Immer wieder wird man von Patienten mit obstruktivem Schlafapnoesyndrom (OSAS), denen
eine CPAP-Therapie empfohlen wurde, gefragt, ob sich nicht die Lunge durch den Überdruck
ausdehnen und damit eine irreversible Lungenüberdehnung eintreten würde. Ich erinnere
mich an ältere Literatur, die bereits zeigte, dass selbst bei Blasinstrumente spielenden
Konzertmusikern mit täglich vier bis sechsstündiger Orchester-Probe auch nach mehreren
Jahrzehnten lungenfunktionell quantifiziert kein Lungenemphysem auftritt. In den zentralen
Bronchien entstehen bei diesen Blasmusikern Drucke, die leicht 60 bis 100 cm Wasser
erreichen können. Im Vergleich dazu sind die Drucke bei der Behandlung des OSAS pianissimo.
Ein Elastizitätsverlust der Lunge unter Druckapplikation ist allein aufgrund der pathogenetischen
Entstehungsmechanismen eines Lungenemphysems recht unwahrscheinlich. Ein Lungenemphysem
entsteht hauptsächlich über Nikotinabusus mit Aktivierung der Makrophagen durch den
Zigarettenrauch und andere irritierende Substanzen. Die Makrophagen produzieren unter
anderem verschiedene Proteinasen, die das Gewebe zerstören, sodass ein Lungenemphysem
entsteht. Bei einem Ungleichgewicht zwischen Proteinasen und Anti-Proteinasen wird
die schnelle Entstehung eines Lungenemphysems begünstigt.
Der Schweregrad und vor allem die Frequenz schwerer Entzündungen begünstigen die Verschlechterung
der elastischen Verhältnisse der Lunge. Die Exacerbationsfrequenz beeinflusst langfristig
die atemmechanischen Parameter. In Untersuchungen an 109 Patienten mit mittel bis
schwergradiger COPD wurde regelmäßig über einen Zeitraum von etwa drei Jahren die
Sekundenkapazität gemessen [3]. Es wurde gezeigt, dass sich die Sekundenkapazität bei unterschiedlicher Exacerbationsfrequenz
(Schwellenwert 1,5 Exacerbationen pro Jahr) deutlich unterscheidet. Bei unter 1,5
Exacerbationen pro Jahr lag die Abnahme der Sekundenkapazität bei 25,3 Milliliter
pro Jahr im Vergleich zu der Gruppe mit mehr als 1,5 Exacerbationen pro Jahr mit 46,1
Milliliter pro Jahr. Man muss deshalb annehmen, dass die intensivere Atemwegsentzündung
bei diesen Patienten zu einer stärkeren Abnahme der Sekundenkapazität und daraus abgeleitet,
zu einer Minderung der Elastizität des Lungengerüstes führt.
Dennoch ist es beruhigend zu wissen, dass eine sorgfältige retrospektive Studie, die
in diesem Heft publiziert ist, eher eine Besserung der Vitalkapazität unter CPAP-Therapie
gefunden hat [5]. Die Autoren fanden, dass im Verlauf von drei Jahren die inspiratorische Vitalkapazität
von 92,7 Prozent auf 95,1 Prozent des Sollwertes angestiegen ist. Die Differenz ist
zwar signifikant, aber relativ irrelevant. Man kann nun spekulieren, ob es sich um
einen Übungseffekt oder um eine Rekrutierung minderbelüfteter Lungenareale handelt.
Entscheidend ist die Aussage, dass sich keine Verschlechterung ergeben hat. Ähnliche
Ergebnisse wurden von anderen Arbeitsgruppen vorgelegt. So fanden Hein u. Mitarb.
[4] keine signifikante Änderung der Vitalkapazität, ebenso keine Abhängigkeit vom Beatmungsdruck.
Die von Chaouat [1] gefundene Erniedrigung der Sekundenkapazität nach 5 Jahren von 80±21 auf 76±21 %
von unter CPAP erklärt sich durch den hohen Anteil von Rauchern oder Ex-Rauchern (50
der insgesamt 65 untersuchten Patienten), die bekanntlich eine beschleunigte Abnahme
der FEV1.0 erleiden.
Bei Bestehen einer bronchialen Hyperreagibilität kann unter CPAP bei etwa 25 % der
Patienten eine Verschlechterung eintreten, vor allem bei Problemen im Bereich der
nasalen und oropharyngealen Schleimhäute [2]. Weitere Daten zu dieser Problematik wären wünschenswert.
Hinter den Befürchtungen der Patienten einer Druckschädigung der Lunge steckt dennoch
ein Quäntchen Wahrheit. Werden nämlich mittels mechanischer Ventilation sehr hohe
Drucke bei hohen Atemzugvolumen verwandt, kann es zur Freisetzung von Entzündungsmediatoren
kommen. Schon nach 2 Tagen ähneln in tierexperimentellen Untersuchungen die histologischen
Veränderungen einem frühen Stadium eines ARDS [6]. Die dabei verwandten Drucke von 40 mbar und mehr sind allerdings nicht mit dem
üblichen CPAP von unter 15 mbar zu vergleichen.
Zusammengefasst stellt die CPAP-Therapie keine Gefahr für die Elastizität der Lunge
dar. Die Lunge ist nun mal kein Luftballon.