Akt Rheumatol 2018; 43(01): 10
DOI: 10.1055/s-0043-123747
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Rheumatoide Arthritis: Motivationsberatung bringt Patienten in Bewegung

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Publication Date:
05 March 2018 (online)

 

    Bei rheumatoider Arthritis wird Patienten in Ergänzung zur Pharmakotherapie eine regelmäßige körperliche Aktivität mit moderater bis hoher Intensität empfohlen. Das schaffen aber offensichtlich nur die wenigsten der Betroffenen: Bis zu 92% des Tages verbringen die Patienten im Sitzen.


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    Wenn aber einer stärkeren Aktivität Hemmschwellen entgegenstehen – lassen sich denn mit einer einfachen Verminderung der sitzend verbrachten Zeit auch positive Wirkungen erzielen? Dänische Mediziner haben das nun untersucht. Die Arbeitsgruppe um Tanja Thomsen hat dazu 150 Patienten mit rheumatoider Arthritis in eine randomisierte Studie über 16 Wochen aufgenommen. Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit von maßgeschneiderten Verhaltensinterventionen auf die Verminderung der täglich im Sitzen verbrachten Zeit zu untersuchen. Jeweils 75 Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip

    • der Interventionsgruppe oder

    • der Kontrollgruppe

    zugewiesen.In der Interventionsgruppe erfolgten während der 16 Wochen insgesamt 3 Gespräche, in denen die Patienten beraten wurde, wie sie ihre Motivation zur verstärkten körperlichen Bewegung verbessen oder aufrechterhalten konnten. Zusätzlich erhielten die Teilnehmer dieser Gruppe regelmäßige individuelle Kurznachrichten mit dem Ziel, die im Sitzen verbrachte Zeit zu reduzieren. In der Kontrollgruppe wurden die Patienten dagegen aufgefordert, während der 16 Wochen ihren üblichen Lebensstil beizubehalten. Der primäre Endpunkt war die Verminderung der täglich sitzend verbrachten Zeit, gemessen mithilfe des ActivPAL. Dieser Monitor misst Alltagsaktivitäten über Schrittzahl, Dauer und prozentuale Verteilung von Körperhaltungen (Sitzen/Liegen vs. Stehen vs. Treppensteigen), Die Teilnehmer trugen den Monitor zu Studienbeginn und vor Studienende jeweils 7 Tage über 24 h am Tag. Schlafzeiten wurden dabei abgezogen. Sekundäre Endpunkte umfassten u. a. Schmerstärke, Lebensqualität und verschiedene Stoffwechselparameter. Die Auswertung ergab

    • in der Interventionsgruppe eine Verminderung der Sitzdauer um 1,61 h/Tag gegenüber

    • einer Zunahme der Sitzdauer um 0,59 h/Tag in der Kontrollgruppe.

    Auch Schmerzen und Fatigue besserten sich in der Interventionsgruppe stärker, ebenso die Lebensqualität und die körperliche Funktionsfähigkeit laut Health Assessment Questionnaire. Die Veränderungen von Stoffwechsel- und anthropometrischen Parametern (Gewicht, Taillenumfang, Blutdruck, Hämoglobin A1c, Lipide) fielen dagegen zwar numerisch in der Interventionsgruppe günstiger aus. Mit Ausnahme der Gesamtcholesterinkonzentration (Abnahme um 0,24 mmol/l in der Interventionsgruppe vs. Zunahme um 0,13 mmol/l in der Kontrollgruppe) waren diese Unterschiede aber statistisch nicht signifikant.

    Fazit

    Eine relativ einfache Intervention zur Verhaltensänderung kann die täglich im Sitzen verbrachte Zeit bei Patienten mit rheumatoider Arthritis vermindern, fassen die Autoren zusammen. Das schlägt sich in einem höheren subjektiven Wohlbefinden nieder, jedoch (noch) nicht in objektiven Stoffwechseldaten. Die Interventionsdauer könnte aber, so Thomsen et al. abschließend, zu kurz gewesen sein, um hier relevante Unterschiede zu erreichen – das sollten weitere Studien prüfen.

    Dr. Elke Ruchalla, Bad Dürrheim


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