Hintergrund Der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung erhöhen den Bedarf an
Pflegekräften, der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen verschärft die Situation.
Bis 2050 werden rund 196.400 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Insbesondere in ländlichen
Regionen sind die Herausforderungen groß, da eine Zentralisierung der Angebote nur
bedingt realisierbar ist und gleichzeitig Ballungsräume mit deutlich besser ausgebauter
Infrastruktur oft attraktivere Arbeits-, Lebens- und Sozialräume bieten. In diesem
Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie ländliche Regionen im Wettbewerb um Fachkräfte
im Gesundheitswesen attraktive Rahmenbedingungen schaffen können.
Methode Das Projekt analysiert die Pflegesituation im urbanen und ländlichen Raum anhand
von Fokusgruppen von Policy Makern und Entscheidungsträger:innen, Führungskräften,
Pflegedienstleitungen und Mitarbeiter:innen im Pflege- und Gesundheitsbereich. In
Zusammenarbeit mit diesen Stakeholdern werden Maßnahmen erarbeitet, um die Lebensqualität
der Pflegebedürftigen zu verbessern und die Nachhaltigkeit des Pflegesektors zu fördern.
Unsere Arbeit betont die Bedeutung kollaborativer Lösungsansätze und zielt darauf
ab, ein regionales Netzwerk zur Förderung des Austauschs und der Entwicklung gemeinsamer
Lösungen zu etablieren. Dazu wird eine Steuerungsgruppe aus Politik und Leiter:innen
der größten Gesundheitsdienstleister der Region mit praxisnahen Handlungsoptionen
unterstützt.
Ergebnisse Arbeitgeber:innen in ländlichen Gebieten sind mit speziellen Herausforderungen bei
der Rekrutierung von Fachkräften konfrontiert.
Gerechte Entlohnung wird als Grundvoraussetzung gesehen, allerdings spielen Rahmenbedingungen
wie bspw. Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine wesentlich wichtigere Rolle. Hier
sieht sich gerade die Peripherie im Nachteil, weil nicht die gleiche Infrastruktur
angeboten wird wie im Zentrum – z.B.: im Bereich der Kinderbetreuung, Mobilität oder
Mitarbeiter:innenbenefits.
Mitarbeiter:innen, die in ihrer Pension arbeiten, tragen zu einem positiven Arbeitsumfeld
bei und dienen als Motivation für junge Mitarbeiter:innen. Für diese Pflegefachkräfte,
die aus dem Ruhestand zurückkehren, ist es von Bedeutung, Beratungsmöglichkeiten zu
Themen wie Pension, Zuverdienst und Steuerfragen zu erhalten.
Auch bei der Digitalisierung sieht sich der ländliche Raum Herausforderungen gegenüber,
die das Arbeiten in der Pflege durch einen Informationsnachteil zu aktuellsten technischen
und digitalen Entwicklungen sowie einem schleppend verlaufenden Ausbau der Infrastruktur
erschweren – es gibt Häuser, die erst seit Kurzem W-LAN oder bis heute noch keinen
Breitbandzugang haben.
Es kristallisiert sich heraus, dass die Zukunft der Peripherie in einem starken Netzwerkgedanken
und der interdisziplinären Zusammenarbeit liegt, um im Vergleich zum urbanen Raum
konkurrenzfähig zu bleiben.