Akt Rheumatol 2018; 43(01): 22-24
DOI: 10.1055/s-0043-123743
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Walking-Programme: Wie lässt sich die Adhärenz der Teilnehmer verbessern?

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Publication Date:
05 March 2018 (online)

 

    Bei Patienten mit Arthrose im Bereich der unteren Extremität wird als eine der ersten Maßnahmen eine vermehrte körperliche Aktivität empfohlen, v. a. Walking kann Schmerzen und Steifigkeit der Gelenke verbessern. Patienten sind anfänglich auch durchaus bereit sind, an entsprechenden Programmen teilzunehmen.


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    Jedoch bröckelt mit der Zeit die Teilnehmerrate beträchtlich ab, und die beste Intervention kann nicht helfen, wenn sie erst gar nicht durchgeführt wird. Es gibt eine Reihe von Ansätzen, um die Therapieadhärenz zu verbessern – einen davon stellen Loew et al. vor. Die Wissenschaftler haben 69 Patienten in eine randomisierte Pilotstudie aufgenommen, die die Adhärenz der Teilnehmer bei 2 Walking-Programmen (einem supervidierten und einem nicht supervidierten) über insgesamt 9 Monate (6 Monate Intervention, 3 Monate Nachbeobachtung) verglichen hat. Einschlusskriterien umfassten ein Alter zwischen 40 und 81 Jahren und eine leichte bis moderate Arthrose des Knies. Nach der Erstuntersuchung und Einverständniserklärung des Patienten zur Studienteilnahme sollten die Patienten angeben, ob sie eines der beiden Programme bevorzugten. Anschließend wurde die Teilnehmer in zunächst 3 Gruppen stratifiziert: solche mit Präferenz für ein supervidiertes Walking, solche mit Präferenz für ein nicht supervidiertes Walking und solche ohne Präferenz. Innerhalb dieser 3 Strata erfolgte dann die Zuweisung zu 1 der 2 Arme nach dem Zufallsprinzip, sodass letztlich 6 Gruppen resultierten:

    • Gruppe 1: Präferenz für ein supervidiertes Programm und Zuweisung zu diesem Programm (n=11)

    • Gruppe 2: Präferenz für ein supervidiertes Programm, aber Zuweisung zum nicht supervidierten Programm (n=9)

    • Gruppe 3: Präferenz für ein nicht supervidiertes Programm und Zuweisung zu diesem Programm (n=18)

    • Gruppe 4: Präferenz für ein nicht supervidiertes Programm, aber Zuweisung zum supervidierten Programm (n=16)

    • Gruppe 5: keine Präferenz, Zuweisung zum supervidierten Programm (n=7)

    • Gruppe 6: keine Präferenz, Zuweisung zum nicht supervidierten Programm (n=8)

    Als primären Endpunkt beurteilten die Wissenschaftler die Adhärenz an das zugewiesene Trainingsprogramm gemittelt nach 3, 6 und 9 Monaten. Dazu zogen sie den 7-Day Physical Acitivity Recall heran, in dem die Teilnehmer angaben, an wie vielen Trainingseinheiten sie in den jeweils 7 zurückliegenden Tagen teilgenommen hatten. Empfohlen waren im 1.Monat 25 min 3-mal pro Woche, mit allmählicher Steigerung auf schließlich 45 min 3-mal pro Woche ab Monat 5. Für die Bewertung als adhärent musste >66% der vorgegebenen Übungseinheiten absolviert worden sein.

    Weitere Endpunkte umfassten u. a. funktionelle Parameter wie den 6-min-Gehtest, TUG-Test (Timed Up and Go), Gelenksteifigkeit und Schmerzen. Während der Studie brachen insgesamt 25 Teilnehmer das Programm ab, 11 aus einer supervidierten und 14 aus einer nicht supervidierten Gruppe. Knapp die Hälfte davon war dem von ihnen nicht präferierte Therapiearm zugewiesen worden. Die Auswertung ergab

    • nach 3 Monaten eine Adhärenzrate von

      • 70,5% in Gruppe 1 gegenüber 62,0% in Gruppe 2,

      • 56,1% in Gruppe 3 gegenüber 46,7% in Gruppe 4 und

      • 93,9% in Gruppe 5 gegenüber 76,4% in Gruppe 6;

    • nach 6 Monaten eine Adhärenzrate von

      • 60,7% in Gruppe 1 gegenüber 35,4% in Gruppe 2,

      • 43,1% in Gruppe 3 gegenüber 40,5% in Gruppe 4 und

      • 85,6% in Gruppe 5 gegenüber 54,9% in Gruppe 6;

    • nach 9 Monaten eine Adhärenzrate von

      • 24,8% in Gruppe 1 gegenüber 38,4% in Gruppe 2,

      • 37,9% in Gruppe 3 gegenüber 19,9% in Gruppe 4 und

      • 68,9% in Gruppe 5 gegenüber 43,4% in Gruppe 6.

    Nach 9 Monaten zeigte sich außerdem bei adhärenten Teilnehmern, die ihrer präferierten Gruppe zugewiesen worden waren, eine signifikante Verbesserung von Gelenksteifigkeit und Schmerzen sowie den Ergebnissen im Gehtest und im TOG-Test im Vergleich zu den Teilnehmern, die nicht ihrer Präferenzgruppe zugeteilt worden waren.

    Fazit

    Patienten mit Knie-Arthrose, die ein von ihnen bevorzugtes Walking-Programm absolvieren, bleiben eher und länger dabei als Teilnehmer, bei denen das nicht der Fall ist, so die Autoren. Dabei führt die Einhaltung des Programms mit Absolvieren von mehr als ⅔ der Trainingseinheiten zu funktionellen Verbesserung und einer Schmerzminderung. Größere Studien müssen diese Ergebnisse bestätigen – jedenfalls scheint der Ansatz, die Therapierpräferenz der Teilnehmer einzubeziehen, praktisch machbar.

    Dr. Elke Ruchalla, Bad Dürrheim


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