Akt Rheumatol 2018; 43(01): 10-12
DOI: 10.1055/s-0043-123741
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Frühzeitige Behandlung bei RA verbessert Ergebnisse über bis zu 20 Jahre

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Publication Date:
05 March 2018 (online)

 

    Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) hat sich über die letzten Jahrzehnte ein Paradigmenwandel vollzogen. So gilt mittlerweile eine frühestmögliche Behandlung als indiziert, und Methotrexat ist dabei das Medikament der ersten Wahl unter den DMARD (disease-modifying anti-rheumatic drugs).


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    Darunter haben sich für die ersten Jahre nach der Diagnose deutliche Verbesserungen im Vergleich zu den Ergebnissen in früheren Jahren gezeigt, aber es gib bislang kaum Langzeitdaten, die über eine Nachbeobachtung von 10 Jahren hinausgehen. Britische Mediziner legen nun solche Daten vor. In ihre Analyse haben James Gwinnut und seine Kollegen Patienten des prospektiven Norfolk Arthritis Register (NOAR) aufgenommen, bei denen zwischen 1990 und 1994 eine RA erstmals diagnostiziert worden war. Einschlusskriterien für die jetzige Auswertung umfassten Patienten ≥16 Jahre mit ≥2 geschollenen Gelenken über ≥4 Wochen zu Beginn und – retrospektiv ermittelt – gesicherter rheumatoider Arthritis nach den Kriterien des American College of Rheumatology bzw. der European League Against Rheumatism (ACR/EULAR) von 2010. Die Patienten wurden nach 1 Jahr, 2, 3, 5, 7,10, 15 und 20 Jahren nachuntersucht, wobei nur bei Patienten mit aktiver Erkrankung (geschwollene Gelenke bei ≥2 Gelegenheiten oder Behandlung mit DMARD oder oralen Kortikosteroiden bei der 5-Jahres-Untersuchung) über Jahr 5 hinaus nachuntersucht wurden. Bei den Kontrollen wurde u. a. die Zahl geschwollener und druckschmerzhafter Gelenke bestimmt, und die Pateinten beurteilten die Beeinträchtigung durch die Erkrankung anhand des Health Assessment Questionnaire – Disability Index (HAQ-DI). Für die Auswertung teilten die Forscher die Patienten in 3 Gruppen ein, abhängig vom Beginn der Behandlung mit DMARD bzw. Kortikosteroiden:

    • Patienten mit frühzeitig begonnener Behandlung (≤6 Monate nach Einsetzen der Symptomatik, n=160; Gruppe 1),

    • Patienten mit später begonnener Behandlung (>6 Monate nach Symptombeginn, n=249; Gruppe 2) und

    • Patienten, die niemals derart behandelt worden waren (n=193; Gruppe 3).

    Anschließend bewerteten sie die HAQ-DI-Werte sowie die Sterblichkeit und verglichen diese Ergebnisse zwischen den 3 Gruppen. Insgesamt 602 Patienten gingen in die Auswertung ein. Das Durchschnittsalter betrug 56 Jahre, fast ⅔ waren Frauen. Dabei waren Patienten der Gruppe 1 deutlich älter als die der beiden anderen Gruppen (62 Jahre vs. 54 bzw. 55 Jahre in Gruppe 2 bzw. Gruppe 3), und es handelte sich häufiger um Männer (46,9 vs. 27,7 und 31,6%). Mit Ausnahme der Anzahl geschwollener Gelenke und des Autoantikörperstatus waren alle klinischen Parameter bei Patienten der Gruppe 1 schwerer ausgeprägt als in den beiden anderen Gruppen. Über die 20 Jahre nach Aufnahme in NOAR starben

    • 88 Patienten der Gruppe 1 (55%),

    • 99 Patienten (39,8%) der Gruppe 2 und

    • 78 Patienten (40,4%) der Gruppe 3.

    Das entspricht einer erhöhten Sterblichkeit im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung (standardisierte Sterberate 1,28 in Gruppe 1, 1,23 in Gruppe 2 und 1,25 in Gruppe 3). Allerdings war die Sterblichkeit zwischen den Gruppe vergleichbar, sobald im Hinblick auf Alter, Geschlecht und Behandlungswahrscheinlichkeit (Indikations-Bias) korrigiert wurde, und tendenziell war das Sterberisiko in den beiden behandelten Gruppen vermindert (Odds Ratio 0,78 für Gruppe 1 vs. Gruppe 3 und 0,66 für Gruppe 2 vs. Gruppe 3). Bei insgesamt geringer Krankheitsaktivität (im Median 1–3 geschwollene und 3–6 druckschmerzhafte Gelenke) war der Durchschnittswert im HAQ-DI nach 1 Jahr im Vergleich zum Ausgangswert angestiegen.Danach blieb er aber bis Jahr 10 insgesamt gering und betrug 1,25 Punkte auf einer Skala von 0 (keine Beeinträchtigung) bis 3 (maximal mögliche Beeinträchtigung). Nach Adjustierung wie oben fanden sich über die gesamte Nachbeobachtungszeit bei Patienten der Gruppe 1 ähnliche HAQ-DI-Werte wie in Gruppe 3, während sie Gruppe 2 signifikant höher lagen.

    Fazit

    Nach dieser Analyse sind die Ergebnisse bei Patienten mit RA auch über eine Nachbeobachtungszeit von 20 Jahren relativ gut, meinen die Autoren. Das gilt vor allem im Vergleich mit einer früheren Kohorte, die zwischen 1964 und 1966 rekrutiert worden war, und spricht für die Wirksamkeit des veränderten Managements der RA.

    Dr. Elke Ruchalla, Bad Dürrheim


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