Akt Rheumatol 2018; 43(01): 26
DOI: 10.1055/s-0043-123271
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Enthesitis-assoziierte Arthritis: Mittelfuß bei Kindern früh betroffen

Phatak S.
Prominent midfoot involvement in children with enthesitis-related arthritis category of juvenile idiopathic arthritis.

Clin Rheumatol 2017;
36 (8) 1737-1745 doi:10.1007/s10067-017-3733-3
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Publication History

Publication Date:
05 March 2018 (online)

 

Viele Kinder mit einer juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) leiden an Fußbeschwerden. Indische Wissenschaftler haben untersucht, wie häufig sich bei Patienten mit einer Enthesitis-assoziierte Arthritis (EAA) - in Indien die häufigste Unterform der JIA - klinisch und mittels Bildgebung eine Beteiligung der Füße nachweisen lässt und mit welchen funktionellen Auswirkungen diese Veränderungen verbunden sind.


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Die EAA ist durch eine Tarsitis sowie durch entzündliche Veränderungen des Mittelfußes gekennzeichnet. Die Entzündungen der Sehnenansätze betreffen insbesondere die Insertion der Plantarfaszie sowie der Achillessehne. Teilnehmer der an einer pädiatrischen Rheuma-Ambulanz in Nordindien durchgeführten Studie waren 55 EAA-Patienten im Alter zwischen 8 und 17 Jahren (53 männlich). Die Erkrankungsdauer variierte zwischen 2 und 60 Monaten. Alle Patienten wurden klinisch auf das Vorliegen von Schwellungen, Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen der verschiedenen Fußgelenke untersucht. Eine Mittelfußbeteiligung lag vor, wenn Beschwerden im Talonavikular- oder Kalkaneokuboidgelenk nachweisbar waren. Für eine Enthesitis sprachen druckschmerzhafte oder geschwollene Ansätze der Plantarfaszie bzw. der Achillessehne am Kalkaneus. Auch eine Beteiligung der axialen Gelenke sowie der Iliosakralgelenke wurde erfasst. Die Beurteilung der klinischen Krankheitsaktivität sowie der funktionellen Beeinträchtigungen erfolgte mithilfe des „Juvenile Spondyloarthritis Disease Activity“ (JSpADA)-Index, des „Juvenile Idiopathic Arthritis Disease Activity Score-10“ (JADAS-10), des „Childhood Health Assessment Questionnaire“ (CHAQ) sowie des „Juvenile Arthritis Foot Disability Index“ (JAFI). In 46 Fällen erfolgte eine HLA-B27-Typisierung. Ferner wurden alle Patienten mittels Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MR) auf das Vorliegen von entzündlichen Veränderungen der Fußgelenke und Sehnenansätze untersucht.

Ergebnisse

53 Patienten nahmen NSAID (nonsteroidal anti-inflammatory drugs) ein und 11 Patienten wurden mit DMARD (disease-modifying anti-rheumatic drugs), bspw. Methotrexat oder Leflunomid, behandelt. Etwa 80% der Studienteilnehmer waren HLA-B27-positiv. Der durchschnittliche JSpADA-Index, JADAS-10-, CHAQ- und JAFI-Score betrugen 4, 14,25, 0,68 bzw. 4. Über Fußschmerzen berichteten 46 Kinder und in 36 Fällen wurde klinisch eine Entzündung von Fußgelenken vermutet. 26 Patienten wiesen eine Enthesitis auf: in 21 Fällen am Achillessehnen- und in 7 am Plantarfaszienansatz. Bei etwa 47% der Patienten waren weitere Gelenke betroffen. Mittels Ultraschalluntersuchung ließen sich bei 31 Patienten Auffälligkeiten nachweisen. Am häufigsten war das Talonavikulargelenk betroffen. Arthritiden des Mittelfußes waren bei 20, eine Enthesitis der Achillessehne bei 24 und eine Plantarfasziitis bei 11 Kindern darstellbar. MR-Befunde lagen von 50 Patienten vor. In 27 Fällen zeigte sich eine Mittelfußbeteiligung und bei 33 Patienten war ein Knochenmarködem nachweisbar. In drei Fällen war es zu einer Gelenkfusion gekommen. Enthesitiden des Mittelfußes wiesen 14 Patienten auf und in 17 Fällen waren Tenosynovitiden darstellbar. Die klinische und die sonographische Diagnostik waren in mehr als 80% der Fälle konkordant. Die MR-Befunde stimmten mit der klinischen und der sonographischen Untersuchung in mehr als 70% der Fälle überein.

Fazit

Die Autoren schlussfolgern: trotz der relativ kurzen Erkrankungsdauer wies ein großer Teil der indischen Studienpatienten eine entzündliche Beteiligung der Mittelfußgelenke sowie der Sehnenansätze auf. Bei drei EAA-Patienten war sogar bereits eine ankylosierende Tarsitis eingetreten. Um die daraus resultierenden schwere funktionelle Einschränkungen zu vermeiden, ist eine frühzeitige Diagnose und Therapie der entzündlichen Fußbeteiligung notwendig.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell


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