Quelle: Alboni P, Botto GL, Baldi N et al. Outpatient treatment of recent-onset atrial fibrillation
with the "pill-in-the-pocket" approach. N Engl J Med 2004; 351 (23) 2384- 2391
Thema: Die Applikation einer einzelnen oralen Sättigungsdosis von Flecainid oder Propafenon
im Krankenhaus kann Vorhofflimmern adäquat begegnen. Diese Antiarrhythmika der Klasse
I C wirken schnell und effektiv (Erfolgsrate 58-95%). Doch können Patienten mit seltenen
und gut tolerierten Vorhofflimmerepisoden diese auch mit einer ambulanten Bedarfstherapie
in den Griff bekommen?
Projekt: Wie effektiv und wie sicher die Methode mit der "Pille in der Tasche" bei wiederkehrenden
Palpitationen ist, untersuchten jetzt italienische Forscher. An der Studie nahmen
210 Patienten mit leichter oder ohne Herzerkrankung teil, die zuvor in der Notaufnahme
sicher auf die Behandlung mit Flecainid oder Propafenon angesprochen hatten.
Ergebnis: Innerhalb eines Zeitraums von 15 Monaten traten bei 165 der Patienten insgesamt 615
Arrhythmieepisoden auf, 94% davon konnten mit einem der beiden Antiarrhythmika erfolgreich
beendet werden.
Obwohl die Anzahl symptomatischer Episoden im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich
war, gingen notfallmäßige Interventionen und Klinikeinweisungensignifikant zurück
(p < 0,001). Unerwünschte Wirkungen waren selten (7%): Elf Patienten berichteten über
nichtkardiale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Asthenie oder Schwindelgefühl, bei einem
Patient kam es allerdings zu einer ventrikulären Tachyarrhythmie.
Fazit: In dem ausgewählten Patientenkollektiv mit rezidivierendem Vorhofflimmern - ohne
ischämische Herz- oder Klappenerkrankung, ohne Kardiomyopathie oder Risikofaktoren
für eine Kammerarrhythmie, das sind etwa 10% aller Patienten mit Vorhofflimmern -
ist die Behandlung mit der "Pille in der Tasche" demnach effektiv und sicher.
Gleichzeitig können so notfallmäßige Interventionen und Krankenhauseinweisungen reduziert
werden. Ob jedoch die vorausgegangene Einschätzung der Wirksamkeit der Therapie im
Krankenhaus entfallen kann, das müssen weitere Studien zeigen.
Key Words: Vorhofflimmern - Flecainid - Propafenon - Selbstverabreichung