am häufigsten ein arterieller Hypertonus gefolgt von einem metabolischen Syndrom, Osteoporose, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes und chronischer Gastritis. Bei Studieneinschluss wurden etwa 47% der Patienten mit Etanercept, 41% mit Adalimumab, 8% mit Golimumab und 4% mit Infliximab behandelt. Ferner standen 75 Patienten unter begleitender Therapie mit DMARD (disease-modifying anti-rheumatic drugs), 45 erhielten NSAID (nonsteroidal anti-inflammatory drugs) und 30 wurden mit Steroiden behandelt. Während der 12-monatigen Studienphase zeigte sich eine signifikante Verbesserung aller die Krankheitsaktivität definierenden Parameter. Auch der Bedarf an DMARD, NSAID und Steroiden nahm über die Zeit signifikant ab. Nach sechs bzw. zwölf Monaten erreichten 22,6% bzw. 51,8% der Studienteilnehmer eine minimale Krankheitsaktivität (Vergleich Studienbeginn/-ende: p<0,001). Insgesamt kam es bei 5,5% der Studienteilnehmer - im Mittel nach knapp sieben Monaten - zu einem Therapieabbruch. Die Gründe hierfür waren in vier Fällen fehlendes Therapieansprechen und in drei Fällen unerwünschte Nebenwirkungen (Transaminasenerhöhung, Injektionsreaktionen, Tumorerkrankung). Von einem Patient konnten keine Follow-up-Daten ausgewertet werden. Bei den übrigen Patienten ließen sich keine signifikanten Sicherheitsrisiken nachweisen: die Leber-, Nieren- und Blutzuckerwerte blieben im Studienverlauf stabil. Bei neun Patienten (6,2%) traten leichte Infektionen (Zystitis, Tracheitis) auf, die antibiotisch behandelt wurden, jedoch keine Unterbrechung der Studienmedikation erforderlich machten.

Fazit

Auch ältere PsA-Patienten profitieren von TNFα-Blockern, so das Fazit der Autoren: bei vertretbarem Nebenwirkungsprofil konnte bei mehr als der Hälfte der Studienteilnehmer nach zwölfmonatiger Therapie die Krankheitsaktivität auf ein Minimum reduziert werden. Ein weiterer Vorteil der Behandlung: nebenwirkungsreiche Antirheumatika können eingespart werden. Angesichts der spärlichen Datenlage zum Nutzen von Biologika im älteren Patientengut seien weitere Studien dringend erforderlich.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell


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