Akt Rheumatol 2018; 43(01): 14-16
DOI: 10.1055/s-0043-123749
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Lupusnephritis: Stammzellbehandlung ohne nachweisbare Wirkung

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Publication Date:
05 March 2018 (online)

 

    Ein systemischer Lupus erythematodes (SLE) ist durch die Beteiligung multipler Organsysteme gekennzeichnet, und eine SLE-Nephritis kann bei bis zu ¾ der Patienten auftreten. Die Nephritis schreitet unbehandelt bis zur terminalen Niereninsuffizienz fort, und eine aggressive immunsuppressive Therapie stellt derzeit die einzige gesicherte Behandlungsmöglichkeit dar.


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    Ein anderer Ansatz ist die Nutzung immunmodulatorischer Effekte durch eine Stammzelltransplantation. Vor allem 1 Arbeitsgruppe hat nahezu dramatische Besserungen der Nephritis nach Transplantation allogener mesenchymaler Stammzellen aus Nabelschnurblut beschrieben. Deng et al. haben diese Möglichkeit nun in einer randomisierten Doppelblindstudie mit 18 Patienten ab dem 16. Lebensjahr (Durchschnittsalter 29 Jahre; 17 Frauen) weiter untersucht. Einschlusskriterien umfassten

    • eine Lupusnephritis Klasse III oder IV nach der Einteilung der WHO (fokale Lupusnephritis bzw. diffuse segmentale oder globale Lupusnephritis),

    • einen SLEDAI-Wert >8 (SLEDAI: Systemic Lupus Erythematosus Disease Activity Index)

    • einen BILAG-Score A oder B, entsprechend einer hohen Aktivität des SLE (BILAG: British Isles Lupus Assessment Group),

    • eine Proteinurie >1 g/Tag,

    • ein aktives Urinsediment und

    • eine Serumkreatininkonzentration ≤2,83 mg/dl.

    Die Patienten wurden im Verhältnis 2:1 nach dem Zufallsprinzip

    • der Stammzelltransplantation (2×108 Zellen im Abstand von 7 Tagen) (n=12) oder

    • der 2-maligen Gabe von Placebo im gleichen Zeitabstand (n=6)

    zugwiesen. Das begleitende Protokoll zur Immunsuppression bestand aus Methylprednisolon mit oder ohne Cyclophosphamid (Induktion), gefolgt von Prednisolon und Mycophenolatmofetil (Erhaltungstherapie), ohne Unterschied zwischen den Gruppen. Als primären Endpunkt bewerteten die Wissenschaftler das Auftreten einer Remission der Nephritis, definiert als Stabilisierung oder Verbesserung der Serumkreatininkonzentration und der Proteinurie anhand vorab festgelegter Grenzwerte. Sekundäre Endpunkte umfassten u. a. Verbesserungen im SLEDAI- und im BILAG-Score, Konzentrationen der Komplementfaktoren und den Autoantikörperstatus. Die Studie wurde nach Behandlung der 18 Patienten vorzeitig beendet, da die Zwischenauswertung mit deren Daten es unwahrscheinlich machte, dass eine Fortführung der Studie positive Ergebnisse erbringen würde. Eine Remission der Nephritis war aufgetreten bei

    • 9 Patienten der Stammzellgruppe (75%) gegenüber

    • 5 Patienten der Placebogruppe (83%).

    In beiden Gruppen kam es zu einer Abnahme der Proteinurie und einer gleichzeitigen Zunahme der Serumalbuminkonzentration, bei stabiler Serumkreatininkonzentration (Veränderungen <20%). Auch die Aktivität des SLE verbesserte sich in beiden Gruppen in ähnlichem Ausmaß. Es kam zu 1 Todesfall aufgrund einer schweren Pneumonie (Patientin der Verumgruppe). Weitere schwere unerwünschte Wirkungen umfassten 1 Schlaganfall und 1 Aszites unklarer Genese (2 Patienten der Placebogruppe) sowie 1 Leukopenie und Pneumonie mit subkutanen Abszessen (1 Patientin der Verumgruppe).

    Fazit

    Die berichteten guten Ergebnisse einer Therapie mit mesenchymalen Stammzellen aus Nabelschnurblut bei SLE-Nephritis ließen sich hier nicht bestätigen, fassen die Autoren zusammen. Die Gründe dafür bleiben zunächst spekulativ, möglicherweise können weitere Untersuchungen Aufschluss geben. Das bedeutet aber nicht, dass diese Stammzellen grundsätzlich keine immunsuppressive Wirkung aufwiesen – bei Crohn-Erkrankung und Graft-versus-Host-Krankheit z. B. konnten sie klar gezeigt werden.

    Dr. Elke Ruchalla, Bad Dürrheim


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